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MusikBrockhaus 1882

Barden (irisch bard, kymrisch bardh) nannten sich die schon seit dem 2. Jahrh. v. Chr. den Römern bekannten Sänger der Gallier und anderer kelt. Völker, wie der Britannier, Kymren (Waliser), Iren und Schotten. Gleich den Scöpen der Angelsachsen und den Skalden der alten Skandinavier, besangen sie die Thaten der Götter und Helden beim Kultus und bei Festlichkeiten der Fürsten und Vornehmen unter Begleitung der Harfe, entflammten das Heer zur Tapferkeit, schritten demselben im Kampfe voran und bildeten die Herolde der Gatzer und die Vermittler des Friedens. Bei den Ga iern ging das Bardentum frühzeitig unter; länger erhielt es sich in Wales, Irland und Schottland. Die B. bildeten überall eine erbliche Zunft, welche nach Art eines Ordens geregelt war und bedeutenden Einfluß auf Volk und Fürsten übte. Der Sänger war bei den Kelten wie bei den Germanen das Organ des Volks, der Träger aller histor. Überlieferung. In Wales wurden — Privilegien und um 940 durch den esetzgeber und König Howel-⸗Dha fest begrenzt und aufgezeichnet, der ganze Orden aber von Gryffyth ap Conan 1078 reformiert und neu geregelt. Von Zeit zu Zeit hielt man große Wettkämpfe in Gesang und Poesie, die sog. Eisteddfods, ab, bei denen die Krone die Kampfrichter ernannte. Zwar verloren mit der Eroberung von Wales durch Eduard I. (1282) die B. — orrechte und wurden selbst verfolgt, doch erhielten sie sich noch lange, und Eisteddfods wurden unter Einwilligung der engl. Könige bis auf Elisabeth herab gehalten. In der Folge ward jedoch keine Erlaubnis mehr zu solchen poetischen Bederbelezut erteilt, bis sich in neuerer Zeit zur Wiederbelebung der altnationalen kelt. Dichtung mehrere Vereine bildeten, welche die Eisteddfods erneuerten. Dem Eifer derselben sowie dem Patriotismus einzelner sind nicht bloß die gründlichen Aufklärungen über das Institut der kymrischen B., sondern auch Sammlun-Pa von den Resten ihrer Lieder zu verdanken. Vgl. Walter, «Das alte Waleso (Bonn 1859). n Irland zerfiel die erbliche Zunft der B. nach ihrem Berufe in drei verschiedene Hauptklassen. Durch viele Privilegien geschützt, hatten die B. mit der Zeit so viel Landbesitz erworben und sich ein so ungebührliches Ansehen angemaßt, daß es mehrmals zur Auflehnung des Volks gegen dieselben, ja selbst zu teilweiser Vertreibung kam. Die Kunstfertigkeit der Iren im Harfenspiel zu jener Zeit war allgemein anerkannt. Noch sind ahlreiche Reste irischer Bardenpoesie (z. B. die enischen Lieder) vorhanden. Nach der Eroberung Irlands durch Heinrich II. begann das Bardentum zu Naml Doch erhielten sich B. in größern irischen amilien. Ihre Lieder und geschichtlichen Erinnerungen dienten zur Erhaltung der Vaterlandsliebe der Rriag Dieser Umstand namentlich veranlaßte me rfache Verordnungen der engl. Herrscher gegen die irischen B. und Sänger, wie 3.,B. die Heinrichs VI. und Heinrichs VII.; ja Clisabeth gebot sogar, die eingefangenen — zu hängen, weil ihre Lieder zu Rebellion und andern Verbrechen anreizten. Durch die Schlacht am Boyne wurde auch das Bardentum vollständig vernichtet. Für den letzten irischen B. gilt Turlough O Carolan, geb. 1670, gest. 1738. Vgl. Joseph Cooper Walker, Memoirs of the Irish bardso (Lond. 1786). In ähnlicher Weise gestaltete sich das Bardentum in Schottland oder Caledonien. Auch hier waren die B. erbliche Diener Aushebung und Edelleute, bis der Orden 1748 mit Aufhebung der Erbgerichtsbarkeit aufhörte. Den alten Germanen war der Name Barde unbekannt, obgleich man irrtümlicherweise bis in die neuere Zeit herab und in der höhern poetischen Sprache noch jetzt von Barden der alten Deutschen spricht und Klopstock und seine Anhänger diese Fiktion sogar zum Anknüpfungspunkte 1cformaborischer Bestrebungen in der deutschen Dichtkunst machten. So benannte Klopstock ein vorzugsweise religiöses und kriegerisches Lied, gedichtet in dem fingierten Charakter eines Bardengesangs, oder einen Schlachtgesang in dem wildkräftigen Tone der german. Urzeit, ein Bardiet oder Bardit, und zwar mit Rücksicht auf eine einzige Stelle in der Germania des Tacitus, wo einige Weben schriften unrichtig für baritus (d. i. das Erheben des Schlachtgeschreies) barditus lesen, welchem Worte man die Bedeutung von Schlachtgesang fälschlich beilegte. Die deutschen Dichter, welche zu Klopstocks Zeit das Bardiet mit Vorliebe pflegten, ahmten in demselben meist die empfindsame in kunstlo Ossians nach, oder ihre Gesänge arteten in kunstlosen Wortschwall aus, welchen schon Lichtenberg, Hölty u. a. verspotteten. Auch seine drei Hermannsdramen, Die Hermannsschlachte, «Hermann und die Fürsteno und Hermanns Tod», nannte Klopstock Bardiete. Denis und Gerstenberg behandelten das Bardiet in lyrischer Form, Kretschmann in epischer. Ebenso brachte Klopstock das kelt. Wort Bardale für Lerche wieder in Aufnahme, welches auch später noch Baumstark und Waldbrühl zum Titel für eine Volksliedersammlung gewählt haben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 477Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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