Basel, Hauptstadt des schweiz. Kantons B.⸗ Stadt, die volkreichste und wohlhabendste Stadt der Schweiz, liegt 248 m über dem Meere (Rheinpegel) beiden Seiten des un die der hier nach N. umiegt, um bald darauf die Schweiz zu verlassen, und zählt (1880) 61399 E., worunter 41308 Protestanten, 18556 Katholiken, 801 Israeliten und 734 Angehörige anderer Konfessionen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung sind Ausländer, meist El-Bsar und Badenser. Die Stadt besteht aus Großauf dem erhöhten linken und Klein-B. a dem rechten Rheinufer; beide Stadtteile sind durch zwei Brücken verbunden, von denen die obere, eine monumentale Eisenbrücke mit zwei mächtigen Steinpfeilern, 1879 vollendet wurde, während die untere, ein Holzbau, zum Teil auf Steinpfeilern ruhend, seit 1226 besteht. Eine dritte Brücke noch weiter unten ist im Bau und soll 1883 dem Verkehr übergeben werden, und etwas oberhalb der Stadt spannt sich die Brücke der Verbindungsbahn zwischen dem gemeinder Chufß Khen he der Central⸗, der Jura⸗ und er Elsässischen Reichsbahn und dem Badischen Bahnhof über den Strom. Die Mauern und Gräben, welche früher beide Stadtteile umgaben, sind in Promenaden verwandelt, welche als grüner Gürtel die innere Stadt von der äußern scheiden. San ist altertmlich gebaut, mit engen, krummen assen und trägt ganz den Charakter der alten deutschen Reichstdte; diese ist modern angelegt mit regelmäßigen Quartieren und reichen, gechmackvollen Villen, umgeben von Gärten und arkanlagen, von welchen der Park der Langen Erlen bei Klein-B., die Anlagen des St. Jakobsdenkmals und der Zoologische Garten bei Groß-B. zu nennen sind. Unter den ältern Bauwerken steht das Münster obenan, ein gewaltiger, in den ältesten Teilen romanischer, in den neuern got. Bau aus weißem und rotem Sandstein mit zwei schönen, 67 m hohen Türmen mit durchbrochenen Helmen, bis 1529 die Kathedrale des Bistums B. Dasselbe wurde 1010 —19 von Kaiser Heinrich II. an der Stelle des altröm. Kastells erbaut, 1135 und 1185 teilweise erneuert, 1356 von dem furchtbaren Erd—⸗ beben, welches B. und die nördl. Juragegenden heimsuchte, großenteils zerstört und dann in got. Stil wieder aufgebaut, in neuester Zeit endlich in glücklichster Welse restauriert und mit wertvollen Glasgemälden und einer großartigen Orgel ausge⸗ * Im Chor der Kirche wurden 1431—48 ie feierlichen Sitzungen des Konzils von B. gehun be der Konziliumssaal, der sich in einem Anau befindet und jetzt die reichhaltige mittelalterliche Sammlung enthält, diente nur für die Sitzunen einer Konziliumskommission. Der prächtige reuzgang an der Südseite des Chors enthält viele Grabdenkmäler; die ein gele hinter dem Münster, die hoch über dem un de gelegene Pfalz, bietet eine reizende Aussicht auf den breiten Strom und den Schwarzwald. Außerdem verdienen Erwähnung das Rathaus, 1508 — 27 im burgund. Stil aufgeführt, die die St. W. aus dem 13. Jahrh. (iLetzt Lagerhaus), die St. Martinskirche, die kath. St. Klarakirche in Klein-B., alle drei gotisch; das eughaus, das Spalenthor, 1370 errichtet; der ischmarktsbrunnen aus dem 14. und der Spalenrunnen aus dem 16. Jahrh. Von neuern Bauwerken sind zu nennen die got. St. Elisabethenkirche von Christoph Merian (gest. 1858) gestiftet, die neue Synagoge in orient. Stil, das 1849 vollendete Museum, welches die wertvollen naturhistor. IIe und antiquarischen Sammlungen, die öffentliche Bibliothek mit 100000 Bänden und 4000 mtunem und die reiche Kunst⸗ und Gemäldesammlung uellun, die Kunsthalle (1872) mit ermanenter Ausstellung, das Theater (1875), der usiksaal, das Post⸗ und Börsengebäude, die Bank, die große Kaserne im Klingenthal, das Gerichtsgebäude, das Korrektionshaus, der Centralbahnhof und das Denkmal zum Andenken an die Schlacht von St. Jakob. Von den Unterrichtsanstalten der Stadt, welche von jeher eines vorzüglichen Rufs genießen, ist die älteste und wichtigste die 1460 von Papst Pius II. gestiftete Universität mit (1880) etwa 80 Lehrkräften und 250 Studenten; außer den obenerwähnten Sammlungen und der Bibliothek sind mit derselben verbunden der Botanische Garten, die Anstalt für Physik und Chemie (das Bernoullianum, 1874 eröffnet), die Anatomie und die Kliniken des großartigen städtischen Spitals, des Kinderspitals und der Augenheilanstalt. Im 16. Jahrh. wirkten an dieser altberühmten Stätte der Wissenschaft Erasmus von Rotterdam und die Reformatoren Skolampadius und Grynäus, im 17. die Naturforscher Kaspar und Joh. Kasp. Bauhin, im 18. die Mathematiker Bernoulli, Euler, Merian. Aus neuerer Dag sind zu nennen die Thedlogen de Wette und ser Gerla der Germanist Wackernagel, der Historiker Gerlach, der Kunsthistoriker Jakob Burckhardt, die Naturforscher P. Merian und L. Rütimeyer u. s. w. Im 15. und 16. Jahrh. blühte in B. die Buchdruckerkunst, die durch Namen wie Amerbach, Frobenius, Oporin vertreten war, und auch jetzt ö noch sind sowol die Buchdruckerei wie der Buchhandel nicht unbedeutend. In der Geschichte der deutschen Kunst wird B. als Wohnsitz der Künstlerfamilie Holbein mit Aus andreiet genannt, und sein Museum ist reich an Hand Laus Mann und Gemälden der beiden Holbein, Niklaus Manuel, Hans Baldung und Martin Schön. Unter den baseler Künstlern der neuesten Zeit sind die Maler Böcklin (. d.) und CE. Stückelberger, der Bildhauer Schloth und der Kupferstecher Weber die bekanntesten. Von den wissenschaftlichen Vereinen sind zu nennen die Naturforschende und die Historische Gesellschaft und der Verein für vaterländische Altertümer. üÜberhaupt wird für die Pflege der Wissenschaften und Künste, namentlich der Musik, viel gethan. Unter den zahlreichen andern Vereinen steht obenan die 1777 begründete Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, welche in edelster und erfolgreichster Weise eine sehr vielseitige Thätigkeit entwickelt, Schulen und Rettungsanstalten, Blinden⸗ und Taubstummenasyle u. s. w. leitet und unterhält. Die Zahl der Woblthatigteitsanstalten war von jeher bedeutend; besondere Hervorhebun verdienen neben dem städtischen Spital namenllich das Waisenhaus, die allgemeine Armenpflege und die allgemeine Krankenp ege. Berühmt it das seit 1816 bestehende Seminar für Missionare, ebenso die Bibelanstalt (seit 1804), die älteste des Kontinents. Beide verdanken ihre Existenz der werkthätigen, allerdings stark pietistisch gefärbten Frömmigkeit der Bürger, die ebenso sprichwörtlich geworden ist wie der Reichtum derselben. B. ist seit Jahrhunderten eine der wichtigsten brikstädte und die erste Handelsstadt der Schweiz. ie Seidenbandweberei, die seit etwa 200 Jahren im Großen und fabrikmäßig betrieben wird, beschäftigt in der Stadt allein 8000 Arbeiter und 1600 Bandstühle und in B.⸗Land und den angrenzenden Teilen von Bern, Solothurn und Baden 32000 Arbeiter mit 5000 Stühlen und liefert Waren im Werte von 50 Mill. Frs. jährlich. Von andern Industriezweigen sind zu erwähnen die Gerberei, die Papierfabrikation, die Seidenfärberei, die Fabrikation von Anilinfarben, die Bierbrauerei und als spezifisch baslerisch die Fabrikation der unter dem Namen Baseler Leckerli bekannten Honigkuchen. Im ganzen ernährt die Industrie 49 — der Bevölkerung. Für den Handel ist die age der Stadt an der Grenze von Elsaß, Baden und der Schweiz, am Rhein, der hier schiffbar wird, und an der Vereinigung dreier Thäler ungemein günstig. Mehr als die Hälfte der schweiz. Einfuhr B. vereinigen sich die Linien Mannheim-Karlsruhe-B. und Konstanz-B. der Badischen Staatsbahn, die Wiesenthalbahn und die Reichsbahn von Elsaß-Lothringen mit den schweiz. Linien der Jurabahn, der Centralbahn und der Bözbergbahn, von denen die erstere durch die Linie B.⸗Deleémont-Delle auch den direkten Verkehr mit Frankreich vermittelt und die zweite die wichtigste Zufahrtslinie zum St. Gotthard bildet. Nicht unbedeutend ist auch die Trunsit⸗ und Kaum weniger wichtig als der Transit⸗ und Speditionshandel sind der Warenhandel namentlich mit den Produkten der einheimischen Industrie und der Geldhandel, dem eine Disconto⸗ und Notenbank, drei Handelsbanken, eine Hypothekenbank und mehrere Privatbankhäuser dienen. B. ist der bedeutendste Wechselplatz der itteratur: Streuber, „Die Stadt B. (Basel 1854); Berlepsch, „B. und seine Umgebungen » (Basel 1869); «„Baseler Chronikeno (Bd. 1, Herung von Vischer u. Stern, Lpz. 1872; Bd. 2, herausg. von Vischer u. Boos, 1880); Heusler, Verfassungsgeschichte der Stadt B. im Mittelaltero (Basel 1860); Boos, „Geschichte der Stadt B.» (Bd. 1, Basel 1878); Lutz, 4Geschichte der Universität B.v