FeedBhurtpur oder Bhartpur
ErdkundeBrockhaus 1882

Bhurtpur oder Bhartpur, brit.⸗ostind. Vasalin Radschputana 6 lt auf 5113 qlem 743 710 E. Die — 7½ liegt unter 27· 12, nördl. Br. und 77² 33/ östl. L. (von Greenwich) in einem vertieften Terrain, ein Umstand, der ihr in militärischer Hinsicht Bedeutung verleiht, da infolge dessen ihre Umgegend aus einem kleinen, höher gelegenen See in der Nähe unter Wasser gesetzt werden kann. Solches geschah 1805 und machte den Angriff von Lord Lake auf B. fruchtlos. Bei dem Angriffe von Lord Cumbermere 1825 Dleitm es den Engländern noch zu rechter Zeit, die Ableitung des erwähnten Sees nach der Umgegend von B. zu verhüten. Seitdem sind die früher berühmten Festungswerke von B. größtenteils nur noch Trümmer. Die entwaffnete Citadelle enthält drei voneinander getrennte Paläste, einen für den Fürsten, den andern für die Frauen der Knoc Familie, den dritten für die Rechtspflege. B. ist noch immer ein bedeutender Ort, dessen Bevölkerung au 100000 Seelen geschätzt wird, eine Angabe, die bei seinem beträchtlichen Umfange von 13 km glaublich erscheint. Die Bewohner treiben einen nicht unbeträchtlichen Handel, namentlich mit Salz aus dem See Shambar in Radschputana. Die Bevölkerung glaubt, daß B., welches Anfang des 18. Jahrh. von den Djats gegründet wurde, vorzugsweise von dem Gotte Krishna begünstigt werde. bhaü, d. h. werden, daher B. eigentlich soviel wie Gewordenes, Wesen. .. der ind. Mythologie sind die B. unheimliche Wesen, Gespenster, Kobolde, böse Geister, welche Toten Leben einhauchen, Lebende töten. An ihrer Spitze steht der Gott Siva. Es sind teils Naturgeister, teils bt ihnen Te Seelen von Men chen. Man weiht ihnen Tempel, Altäre und ildsäulen und opfert ihnen Tiere. Die B. spielen im Kultus der Hindu und der noch weshal Urbewohner Indiens eine große Rolle, weshalb ihre 5. Bal auch als Bhutenreligion bezeichnet wird. Vgl. Wurm, „Geschichte der ind. Religion „ (Bas. 1873). Bhutan oder Bhotan, ein unabhängiger Staat in den südl. Abhängen des Himalaja, zwischen 265 östl. L. (von Greenwich) gelegen, im N. durch den Kamm des Himalaja von Tibet etrennt, gegen W. von Sikkim und gegen S. von dem nordöstlichsten Teile von Bengalen, der Landschaft Kutsch-Behar und dem nordwestlichsten Teile von Assam begrenzt. Gegen O. stößt es an ein noch sehr wenig bekanntes, von barbarischen Stämmen bewohntes Gebirgsland. Der Flächeninhalt von B. beträgt 35 200 akm. B. ist ein Alpenland, in —— Innern sich einzelne erge bis ber 5000 merheben, während die Kammlinie dieses 50 On Teils vom Himalaja mehrere 7—8000 m hohe Gipfel besitzt. Eine Anzahl von Nebenflüssen des Brahmaputra, von denen der der Manaß. der Gungaduhr, der Matissam und der Manaß bie bedeutendsten sind, durchströmt B. von N. nach S. Das Land ist reich an Wäldern, aber an allen nur irgend zugänglichen Stellen sorgfältig angebaut und mit Fruchtbäumen bepflanzt. Hierdurch, sowie durch seine auffallende Armut an wilden wie an —½7⁷ Tieren, bildet B. den entschiedensten Gegensatz zu dem nördlich von dem Himalaja Her Anen Tibet. Eine Anzahl breiter, sanft abfallender Hügelrücken, Duars, d. h. Pässe genannt, führt aus diesem Hochlande in die Ebene von Bengalen und Assam herab. Die Bewohner, Bhutias, Bhotigahs oder Bhot 0 d.), deren Zahl 200 000 betragen soll Leraner er mongol. Rasse an und sind mit den Tibetanern stamm⸗ und sprachverwandt, gleich diesen Buddhisten und stehen auch mit ihnen fortwährend in enger Verbindung. Die Bhutias sind Seheuten und fleißige Landbauer und wohnen in gutgebauten, mehrstöckigen —b— 7 Die Verfassung des Staats ist eine eigentümliche. An seiner Spitze steht als erblicher Fürst der Dhurma-Radscha, welcher, gleichwie der Dalai-Lama in Tibet, für eine Inkarnation von Buddha gilt. Die Ausübung aller weltlichen Macht dagegen ist in Händen des jedesmal für drei Jahre gewählten Deb-Radscha oder weltlichen Gebieters. Unter dem erstern steht ein geistlicher Rat von 12 Murks, unter dem andern ein weltlicher Rat von 6 Zimps. Dem Deb-Radscha sind zwei Statthalter untergeordnet, von denen der eine, Paro-Penlow genannt, das Land westlich vom Tschintschuflusse, der andere, Tongso-Penlow, das östlich von demselben gelegene Land verwaltet. Unter jedem von ihnen stehen sechs Soubahs oder Distriktskommissäre. Die Regierung ist hart und despotisch, die Bevölkerung unterdrückt. mandelbalt. und Polizei sind willkuürlich und 7½1 mangelhaft. Während des Winters bewohnen beide Radschas das 1222 m über dem Meere gelegene Panakha, im Sommer dagegen Tassisudon, welches, von 5.un Bergen eingeschlossen, unter 27* 30 nördl. Br. und 89 22“ östl. L. (von Greenwich) 2205 müber dem Meere liegt. Andere Hauptörter + Paro, 2361 m, und Tongsu, 2050 müber dem eeresspiegel. +* Pässe, unter denen der 3405 m hohe Bielyah und der 3316 m Dobe Pelilapza die lder andene⸗ Dilichr führen, der erstere nach Paro, der andere, östlichere, nach Tongsu, aus Bengalen nach B. Die Bewohner des Illichsten Teils von B., die sog. Towang-Bhutias, sind der Eie tteb der beiden Radschas nicht unterworfen. ie treiben einen nicht unbeträchtlichen Handel Towang Tibet und Assam. In ihrer Haupt tadt owang finden in den Monaten Januar und Juni starkbesuchte Jahrmärkte statt. Geschichtliches. Die Englander kamen erst 1772 mit den Bhutias, als diese das südlich von B. Gerahru Grenzland Kutsch-Behar besetzten, in nähere eruührung. Der Radscha von Kutsch-Behar rief engl. Hilfe an, und die Bhutias wurden vertrieben. Am 25. April 1774 kam es, unter Vermittelung von Tibet, zum Frieden zwischen dem engl. Generalgouverneur Warren Hastings und dem Radscha von B. Dieser gelobte die Einstellung aller Einfälle in Kutsch-Behar. Erst viele Aran später, namentlich nach ihrer Annexion von Assam 1838, hatten die Engländer wieder Veranlassung, sich über B. zu beklagen. Die Sendung Kapitän Pembertons 1837 —38 behufs Vorstellungen 4 en wiederholte Raubeinfälle der Bhutias in dam blieb erfolglos. Die Engländer besetzten deshalb 1840 die sieben von B. nach den Distrikten Kamrup und Dorang der Provinz Assam führenden Pässe, die sog. Assam-Duars. Im J. 1863 wurden der Gesandte der engl. Regierung an den Radscha von B., Ashley Eden, und dessen Begleiter, Kapitän Godwin Austen, u Panakha schimpflich behandelt und Han maen gescht. Man versuchte den Gesandten Eden zur Unterzeichnung einer Schrift zu zwingen, durch welche die Assam-Duars von England wieder an B. abetreten wurden. Ein Iri gland nicht Aun⸗ gluckicher Krieg, dem der Friedensschluß zu a, 11. Nov. 1865, degtel wurde Dunrs veranlaßt. Die Engländer behielten die Duars gegen die Bezahlung von jährlich 50000 Rupien an B. Letzteres gelobte hiergegen die Einstellung aller Einfälle auf engl. Grundgebiet. Die beiden starken Grenzpositionen Buxa und Dewangiri blieben zugleich als Unterpfänder des Friedens den Engländern. In den J. 1872 —73 wurde Colonel Graham beauftragt, die Grenze in Abtt B. und Assam aufzunehmen und durch in Abständen voneinander aus Stein aufgemauerte Pfeiler genau Bui etzen. Diese Grenzlinie wurde 64 gezogen, daß Buxa und Dewangiri auf engl. Gebiet zu liegen kamen. Dagegen wurden die Duars wieder an B. abgetreten. Eine Karte von dieser Grenzbestimmung sandte die engl. Regierung dem Hudse von B. mit der Insinuation, sich hieran zu halten. Litteratur: Turner, «An account of an embassy to the court of Tishoo Lama in Tibeto (Lond. 1800; deutsch, Weim. 1801); Bose, Some account of the country of B.o (Asiatic Researcheso, 1825, Bd. 15); d'Ochoa, Ambassade au B.„ (Nouvelles Annales des voyageso, 1840, Bd. 2); Griffith, „Journal of the mission which visited B. in 1837 —385 (Asiatic Society of Bengalo, 1840, Bd. 8); derselbe, «Journals of travels in Assam, Burma, B., Afghanistan etc. (Kalk. 1847); (Reports of missions to B. (Lond. 1865); Rennie, „B. and the story of the Dooar Wars (Lond. 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 944Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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