FeedBotta (Carlo Giuseppe Guglielmo)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Botta (Carlo Giuseppe Guglielmo), ital. Dichter und Geschichtschreiber, geb. 6. Nov. 1766 zu San-Giorgio del Canavese im Piemontesischen studierte in Turin Medizin. Offen den Grundsätzen der Französischen Revolution zugethan, ward er von der sardin. Regierung 1792 festgenommen. Als er 1794 wieder in Freiheit kam, ging er nach Frankreich, wo er zuerst Feldarzt bei der franz. Alpenarmee wurde. Dieser Dienst brachte ihn nach Korfu und 1799 neben Carlo Aurelio de Bossi und Carlo Giulio (daher il Triumvirato de' tre Carli) in die . . e Regierung von Piemont. Nach der chlacht von Marengo wurde er Mitglied der piemontes. Consulta. Nach der Vereinigung Piemonts mit Frankreich gelangte er in den Gesetzgebenden Körper, wo er die Ungunst Napoleons zuzog, indem er dessen Staatsverwaltung als Despotie charakterisierte. Er war 1814 eins der Mitglieder dieses Körpers, welche Napoleon des Throns verer 9 erklärten. Während der Hundert Tage ward er Rektor der Akademie zu Nancy und nach der Rückkehr der Bourbons Rektor an der Akademie zu Rouen, welche Stelle er später niederlegte, um als Privatmann zu leben. Zu seinen frühern, durch ihren Stil ausgezeichneten Schriften gehören: Description de P'ile de Corfus (2 Bde., Par. 1799), „Souvenirs d'un voyage en Dalmaties (Tur. 1802), Précis historique de la maison de Savoies (Par. 1803). Mit vielem Beifall wurde auch sein Epos in 12 Gesängen: II Camillo o Vejo conquistatads (Par. 1816), Obten Ausdat Seine Hauptwerke sind aber die in vielen Ausgaben verbreitete «Storia dItalia dal 1789 al 18145 (zuerst 4 Bde., Par. 1824; deutsch von Förster, 8 Bde., Quedlinb. 1827 —31), die Histoire des peuples d'Italies (3 Bde., Par. 1825), die Storia d'Italia dal 1789 al 18145 (beste Ausg. in 8 Bdn., Pisa 1824 — 25) und die «Storia d'Italia continuata da quella del Guicciardini sin all' anno 17895 (10 Bde., Par. 1832; beide Werke zusammen in 20 Bdn., Par. 1832). Seine «Storia della guerra dell' indipendenza 8090 Stati Uniti d' America (zuerst 4 Bde., Par. 1809) hat namentlich in Amerika vielen Bei⸗ — gefunden. Manierierter Stil und Mangel an istor. Kritik sowie an Objektivität bilden die Hauptmängel seiner geschichtlichen Arbeiten. Erst 1831, als sein Gönner Karl Albert König von Sardinien geworden, erhielt er die Erlaubnis, seine Vaterstadt wieder zu betreten; —ãꝓ .7 og er aus der Privatschatulle ein Jahrgeld. B. tarb in Paris 10. Aug. 1837 seine Reste wurden 1875 nach dem Pantheon von Florenz, der Kirche Sta.⸗Croce, übergeführt. Vgl. 1 „Vita di Carlo B.„ (Tur. 1868). Botta (Paul Emile), franz. Archäolog, der Sohn des vorigen, geb. zu Turin 6. Dez. 1802, undehtel; noch sehr jung eine Reise um die Welt und hielt sich längere Zeit auf den westl. Küsten Amerikas auf, wo er mit Eifer un1839 al8.18t liches Material sammelte, trat dann 1830 als Arzt in die Dienste Wemede und wohnte der ägypt. Expedition nach Sennaar bei. Von hier brachte er eine sehr bedeutende zoolog. Sammlung 1833 nach Kairo mit. Die 4% egierung ernannte ihn hierauf zum Konsul in Alexandria, von wo aus er eine Reise nach Arabien unternahm, deren Resultate er in dem Werke Relation d'un voyage dans I'Vémen, entrepris 1837 ete.o + 18⁴4⁴) niederlegte. Sodann wurde er Konsularagent in dienwo er den Nestorianern seinen Schutz gegen die Ani e der Kurden deshalb versagte, weil sie nicht atholisch werden wollten. Von dem Orientalisten Julius Mohl angeregt, begann er Nachgrabungen auf der Stätte des alten Ninive im Frühsahr 1843 bei dem Dorfe Khorsabad, anfangs nur mit geringem, bereits seit dem Sommer desselben Wleire aber mit so bedeutendem Erfolge, daß bald eine Reihe von Palastanlagen bloßgelegt wurde. UÜber die Fortschritte seiner Arbeiten erstattete er seit W. 843 in dem Journal asiatiquep regelmäßig Bericht; seine schwierigen Untersuchungen über assyr. Keilschrift erschienen in dem Mémoire de l'écriture cunéiforme assyriennen (Par. 1848) auch besch der abgedruckt. Die franz. Regierung nahm ich der Sache mit 6. Sla Wärme an. Ein sehr Steler Zeichner, Eug. Flandin, wurde an Ort und telle geschickt, um die aus leicht zerfallendem Alabaster bestehenden Skulpturen zu zeichnen, und eine Kommission beauftragt, die Herausgabe eines archäol. Prachtwerks vorzubereiten. Dasselbe erschien unter B.s spezieller Fürsorge unter dem Titel „Monuments de Ninive, découverts et décrits par B., mesurés et dessinés par Flandino (Par. 1849—50) in fünf e Taf oliobänden, von denen die beiden ersten die Tafeln über Architektur und Skulptur, der dritte und vierte die Inschriften, der fünfte den Text enthält. Die eInscriptions découvertes à Khorsabado (Par. 1848) sind ein billigerer Abdruck der 220 Inschriftentafeln des 1800 Frs. kostenden größern Werks. Ein Teil der Monumente wurde auf 0 ößen den Tigris hinab befördert und dann nach Paris gebracht. Nachdem B. 1846 Mosul verlassen, erhielt er das franz. Generalkonsulat zu Jerusalem, wo er sich im ultramontanen Sinne an der Fehde — des Heiligen Grabes beteiligte und so einen der Anlässe zum Krimkriege l zu Tri-Seit 1857 lebte er als franz. Generalkonsul zu Tripolis, bis er 1868 nach Frankreich zurückkehrte und Acheres bei 29 Rär seinem Aufenthalte wählte. Hier starb er 29. März 1870.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 385Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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