FeedBellatrix (lat.Kriegerinor)
GeschichteBrockhaus 1882

Bellatrix (lat.Kriegerinor), Name des Sterns im Orion. 901.,5 (du), altes franz. Adelsgeschlecht aus Anjou, besonders berühmt durch drei Brüder, Guillaume, Jean und Martin, welche in der litterarischen und polit. Geschichte Frankreichs unter ranz I. einen ullaume/e Rang einnahmen. — Der älteste, Guillaume, geb. 1491, leitete den König schon auf dessen Kriegszug nach Mailand 1515 und zehn Jahre darauf nach Pavia, wo er mit diesem gefangen wurde. Im J. 1527 nahm er an der Verteidigung Roms, wohin er in diplomatischen Angelegenheiten gekommen war, gegen Bourbon teil, knüpfte seit 1529 in London die Freundschaft zwischen Heinrich VIII. und Franz I. fester und war bis 1536 als Gesandter abwechselnd in England und Deutschland bemüht, Bundesgenossen zu dem neu sich vorbereitenden Kampf gegen Karl V. u werben. Als der Krieg 1536 wieder ausbrach, hielt B. als Gouverneur von Turin, dann als Generallieutenant von Piemont die Stellung ankreichs in Italien gegen die Spanier in Maind mit Glück aufrecht. Er starb auf der Rückkehr nach Frankreich in St.⸗Symphorien 9. Jan. 1543. Als Schriftsteller war B. ein Hauptvertreter des ranz. Humanismus. Seine Werke, von denen jedoch s Wenigste erhalten ist, waren histor., polit. Briefe und Reden) und kriegswissens chaftlichen Inalts und meist 7½½ geschrieben. Auch veraßte er lat. Gedichte in dem Geschmack der Zeit. eitschichtig angelegt waren die Ogdoades», acht Bücher der Geschichte Fie I., deren erstes, mit einer Einleitung über die ältere Geschichte Frankreichs bis 1586, im Manuskript de1⸗ ist. ö Jean du B., geb. 1492, wurde 1526 zum Bischof von Bayonne ernannt, erwarb 1533, ohne auf jene Würde zu resignieren, den Erzstuhl von Paris, 1535 den Kardinalshut und nach und nach noch vier Bischofssitze nebst mehrern der reichsten Abteien im Lande. r der Politik vertrat er die gleiche Richtung wie sein Bruder, die und die Entfaltung der Macht Frankreichs nach außen gegen Habsburg, Verbindung mit England und den deutschen Protestanten und Schonung der freiern religiösen Strömungen im Innern hindrängte. Er war der Führer dieser Partei und daher zu zeiten der rach halte Minister des lenksamen Königs. Mehrfach hatte auch er Missionen nach England, 8 1527 und 1528, und 1532 in Begleitung seines ruders. J. 1533 war er an des Königs Seite bei der Zusammenkunft mit Clemens VII. in Marseille, wo die alte Koalition gegen den Kaiser neu belebt wurde. Der Wiederausbruch des Kriegs erhöhte noch den Einfluß B.s. Als der König 1536 ins Feld ging, blieb er als Gouverneur von Paris und mehrerer Provinzen zurück. Seit dieser Zeit ½* auch er für den deutschen Protestantismus chselt Mit mu drrt hat er Briefe gewechselt; besonders nahe aber stand er den straßburger Kreisen: Bucer, Sedr Sturm, Joh. Sleidan, der jahrelang als Sekretär in feinen Diensten stand und noch länger mit ihm korrespondierte. u J. 1544 bestimmt, eine Gesandtschaft nach peier zu führen, welche die Protestanten von der + an den Kaiser gegen Frankreich abringen sollte, ward B. von einem kaiserl. Herold schon an der Grenze zurückgewiesen. Ebenso vereblich 27½ er im Spätherbst dieses Jahres einrich VIII., der mit Karl Rhen Frankreich geochten hatte und den Krieg allein fortsetzte, zum rieden zu bewegen. Der Tod Franz' I. machte die tellung B.s am Hofe unhaltbar. Er ging nach Rom, wo er als Kardinalbischof von Ostia die Interessen Frankreichs durch eine verschwenderisch länzende Hofhaltung (seine röm. Festlichkeiten hat f Leibarzt Rabelais berühmt gemacht) bis an einen Tod (16. Febr. 1560) vertrat. Martin du B. (gest. 9. März 1559), der dritte Bruder, wie Guillaume als Offizier und meist bei denselben andzünuerg im Dienst, zuletzt 1545 gegen England, ist litterarisch von dem größten Ruf durch seine «Mémoires historiques v, ein Meisterwerk der ältern franz. Historiographie, das er auf dem Jahren ein der Familie Glatigny in den letzten Jahren seines Lebens ausarbeitete und das, zuerst gedruckt 1569, bis 1600 vielfach aufgelegt und ins Lateinische übersetzt, die meistbenutzte Quelle über die Kriege Franz' J. ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 739Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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