FeedBeresin (Elias Nikolajewitsch)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Beresin (Elias Nikolajewitsch), russ. Reisender und Forscher auf dem Gebiete der orient. Sprachen, geb. 19. Juli 1818 im Gouvernement Perm, studierte auf der Universität zu Kasan orient. P ilologie und machte 1842—45 im Auftrage der russ. Regierung eine wissenschaftliche Reise durch Persien, Kleinasien, Syrien, Mesopotamien und Agypten. Nach seiner Rückkehr 1846 zum Professor der türk. Sprache an der Universität zu Kasan ernannt, trat er 1848 zum Zwecke linguistischer und ethnogr. Studien eine größere Reise nach Sibirien an. Seit 1858 hat B. den Lehrstuhl für türk. Sprache und Litteratur an der petersburger Universität inne; auch redigiert er den orient. Teil der . 10 russ. Encyklopädie und fungiert zugleich als Konservator des orient. tril Staatsz zu Petersburg. B. ist kaiserl. russ. Wirkl. Staatsrat. Von seinen grammatischen und tulturhistor., meist in russ. Sprache geschriebenen Schriften sind zu nennen: ein Supplement zu Kasem-Begs türk. Grammatik(Petersb.1846; deutsch von Zenker, Lpz. 1848), Bibliothek orient. Historikers (3 Bde., Kasan 1849—54), Reise nach Dhagestan und Transkaukasien (2. Aufl., Kasan 1850), „Grammatik der pers. Spracher (Kasan 1853), Re⸗- cherches sur les dialectes musulmans v (2 Bde., Kasan 1848 — 53), «Reise in das nördl. Persieno (Kasan 1852), an der Wolgav (Kasan 1853), „Die Invasion der Mongolen in Rußlando (2 Bde., Petersb. 1852—54), Die griech.⸗orthodoxe und andere Kirchen in der Türkei» (Petersb. 1855). Ferner gab er Raschid-Eddins „Geschichte der Mongolen» (Bd. 1—3, Petersb. 1858 —65) in pers. Tert mit russ. übersetzung heraus. Verésina, Bereszina, Fluß im russ. Gouvernement Minsk, entspringt bei Dokschizy im Kreise Borissow aus einem Sumpfe, durchfließt von N. nach S. ein feuchtes und sumpfiges, durch sandige, meist bewaldete Höhen begrenztes Wiesenthal, wird bei Borissow schiffbar und mündet nach einem 580km langen Laufe unterhalb Gorwal in den Dnjepr. Berühmt wurde die B. durch den Übergang des franz. Heers auf dem Rückzuge von Moskau 26. bis 29. Rov. 1812, die sog. Schlacht an der B. Von Kutusow nur saumselig verfolgt, aber von Wittgenstein in der Flanke bedroht und in Gefahr, durch Tschitschagow abgeschnitten zu werden, mußte Napoleon I. seinen Rückzug beschleunigen, soweit es die Unordnung, der Mangel an Pferden und der Frost erlaubten. Am 22. Nov. näherte sich das Heer der B., doch hatte tags zuvor die Division Lambert des Tschitschagowschen Korps Borissow besetzt. Oudinot Überfiel 23. Nov. Borissow und trieb die Division Lambert über den Fluß; doch wurde hierbei die Beresinabrücke zerstört. Napoleon hatte unterdessen einen andern unkt ermittelt, täuschte Tschitschagow durch einanstalten bei Borissow und ließ 25. Nov. bei Studianka den Bau zweier Brücken beginnen, wozu das Material erst mühsam aus den nächsten Dörfern herbei-Kate rit werden mußte. Zum Glück hatte General ble zwei Feldschmieden und acht Wagen mit Kohlen und Handwerkszeug gerettet, auch waren 490 Pontoniere, die Reste von 7 Kompagnien, einige Sappeurkompagnien und Reste des Donaubataillons zur Stelle. Zur Deckung des Brückenbaues wurden 400 Mann auf Flößen übergesetzt, auch etwas Kavallerie war durch den Fluß geschwommen. Eine Vereinigung von Tschitschagow und Wittgenstein würde die franz. Armee, die nur noch 30000 wirklich Streitfähige zählte, vernichtet haben; aber Wittgenstein blieb nach der Erstürmung von Borissow unthätig und suchte vorsichtig Verbindung mit der russ. Hauptarmee. So wurde unter großer Anstrengung durch die franz. Artillerie 26. Nov. von morgens 8 bis 1 Uhr die erste Brücke, nachmittags 4 Uhr die zweite vollendet. Es waren Bockbrücken von je 23 Böcken, die eine mit Stangen, die andere mit Brettern gedeckt. Über erstere ging sofort das 2. Armeekorps Bunen d⸗ über die zweite, die fur Geschütze und Wagen bestimmt war, zuerst die Gardeartillerie, worauf das Ne be Korps und am 27. Napoleon mit den Gardeno gte. Die ubri9 Korps sollten nachrücken, das 9. (Victor) die nachhut bilden. Aber schon drängten auch die Unbewaffneten nach den Brücken, und bald entstand eine grauenhafte Verwirrung. Viele wurden niedergetreten oder ins Wasser gestoßen; andere suchten auf dem Treibeise oder schwimmend hinüberzukommen und fanden größtenteils den Tod: dreimal brachen die Bretter des Brückenbelags und mußten erst wiederhergestellt werden. Unterdessen hatte die Iusber Partouneaux in Borissow vor Wittgensteins Übermacht die Waffen strecken müssen. Marschall Victor deckte den Ubergang noch während des ganzen 28. Nov. mit seinem anfangs nur 1700 Mann starken, dann aber durch eine von Napoleon wieder auf das linke Ufer geschickte Division auf 4000 Mann gebrachten Korps gegen die fast fünffache UÜberzahl. Aber die russ. Artillerie fing nun an, die Brücken wirksam zu beschießen, und vermehrte dadurch die Verwirrung. Während Wittgenstein gegen Victor bei Studianka kämpfte, griff der heranziehende Tschits 1 Gas das Oudinotsche Korps, welchem Napoleon die Garden zur Reserve gestellt, bei Stachow an, wurde jedoch abgeschlagen. Abends 9 Uhr begann Victor seinen Abzug. Um denselben möglich zu machen, ließ Eblé durch seine Genietruppen die Masse der Menschen, gestürzten Pferde und Wagen trancheeartig durchbrechen worauf das 9.Korps bis gegen 1 Uhr nachts, mit Zurücklassun einer kleinen Nachhut, die Brücken überschritt. No in der Nacht zum 29. Nov. gingen 2 franz. Batterien von je 6 Geschützen ungestört über den Fluß. Eine Masse von Erschöpften, Kranken und Verwundeten blieb zurück und benutzte, trotz aller Aufforderungen der Generale, nur zum kleinsten Teile die nun völlig frei gewordenen Brücken, die endlich abgebrannt werden mußten. Bald darauf erschienen die Kosaken und machten außer 15000 Geangenen eine unermeßliche Beute. Nur Kutusows fehlerhafte Maßregeln, die von Toll vergebens betämpft wurden, retteten das franz. Heer auf seinem weitern Rückzuge.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 793Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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