Batavia, Hauptstadt des Niederländisch-Ostindischen Reichs, liegt auf der Nordküste der — 0 9009 unter 6 7 südl. Br. und 106 48 östl. L. von Greenwich) an der breiten und geräumigen, die Reede bildenden, gegen Norden durch 17 sehr kleine Koralleninseln Leschütten Bai gleichen Namens, in sehr niedriger, großenteils selbst morastiger Gegend. B. wird in seiner ganzen Länge von dem Boteund einem schmalen und untiefen, nur für Boote und Prauwen befahrbaren Flusse durchschnitten. Derselbe wird nur durch Eindeichung und fortwährende Ausbaggerung befahrbar erhalten, und seine Mündung mußte immer weiter über die sich vor derselben bildenden Morastbänke in die See hinausgeführt werden, sodaß sie d jetzt schon 4 kKm unterhalb der Stadt befindet. Den Grund zu B. legte der erste niederländ. Generalgouverneur, Pieter Booth, als er die von Houtman 1600 zu Bantam (s. d.) gestiftete Faktorei von dort nach Jacatra, der 70 km östlicher an Ram Hauptstadt des mohammed. Reichs gleichen Namens, hinverlegte. Der vierte Generalgouverneur, Jan Pietersz oen, erhob 1618 diese Faktorei zur Hauptniederlassung für den en dieiolmter Handel, dessen Mittelpunkt bis dahin die Molukken gewesen waren und wo auch die drei ersten Generalgouverneure ihren Sitz geabt hatten. Die kleine auf der Reede gelegene, päter Pulo Kapal, d. h. Schiffsinsel oder hollänisch Onrust genannte Insel bot der Sch gute Gelegenheit für die Ausbesserung der Schiffe. Die Euugew zu Jacatra wurde erweitert und mit Fetungswerken versehen. Die letztern waren aber kaum fertig, als die Fürsten von Bantam und Jacatra, unter Beistand der auf die zunehmende Macht der Holländer eifersüchtigen Engländer zu Bantam, sich Mühe gaben, die erstern daraus zu vertreiben. Die kleine Garnison hielt die Belagerung fünf Monate mit größter Tapferkeit aus, stand aber endlich auf dem Punkte zu kapitulieren, als Coen 28. Mai 1619 ihr von Amboina mit Schiffen und Truppen zu Hilfe kam. Die Faktorei wurde entsetzt, der Fürst von Jacatra vertrieben, seine Hauptstadt vernichtet und sein Reich Besitztum der Holländer. R50 früher Ramen genannte Niederlassung erhielt jetzt den amen Batavia. Coen legte zugleich den Grund zu einer Stadt und zum Schutze derselben ein neues großartiges Fort an. Der Bau des letztern war aber kaum halb beendigt, als dasselbe (1628 und 1629) wiederholte Belagerungen von der 4 Heeresmacht des Susuhunans (Kaisers) von taram, des Beherrschers von Central⸗ und Ostjava, auszuhalten hatte. Von dem Augenblicke an, wo der letzte Sturm der Javaner abgeschlagen wa entwickelte B. sich sehr schnell und gelangte, al Mittelpunkt für den Handel der Niederländisch-O indischen Kompagnie in Ostasien und als Stape platz für die Ausfuhr nach Holland von allen C zeugnissen Vorder⸗ und Hinterindiens, von W Japan und vornehmlich den ind. Inseln, bald z außerordentlicher Blte. Die Stadt wurde imme größer, prächtiger und reicher, sodaß sie noch vo Ende des 17. Jahrh. Königin des Ostens genann werden konnte. Seit dem Beginn des 18. Jahrh. fing B. abe an ungesund zu werden. Daß diese große, stets zu nehmende Ungesundheit und Sterblich eit, weger welcher B. während des ganzen 18. Jahrh. so be rüchtigt gewesen ist, durch das heftige Erdbeben an 5. Jan. 1699 verursacht wurde, erscheint mehr alẽ zweifelhaft. Wahrscheinlicher wurde sie schon durc die erste Anlage der Stadt ganz nach altholländ Weise, mit Grachten und Alleen dichtbelaubter Bäume in allen Straßen, bedingt. Diese Bauweise war allen örtlichen Verhältnissen gänzlich unangemessen. Die vielen Grachten und Kanäle ver. schlammten allmählich, wurden sumpfi und entwickelten in stets zunehmendem Maße, gleichwie die anz in der Nähe gelegenen Strandmoräste, welche schon damals immer mehr an Ausdehnung gewannen, wie sie sich auch jetzt noch rr. mehr ausbreiten, das bösartigste, die gefährlichsten Fieber erzeugende Miasma. Dessenungeachtet hatte B. im 18. Jahrh. in der Regel zwischen 150— 170000 C., unter welchen viele v en. Die große Anzahl derselben gab dem eneralgouverneur Valckenier die mermtorden 7. Okt. 1740 mehr als 10000 derselben ermorden zu lassen — eine Schandthat, welche durch keine polit. Notwendigkeit geboten oder gerechtfertigt erscheint. Schon im Beginn des 19. Jahrh. hatten die europ. Bewohner von B. angefangen, sich südlich von der Stadt, auf nur wenig höher gelegenem, aber doch trockenerm und gesunderm Boden anzubauen. Hierzu gaben der Generalgouverneur H. W. Daendels 6. d.) 1808—11, der die Gachterwde von B. abtragen und einen Teil der Grachten und Kanäle zuschütten ließ, sowie später der eneralgouverneur Baron van der Capellen (1816—-26), nand besondere Anregung. So entstanden rt Tana er die innern Stadtteile Noordwyk, Ryswy „Tana-Abang, Weltevreden, Gunong Sahari, Passer Baru, Parapattan, Kramat, Kebong-Siri u. s. w. Die fast 4 Km lange, nur mit einer Häuserreihe besetzte, auf dem linken Ufer des Tiiliwung verlaufende Molenvliet genannte Straße verbindet das alte B. mit dem neuen. Die alte Stadt wird 06 enwärtig nur noch von Mischlingen, hauptsäch ich portug. Abkunft, enthmnt Malaien und Javanern bewohnt. Sie enthält die Gebäude des Hafen⸗ und Zolldepartements, das nicht unschöne Stadthaus, in welchem verschiedene Behörden Sitzung halten, die Javabank, alle Magazine des Gouvernements und der und Wareniacer Handelsgesellschaft, die Büreaus und Warenlager aller abhern Handelshäuser, eine Kirche, ein für Chinesen und ein anderes für Eingeborene bestimmtes Hospital, die Gefängnisse für letztere u. s. w. Europäer halten sich daselbst nur während der Geschäftsstunden, von 9 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags, auf. Eine einzige daselbst zugebrachte Nacht ist genug, um bei ihnen ein bösartiges Fieber zu erzeugen. Die neuen Stadtteile sind n weitläufig und mit größter Rücksicht auf die Ge undheit angelegt, nehmen daher einen sehr 32 900 Raum ein. Sie machen dadurch, daß jedes Haus von den nächststehenden isoliert, inmitten wo lunterhaltener Gartenpartien liegt, einen sehr freundlichen und anmutigen Eindruck. Auch die allenthalben herrschende Ordnung und Reinlichkeit trägt hierzu bei. Die Bauart und Einrichtung der meistens einstöckigen, im modernen Villastil aufgeführten Häuser entspricht ganz den Anforderungen des Klimas. Von 0r rohen Plätzen sind das Koningsplein seines sehr großen Umfangs und das Waterlooplein seiner Schönheit wegen bemerkenswert. Auf letzterm befinden sich eine einen Löwen tragende Säule zur Erinnerung an die Schlacht von Waterlod und ein ehernes Monument für die 1849 auf Bali — fallenen Krieger. Die uch Groar Gebäude fallen im allgemeinen weder durch Gro artigkeit noch durch architektonische Schönheit auf. Das bedeutendste ist das am Waterlooplatze gelegene Regierungsgebäude mit den Sitzungs⸗ und Empfangssälen des Raths von Indien und den Büreaus der meisten Civil⸗ und Militärbehörden. Weder die prot. Wilirche am Waterlooplein sind Gebäude von Bedeutung. Auch das Hotel des Generalgouverneurs in Ryswyk ist ziemlich anspruchslos. Verhältnismäßig schöner und großartiger ist das unweit des letztern gelegene, für 6n Be Zwecke bestimmte Gebäude der Harmonie. In Weltevreden befinden sich die auffallend kleine Citadelle Prins Hendrik, das Arsenal, die Kasernen, das große Militärhospital, worin aber auch Civilpersonen Aufnahme sinden, die Artillerieschule, das Gefängnis für Europäer, das Theater, die Freimaurer oge u. s. w. Von öffentlichen Anstalten sind die 1778 gegründete Bataviasche Gesellschaft für Künste und Wissenschaft, die Gesellschaft für ind. Länder⸗, und Völkerkunde, die seit 1850 .— Königliche Naturhistorische Vereinigung, die esellschaft für Landbau und Verundsat die Handelsgesellschaft und viele Versicherungsanstalten — erwähnen. Lehranstalten sind das Gymnasium Wilhelm III., die Parapattan-Waisenstiftung, b6 Gouvernements⸗ und viele Privatschulen. Mit dem Militärhospitale in Weltevreden ist auch eine Bildungsanstalt für eingeborene Arzte Doctors Djawa) verbunden. Das neuere B. ist der Sitz aller höchsten Civil⸗ und Militärbe-Tane Auch der Generalgouverneur muß die ersten age jedes Monats daselbst er als dis 9.705 dasselbe nur wenig (5 m) höher als die alte tadt liegt und die mittlere Wärme beider (26· 3˙ C.) eine leiche ist, so ist seine Lage doch eine ungleich geundere. Die alte und die neue Stadt haben zusammen (1879) 121547 E., unter denen 5432 CEuropäer, 29237 — 812 Araber, 138 andere asiat. Ausländer und die übrigen Javaner und Malaien sind. hanpuun B. seit lange nicht mehr einen so Ite d. Standpunkt einnimmt als in der ersten Hälfte des 18. Jahrh., 0 ist es noch immer eine ber bedeutende Handelsstadt und die bedeutendste er asiat. Inselwelt. Aus uhrartikel sind alle Ereugnisse des Indischen Archipels, während die Einin europ. Manufakturen, Eisen, allen denkaren Luxusartikeln, Weinen, Butter, konservierten Lebensmitteln in Blechbüchsen u. s. w., sowie in Cis aus Nordamerika besteht. Die meisten 1e Wirberden Schiffe sind niederländische, durch die Niederländische 1 ellschaft gecharterte und befrach tete. 9½ km südlich von Weltevreden liegt Meester Cornelis, wo 26. Aug. 1811 ein blutiges Treffen länd o den engl. Okkupationstruppen und der ol änd.⸗franz. Armee stattfand und seit 1857 sich eine Militärschule befindet. Meester Cornelis liegt an dem Heerwege und der Eisenbahn, welche B. mit dem 62 km fudlicher gelegenen Buitenzorg, dem gewöhnlichen Aufenthaltsorte des Generalgouverneurs, verbinden. B. liegt 265 meüber dem Meere in schöner Gegend, am Juße der Vulkane Salak und Gedeh. Der Botanische Garten daselbst ist weltberühmt. Auf der Reede von B. liegt die ungesunde Insel Onrust, malaiisch Pulo Kapal, wo sich ein schwimmendes Dock und andere großartige, für Rechnung des Gouvernements betriebene Anstalten für den Bau und die Ausbesserung 3. duet Schiffe befinden. — Die Um Haft von B. bildet die gleichnamige Residents haft mit einem Areal von 6453 qkm und einer Bevölkerung von 914 Europäern, 43278 Chinesen, 91 Arabern und 881 233 Malaien und Javanern.