Becker (Otto), Augenarzt, geb. 3. Mai 1828 auf dem Domhof bei Ratzeburg in Mecklenburg-Strelitz, besuchte das Gymnasium in Ratzeburg, bezog 1847 die Universität Erlangen als Theolog und Philolog, studierte aber 1848—51 Mathematik und Naturwissenschaften in Berlin. B. kam 1851 als Hofmeister nach Wien, studierte dort 185459 Medizin, trat dann als Sekundärarzt in den Dienst des Allgemeinen Krankenhauses in Wien, war ein Jahr Sekundärarzt auf der Abteilung für Augenkranke, wurde 1862 erst Privatassistent, dann klinischer 3un Ae bei Professor von Arlt, habilitierte sich 1867 r Augenheilkunde und wurde 1868 als ord. Proessor der Augenheilkunde nach Heidelberg berufen. nter seinen Werken sind hervorzuheben: Atlas der pathol. Topographie des Augesv(3 Lfgn., Wien 1874—78) und und Therapie des Linsensystems in Gräfe-Sämischs „Handbuch der ecker (Rud. Zachar.), ausgezeichneter deutscher studierte in Jena Theologie und lebte dann unter Dalbergs bildendem Einslusse eine Zeit lang als Sahwiager bei Herrn von Dacheröden, dem spätern Schwiegervater Wilh. von Humboldts, zu Erfurt. An die Erziehungsanstalt zu Dessau berufen, schrieb er dort 1782—83 die „Dessauische Zeitung für die Jugend und ihre Freunder, die er, nachdem er nach Botha ubergesiedelt, 1784 als Deutsche Zeitung für die Jugendo fortsetzte. Seit 1788 bildete er diese Zeitschrift mehr und mehr für Erwachsene um, und seit 1796 ließ er sie als „Nationalzeitung der Deutscheno erscheinen. Seine Überzeugung, daß die menschliche Glückseligkeit auf Befriedigung des dem Menschen inwohnenden Verbesserungstriebes beruhe, suchte er in den Vorlesungen über die Rechte und Pflichten der Menschen» (2 Bde., 1791—92) zu begründen. Sodann stellte er in dem Not⸗ und Hilfsbüchlein, oder lehrreiche Freuden- und Trauergeschichte des Dorfes Mildheimo (zuerst 2 Bde., Gotha 1787—98) ein praktisches Beispiel der sem Boltsdus für den deutschen Landmann auf. Diesem Volksbuche, von dem in wenigen Jahren über eine halbe Million Exemplare in deutscher und auch in fremden Sprachen verbreitet wurden, folgte das «Mildheimische Liederbuch» (1799), welches gleichfalls eine Reihe Auflagen erlebte, und das „Deutschen Zeitungo, welche die Tagesgeschichte zu einer praktischen Sittenschule machen sollte, begründete B. 1791 den „Anzeigero, der 1792 durch ein kaiferl. Privilegium zum Reichsanzeiger erhoben und nach dem Aufhören des Reichs 1806 in den „Allgemeinen Anzeiger der Deutschen o verwandelt wurde. Der eigene Vertrieb seiner eitschriften und Bücher veranlaßte ihn 1797 zur egründung einer Buchhandlung. Der Teilnahme an geheimen Verbindungen gegen Napoleon verdächtigt, wurde B. Ende Nov. 1811 auf Davousts Befehl von Gotha — Magdeburg gebracht, wo man ihn bis zum April 1813 gefangen hielt. Seine Schrift „(B.s Leiden und Freuden in 17monatlicher franz. Gefangenschaft⸗ ELeutz ist zeitgeschichtlich merkwürdig. der deutschen Kunstgeschichte hat er durch Herausgabe von «Holzschnitten alter deuts en Dienst geleistet. B. starb 28. März 1822. — Sein Sohn, Friedrich Gottlieb B., geb. Gotha 9. Nov. 1792, studierte in Leipzig und Göttingen Sprachkunde und Geschichte und nahm seit 1814 an den schriftstellerischen und buchhändlerischen Unternehmungen des Vaters teil, die er nach dessen Tode fortsetzte. Er vereinigte 1830 die Rationalzeitung der Deutschen» und den Allgemeinen Anzeigers in ein täglich erscheinendes Blatt: 4Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen und ließ dasselbe 1849 unter dem Titel «Reichsanzeiger der Conversations-Lexikon. 13. Aufl. II. Deutschen» erscheinen. Doch ging die Zeitschrift Ende Juni 1850 (mit dem 119. halbjährigen Bande) ein. Im Frühjahr 1848 wurde B. im Herzogtum — in die Deutsche Nationalversammlung gewählt, wo er der Partei der später sog. Gothaner Pecfer B. starb zu Gotha 24. Juli 1865. ecker (Wilh. Gottlieb), deutscher Schriftsteller und Archäolog, geb. 4. Nov. 1753 zu Oberkallenberg im Schönburgischen, studierte 1773—76 in Leipzig und wurde 1777 Lehrer an dem Philanthropin in Dessau. B. ging 1778 nach Basel, wo er in Mechelns Umgang die ältern Kupferstecher und Maler näher kennen lernte. Hierauf bereiste er die Schweiz, einen Teil von Frankreich und Oberitalien. Nach seiner Rückkehr 269 5 er eine neue Ausgabe von des büchern, die der belehrenden oßes Publikn gewidmet Professor der klassischen Archäologie und 1842 ord. Professor der Altertumskunde an der Universität — Leipzig. Er starb zu Meißen 30. Sept. 1846. 78). Beide Werke wurden von Metcalfe ins Englische Übertragen. Seine Abhandlung De comicis Sein Hauptwerk jedoch bildet das 41 111. 2. i. m J. 1836 wurde er zum Mitglied des Gemeinde1 ·5 der Handelskammer seiner Vaterstadt geeinnahm; er war der Verfasser der Adresse auf die Thronrede vom 11. April. Im Frühjahr 1848 in Krefeld zum Abgeordneten in die Deutsche Nationalversammlung gewählt, gehörte er in dieser zur Fraktion des rechten Centrums, der spätern Kasinopartei, und übte auf diese durch seine Beredsamkeit einen großen Einfluß. Am 9. Aug. trat er als Finanzminister in das bermintelnben Nie In11100 der konservativen und vermittelnden Richtung, ie er in Frankfurt an den Tag legte, wurde B., als das Ministerium Auerswald-Hansemann zurücktrat, von Friedrich Wilhelm IV. berufen, um die Bildung eines neuen Kabinetts 6 übernehmen oder in das vom General von Pfuel zu bildende Ministerium welhes en Das von B. entworfene Proramm, welches eine wirkliche konstitutionelle Politik 4 fand jedoch nicht den Beifall des Königs. begab sich demnach nach Frankfurt zurück. Mit den übrigen Reichsministern nahm er, weil das Parlament durch erwerfung des Waffenstillstandes von Malmö den Bruch mit Preußen in öllene Sept. seine Entla ung, trat aber mit seinen Kollegen wieder in das Ministerium ein, nachdem das Parlament 16. Sept. den Malmöer Waffenstillstand ratisiziert hatte. Im April 1849 In. Da er sich an der Kaiserdeputation nach Berlin. Da er in der Ansicht über das weitere Verhalten der Nationalversammlung von seinen polit. Freunden abwich, legte er Anfang Mai 1849 sein Mandat als Abgeordneter nieder und trat aus dem Reichsministerium. Später trat er für die von Preußen aufgenommene Unionspolitik ein und nahm als Vertreter seiner Vaterstadt am Erfurter Parlament teil. Dieselbe Hveite machte er auch als Mitglied der preuß. weiten Kammer seit 1849 geltend, und trat daher dem Ministerium Manteuffel entgegen, welches die Unionspolitikaufgab. Im J. 1852legte B.sein Mandat für die Kammer nieder, in der er erst 1859 wieder auf kurze Zeit erschien; sein Gesund heitszustand zwang ihn, schon im März wieder aus der Kammer auszutreten; er starb zu Krefeld 12. Mai 1870. Vgl. Kopstadt, Hermann von B.„ (Braunschw. 1875). ecket Thomas a), berühmt unter dem Namen des heiligen Thomas von Canterbury, als Erzbischof von Canterbury der bedeutendste Kämpfer für die Freiheit der kath. Kirche in England, geb. 1118 zu London, studierte zu Paris Theologie, zu Bologna die Rechte. Theobald, Erzbischof von Canterbury, betraute ihn mit den wichtigsten Sendungen, belohnte ür seine treue Hingabe an die Interessen der Kirche mit dem Archidiakonat zu Canterbury und der 1 Beverley und veranlaßte König Heinrich II., ihn 1155 zum Kanzler zu erheben. In dieser Stellung wußte B. nicht bloß als gefügiger dien den Launen und Neigungen des Königs sich dienstbar zu machen, er wirkte auch mit solchem aber für die Hebung der königl. Autorität gegenüber den Anforderungen der Kirche daß Heinrich II. 1161 seine Erhebung zum Erzbis of von Canterbury und zum Rug f er Englischen Kirche erzwang. In der Hoffnung freilich, ihn auch etzt als gefügiges Werkzeug zur nterjochung der Kirche benutzen zu können, 0 sich der König getäuscht, als Erzbischof kannte B. kein che ue Ziel, als die im Papste gipfelnde hierarchische Klerikalkirche gegen jeden Eingriff der Staatsgewalt sicherzustellen. Für England verschärfte ch 1* Kampf zwischen Kirche und Staat sach dadurch, daß er zugleich ein Kampf des angelsächsischen Volks gegen seine normannischen Eroberer war. Von Alexander III. mit dem Pallium bekleidet (1163), erstrebte B. völlige Exemtion des Klerus von aller bürgerlichen Gerichtsbarkeit und Erwerbung eines selbständigen Kirchenvermögens. Dagegen berief Heinrich II. 30. Jan. 1164 eine d geistlicher und weltlicher Großen nach Clarendon, deren Beschlüsse die verspruch ewalt bedeutend erweiterten. Auch B. versprach, diese Beschlüsse annehmen zu wollen, verweigerte aber später dennoch seine Unterschrift, und als der König 10 deshalb vor ein Gericht in ni. ton lud, floh er zu Alexander III. nach Fran 2 Erst im Sommer 1170 kam eine Vereinigung zu Stande, auf Grund deren B. nach England urückkehrte, aber auch sie war nur scheinbar, und er alte Kampf drohte von neuem auszubrechen, als B. 29. Dez. 1170 von vier Edelleuten auf den Stufen des Altars ermordet ward. Nur mit vielen Opfern und nachdem er sich selbst zu einer demütigen Buße am Grabe des Ermordeten verstanden hatte, gelang es dem Köni den 1. aheume der für B.s Ermordung Englan drohte, abzuwenden. Die Mörder gingen nach Rom, und nachdem sie daselbst Buße gethan, ward ibr V auferlegt, durch eine Wallfahrt nach Palästina ihr Verbrechen zu sühnen; zwei Jahre darauf aber ward B., als ein Märtyrer des Glaubens, unter die Heiligen vom ihne ange versetzt und später vom Volke, welches ihn als das Opfer seines Widerstandes gegen die Fremdherrschaft betrachtete, schwärmerisch verehrt. Heinrich III. ließ 1221 des neuen Heiligen Gebeine in eine — Kapelle bringen, wohin Gläubige in großer Anzahl Wallahrten machten, deren Andenken Chaucer (f. d.) in einen Canterbury talesv aufbewahrt hat. Jährich ward ein großes Fest und alle 50 47 ein VIII. d. gefeiert. Dies dauerte bis auf Heinrich II., der nach seiner Trennung von der röm. Kirche sich des reichen, in B.s Kapelle aufgehäuften Schatzes laden und. den Heiligen vor seinen Gerichtshof laden und, da er ausblieb, als Verräter verurteilen ließ. Sein Name ward aus dem Kalender gestrichen, die Feier seines Festes untersagt, seine Gebeine wurden verbrannt und in die Winde zerstreut. Vgl. Giles, XLife and letters of Thomas a B.v (Lond. 1846); Robertson, B., archbishop of Canterbury, a biographys (Lond. 1859); ook, WLives of the archbishops of Canterburys (Bd. 2, Lond. 1868); Reuter, «Alexander III. und die Kirche seiner Zeito (3 Bde., Lpz. 1860—64). rarische (William), ein durch großen Reichtum, litterarische Talente und Excentricitäten bekannter Lond-Mans geb. 1760 als Sohn William Bis, Lord-Mayors von London, verlor schon als 10jähriger Knabe seinen Vater, der ihm große Besitzunder in Westindien und in England hinterließ. Unter er Aufsicht Chathams erhielt er eine sorgfältige oendffenthi zeigte fruh ungewöhnliche Anlagen und veröffentlichte bereits 1780 eine satirische Schrift Biographical memoirs of extraordinary painterso, in welcher er die engl. Künstler seiner Zeit verspottete. Hierauf unternahm er längere Reisen auf dem Kontinent, deren Beschreibung er später herausgab (eItaly, with sketches of pain and Portugalo, 2 Bde., Lond. 1834). Die Frucht eines i Aufenthalts in Portugal waren Recolections of an excursion to the monasteries of Alcobaca and Batalhas (Lond. 1835). Nach England zurückgekehrt, begann er 1796 auf seinem Gute Fonthill ein prachtvolles Gebäude zu errichten, welches er mit königl. Luxus ausstattete und fortwährend durch Neubauten vergrößerte, sodaß die ungeheuern Kosten endlich sogar sein kolossales Vermögen zerrütteten und ihn zwangen, es 1822 für den 5 sh von 330000 Pfd. St. zu veräußern. Er lie sich — in Bath nieder, wo er sich von neuem mit uen und dem Ansammeln von Kunstwerken bescher te und 2. Mai 1844 starb. Sein litterari-Rom uhm beruht hauptsächlich auf einem orient. oman «Vatheko, den er zuerst in franz. Sprache schrieb und 1787 in Lausanne herausgab, nachdem bereits 1786 eine engl. Übersetzung in London ohne sein Vorwissen erschienen war. Es gibt sich darin eine mächtige, aber zügellose hantaste kund. Die Schilderungen sind ergreifend und oft in hohem Grade poetisch, aber es spricht sich darin der bitterste Sarkasmus, die herbste Menschenverachtung und eine trostlose Blasiertheit aus. Auf Byron hatte die seltsam-phantastische Schöpfung B.s einen großen Einfluß, und in den Helden 7+ Er Buthels ist die Verwandtschaft mit dem Charakter atheks nicht zu verkennen. eckmann (Fritz), geschätzter deutscher Komiker, eb. 13. Jan. 1803 zu Breslau, entwickelte schon seit 1820 im Chore des dortigen Theaters ein ungewöhnliches Talent für das komische Fach und wurde 1824 auf Verwendung Schmelkas, der sich seiner Ausbildung angenommen, bei dem neubegründeten Königstädter Theater zu Berlin engagiert, wo er anfänglich nur in Nebenrollen auftrat. Allmählich Übernahm er aber auch bedeutendere Partien, und nun wußte er rasch die Gunst und Anerkennung des Publikums zu gewinnen. B. war reich an witzigen Einfällen und zeichnete sich durch charakteristij e Natürlichkeit und ein maßvolles Spiel aus. Durch die Ausbildung des von Holtei eingefuhrten Eckensteher Nanter schuf er eine Lokalfigur der preuß. Hauptstadt, die mit dem Staberl und andern wiener komischen Masken wetteifern konnte. Die mislichen Verhältnisse der Königstädter Bühne bewogen ihn endlich, dieselbe zu verlassen, indem er 1845 ein Engagement am Theater an der Wien, 1846 ein lebenslängliches Engagement als erster Komiker am kaiserl. Dofburgtheater in Wien einging. Hier durfte er sich nicht mehr auf das burkeste Genre beschränken, sondern mußte sich der Charakterkomik zuwenden, was seinem Talent auch gelang. Namentlich spielte er die Väterrollen im modernen Lustspiel mit Meisterschaft. Seit 1838 war B. mit der besonders als Vaudeville-Sängerin ruhmlichst bekannten Schauspielerin Adele +. zarellilgeb. 4. Juni 1816 zu Venedig) vermählt. Er starb 7. Sept. 1866. Vgl. Findeisen, —— B.s Lebensbilde (Wien 1866); Kaiser, «Friedri