FeedJahn (Otto)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Jahn (Otto), ausgezeichneter Philolog, Archäolog und Kunsthistoriker, geb. 16. Juni 1813 zu Kiel, erhielt seine Gymnasialbildung erst in seiner Vaterstadt, dann zu Schulpforta und widmete sich zu Kiel, Leipzig und Berlin philol. und archäol. Studien. Nachdem er sich einen Winter in Kopenhagen aufgehalten, ging er mit Unterstützung der dän. Regierung 1837 nach Paris, dann nach der Schweiz und im Herbst 1838 nach Italien. Nach seiner Rückkehr, Herbst 1839, habilitierte er sich in Kiel, wurde aber Michaelis 1842 als außerord. Professor der Archäologie und Philologie nach Greifswald berufen, wo er 1845 eine ord. Professur erhielt, und folgte 1847 einem Rufe nach Leipzig für das Fach der klassischen Altertumswissenschaft, wo er teils durch archäol. wie philol. Vorlesungen, teils durch eine archäol. Gesellschaft und als Direktor des archäol. Museums höchst erfolgreich wirkte. Infolge seiner Teilnahme an den Bewegungen 1848 und 1849 wurde er 1851 seines Amtes entsetzt. Seitdem lebte er als Privatmann zu Leipzig, bis er Ostern 1855 als Professor der klassischen Pbilologie und Archäologie, sowie als Direktor des akademischen Kunstmuseums nach Bonn übersiedelte, wo er auch die libungen des archäol. und seit 1861 gemeinschaftlich mit Ritschl die des philol. Seminars leitete. Er starb 9. Sept. 1869 in Göttingen, wohin er zum Besuch seiner Freunde gereist war. I.s wissenschaftliche Thätigkeit ist eine sehr umfassende, indem sie sich nicht blos auf die Kritik und Exegese der altklassischen Schriftsteller und die Archäologie beschränkt, sondern auch in gleicher Gediegenheit die Gebiete der musikalischen und litterarhistor. Kritik wie der Geschichte der Musik umfaßt. Zu seinen archäol. Arbeiten, von denen er einen Teil in den 4Archäol. Aufsätzen »(Greifsw. 1845) und den „Archäol. Beiträgeno (Greifsw. 1847) gesammelt hat, gehören unter andern: (Telephus und Troilus „ (Kiel 1841), Die Gemälde des Polygnotos in der Lesche zu Delphiv (Kiel 1841), «Pentheus und die Mänadeno (Kiel 1842), „Paris und Oinones (Greifsw. 1845), «Die hellen. Kunsty (Greifsw. 1846), «Peitho, die Göttin der über⸗ (Epz. 1852), (Wandgemälde des Columbariums der Villa Pamfilis (Münch. 1857), Der Tod der So-Dahen 1860), Darstellungen griech. Dichter auf senbilderne (Lpz. 1861), Röm. Altertümer von Vindonissas (Zür. 1862), «über bemalte Vasen mit Goldschmucke (Lpz. 1865) u. s. w. Seiner (Beschreibung der Vasensammlung König Ludwigsy(Münch. 1854) hat er eine ausführliche Einleitung über Vasenkunde vorausgeschickt. Von J.s philol.⸗ritischen Arbeiten sind außer der trefflichen kritischen Bearbeitung des Juvenal (Bd. 1, Lpz. 1852) hervorzuheben: die Ausgaben des Persius (Lpz. 1843; Text allein, Lpz. 1851), des Censorinus (Berl. 1845), des Florus (Opz. 1852), des Brutusp (3. Aufl., Berl. 1865) und „Oratoro (3. Aufl., Berl. 1869) des Cicero, der Periochaes des Livius (Lpz. 1853), der Psyche et Cupidoy (Lpz. 1856) des Apulejus, der „Elektrab des Sophokles (Bonn 1861), des Symposione des Platon (Bonn 1864). Schätzbare Beiträge zur deutschen Litteraturgeschichte bilden die Abhandlung Aüiber Goethe's Iphigenie (Greifsw. 1843), die Ausgabe von (Goethes Briefe an leipziger Freundey (Lpz. 1849) und die Schrift Ludwig Uhlande (Bonn 1863). Unter den Früchten seiner musikalischen Studien ist vor allem W. A. Mozarty (4Bde., Opz. 1856—59; 2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1867) hervorzuheben, eine mustergültige Arbeit. Sonst sind, außer Aufsätzen in der ⸗Musikalischen Zeitunge, noch zu nennen: «Uiber Mendelssohns Paulusv (Kiel 1842) und die kritische Ausgabe des Klavierauszugs von Beethovens 4Leonorey (Lpz. 1851), außerdem eGoenbes d Aufsätzer (Lpz. 1866), die Ausgabe von «Goethes Briefe an Christian Gottlob von Voigte (Lpz. 1868), Aus der Altertumswissenschaft. Populäre Aufsätzed (Bonn 1868). Aus J.s Nachlaß veröffentlichte Michaelis «Griech. Bilderchroniken (Bonn 1873). ähns (Friedr. Wilh.), Komponist und Musikschriftsteller, geb. 2. Jan. 1809 zu Berlin, wurde zum Dcbeanglehr ausgebildet, ließ sich aber später als Gesanglehrer zu Berlin nieder, wo er bald zu den Hervorragendsten seines Fachs zählte. Er begründete 1845 einen Gesangverein, den er bis 1870 als Direktor leitete. J. wurde 1849 königl. Musikdirektor, 1870 Professor. Als Komponist lieferte er Klavier-und Gesangstücke, Duos und Trios. Ein Hauptverdienst erwarb er sich durch seine Sammlung von selten Gedrucktem und Geschriebenem, was auf Karl Maria von Weber Bezug hat; dieselbe ging 1881 in den Besitz der Musikabteilung der königl. Bibliothek in Berlin über. Auf Grund dieser Sammlung schrieb J.: Karl Maria von Weber in seinen Werken) Berl. 1871) und „L. W. von Weber. Eine Lebensstizzer (pz. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 778Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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