Berustein oder Agtstein (Electrum), ein fossiles Harz, welches in weißer und in honiggelber bis braunroter Farbe vorkommt; es ist durchsichtig oder schwach durchscheinend bis undurchsichtig, fett⸗ oder wachsglänzend, Las und bei allmählicher Erwärmung biegsam. sselbe ist ein Gemenge verschiedener Harze, denen eine geringe Quantität eines schwefelhaltigen Körpers beigemischt ist, schmilzt bei 270, verbrennt mit hellleuchtender Flamme und besitzt ein spezifisches Gewicht von 1,80 bis 1,200. Es enthält mannigfache Einschlüsse von Pflanzen und Tieren, von denen manche noch heute vorkommen, während die meisten der Vorzeit angehören. Göppert stellte eine eigene Bernsteinfauna und Flora auf; letztere umfaßt nicht weniger als 24 Familien mit 64 Gattungen und 162 Arten. ö Fundorte sind vorzugsweise die baltischen Gestade und die norddeutsche Tiefebene, namentlich die preuß. Ostseeküste von Danzig bis Memel, wo die Produktion gewerbsmäßig, und zwar in verschiedener Weise durch Strandfischerei, Taucherei, Gräbereien und Baggern betrieben wird. Die mem und bei welche namentlich nach heftigen Stürmen und bei herrschendem Nordostwinde arbeiten, untersuchen den auf den Strand geworfenen Seetang und schöpfen oder lesen einzeln angespülte Stücke auf. Im J. 1878 wurden an der Ostseeküste zwischen Palmnicken und Schwarzort 139 700 kg B. gewonnen. Das Bergwerk Palmnicken erbrachte davon 77500 kg, die Dampfbaggerei bei Schwarzort 56200 kg, während 6000 kg durch Schöpfen mit Netzen, durch Stechen und Auflesen gewonnen wurden. Die Zahl der Aatertun welche dort bei der Bernsteingewinnung Unterkunft finden, beläuft sich ef 1000 mit mehr als 3000 Köpfen. Im J. 1879 lieserte das Bergwerk Palmnicken 71000 kg, die Baggerei Schwarzort 55000 kg, durch Auflesen, Schöpfen u. s. w. wurden 14000 kg gewonnen, zu-Bergmwa 140 00⁰ 7 Im J. 1880 lieferte das ergwerk Palmnicken 90000 kg, die Baggerei Schwarzort 54000 kg, durch Auflesen, Schöpfen u. s. w. wurden 12500 kg gewonnen, zusammen 156500 kg. Zu diesen Quantitäten treten noch die an der übrigen Ostseeküste gesammelten und weiter im Lande gegrabenen nicht unbedeutenden Mengen von B. Der B. findet in unreinen Sorten und Abfällen bearbeiteter Stücke Verwendung zu Räucherpulver, Bernsteinsäure, Bernsteinlack u. s. w., in besserer Ware und größern Stücken zur Fabrikation von perlen-oder korallenartigen und andernSchmuck- oder Nippessachen, außerdem zu Amuletten. Die Preise sind je nach der Qualität, Reinheit und Größe der einzelnen Stücke —5 verschieden. Unreine und Abfallware kostet ungefähr 60—80 Pf. das Pfund. Kleinere Stücke zu Korallen und Perlen (100 Stück auf das Pfund) werden mit etwa 4, größere reine Stücke (9 auf das Pfund) mit 60 —75 Mark pro Pfund bezahlt; große Kabinettsstücke gelten noch mehr. Das ½ bisher (im J. 1803 bei Gumbinnen) aufgefundene Stück wiegt 13½ Pfd. und befindet sich im königl. Mineralienkabinett zu Berlin. Abnehmer des B.s sind namentlich Deutschland, Rußland, Osterreich, die Trkei und Levante, Frankreich, England, Indien, China und Japan. Schmucksachen aus B. werden neben Quincaillerien aus Meerschaum, Schildhan u. dgl. am besten in Wien, Paris und Kontantinopel verfertigt; Danzig, der Haupthandelsplatz des Rohartikels, liefert gröbere Waren. Der B. war schon den ältesten Völkern bekannt und kommt bei Homer unter dem Namen Elektron vor. Die Griechen erhielten ihn wahrscheinlich du die Cane, daß Von ihnen stammt unstreitig au die Sage, daß die in mErtde verwandelten Schwestern des Phaethon am Eridanus den B. ausschwitzten und ins Meer träufelten. Daß man in sehr ahlen Zeiten den B. an Preußens Küste holte, erählen sowohl Diodor von Sicilien wie Tacitus und linius. an gebraucht denselben als Räuchermittel, vorzüglich aber zu Schmucksachen; schon die rauen zur Zeit des Trojanischen Kriegs tragen bei omer Hals⸗ und Armbänder von Elektron. Im Mittelalter diente er als Heilmittel, und der Aberglaube empfahl Amulette von B. zur Sicherung egen viele Gefährlichkeiten. Eine sehr schöne Sammung von Bernsteinarbeiten U M die Universität zu Erlangen, für welche sie vom Markgrafen Friedrich von Baden gekauft wurde. Bernstein, Städtchen in der preuß. Provinz Brandenburg, Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Soldin, 20 kEm im SSO. von Dölitz am Jungfernsee gelegen, mit einem ehemaligen Cistercienser-Nonnenkloster, zählt Lrrir 2347 E., die Landwirtschaft und Viehhandel treiben. ö ernstein (Aaron), namhafter polit. und naturwissenschaftlicher Schriftsteller, geb. 1812 zu Danzig, erhielt eine wesentlich talmudisch-biblische Erziehung und eignete sich seit 1832 in Berlin eine vielseitige Eeinerun und naturwissenschaftliche Bildung an. eine unter dem Namen Rebenstein veröffentlichte Übersetzung und Bearbeitung des Hohen Liedes (Berl. 1834) sowie eine litterarhistor. Arbeit: „Das junge Deutschland », führte ihn in die litterarischen Kreise Berlins ein. Er wurde infolge dessen Mitarbeiter an belletristischen Zeitschriften; einige der in ihnen veröffentlichten Aufsätze gab er unter dem Titel 4Litterarische Studien (Berl. 1838) heraus. Diesen folgten «Novellen und Lebensbildero (Berl. 1840), eine Abhandlung: Rotation der Planeteno, und die anonyme dart,-Verl⸗ Schrift: Zahlen frappierenv (1. u. 2. Aufl., Berl. 1843). Die freien religiösen Bewegungen der vierziger Jahre regten 1845 auch B. an, in Gemeinschaft mit Stern u. a. die erste jüd. Reformgemeinde in Berlin zu begründen. Über seine Thätigkeit in dieser Hinsicht handelt er in der Schrift: Aiber die Prinzipien der üd. Reformgemeinde zu Berlin»(Berl. 1865). Im J. 1849 begründete er das demokratische Volksblatt Urwählerzeitungo, das bald große Ausdehnung und Ein luß gewann, ihm mehrere Preßprozesse, 1851 auch eine mehrmonatliche Gefängnishaft zuzog, 1853 aber ganz unterdrückt wurde. Hierauf rief er die Volkszeitunge mit gleicher Tendenz ins Leben, für 205 Blatt er noch jetzt die meisten Leitartikel liefert. Die naturwissenschaftlichen Aufsätze, welche er in dieser Zeitung veröffentlichte, gab er unter dem Titel heraus: Aus dem Reiche der Naturwissenschafto (Berl. 1856), welche Arbeiten wegen ihrer Gediegenheit und Formvollendung in fast alle europ. Sprachen übersetzt wurden. Sie erschienen später als Naturwissenschaftliche Volksbücher» (4. Aufl., 21 Bde.,