FeedBerzelius (Joh. Jak., Freiherr von)
HeilkundeBrockhaus 1882

Berzelius (Joh. Jak., Freiherr von), einer der 1779 zu Westerlösa im Kirchspiel Wäfversunda unweit Linköping in Ostgotland, besuchte das Gymnasium zu Linköping, und kam 1796 auf die niversität zu Upsala, um sich der Medizin und Chemie zu widmen. Die erste Frucht seiner Studien und eines einjährigen Aufenthalts als Assistent des Brunnenarztes im Badeorte Medevi war die Nova analysis aquarum Mediviensiumo (Ups. 1800). Seit 1802 als Arzt und Docent der Medizin und Pharmacie in Stockholm ghattie, wurde B. 1806 Lehrer der Chemie an der Kriegsakademie und im folgenden Jahre Professor der Medizin und Pharmacie in Stockholm. Hier begründete er 1807 mit mehrern andern Arzten die Se Gesellschaft der Arzte. Gaf J. 1808 zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Stockholm ernannt, ward er bereits 1810 6. deren Vorstand und 1818 zu deren beständigem Sekretär erwählt. Letzteres Amt verwaltete er bis zu seinem Tode, der ihn 17. Aug. 1848 ereilte. Im J. 1818 war B. in den Adels⸗, 1835 in den Freiherrnstand erhoben worden. Als Abgeordneter in der Ständeversammlung sowie seit 1838 als Reichsrat entwickelte B. nur eine unbedeutende Thätigkeit. Dagegen sind seine Verdienste um die Wissenschaft von höchster Bedeutung. Die Gestaltung der anorganischen Chemie beruht großenteils auf B. Entdeckungen. B.entdeckte das Selen, Cer und Thorium, stellte Calcium, Baryum, Strontium, Tantal, Silicium, Zirkonium zuerst als Elemente dar und untersuchte ganze Klassen von Verbindungen, so die der e8 und der Fluormetalle, der Platinmetalle, des Tantals, Molybdäns, Vanadins, die Schwefelsalze u. s. w. Er stellte eine neue oder wenigstens ganz umgeänderte Nomenklatur und Klassifikation der chem. Verbindungen auf, die sich immer allgemeinern Eingang verschaffte. Als die atomistische Theorie Daltons und die Entdeckung der Alkalimetalle eine Umwälzung in der Chemie hervorbrachten, wandte B. die Lehren des erstern auf die Konstitution der Verbindungen an. Er stellte ein chem. Mineralsystem auf. Die Ausbildung der Lehre von den Dien Proportionen wird immer als der der Wif calt betrachtet werden müssen, den B. der Wissenschaft geleistet. Als besonderes Verdienst ist zu erachten, daß er sich nie bloß mit Aufsuchung vereinzelter Aiende Ul besuchune sondern stets so durchgreifende Unteruchungen über größere Gebiete anstellte, daß die Chemie als Ganzes dadurch Gewinn erhielt. Abgesehen von seiner 8.45 journalistischen Thätigkeit,‚ veröffentlichte B. zahlreiche Schriften, darunter die zuerst mit Hisinger, dann in Gemeinschaft mit mehrern andern schwed. Gelehrten herausgegebenen Afhandlingar i fysik, kemie och mineralogie (6 Bde., Stockh. 1806—18), die «Foreläsningar i djurkemienv (2 Bde., Stockh. 1806 d) und die «Otversigt on djurkemiens framstegy Stockh. 1812 deutsch von Sie wart, Nürnb. 1815). Andere bedeutende Schriften sind: 4uberblick über die Zu ammensetzungen der tierischen Flüssigkeiteno (deutsch von Schweig er-Seidel, Nürnb. 1815), Neues System der ineralogies (deutsch von „Gmelin und Pfaff, Nürnb. 1816), „Versuch über „ die Theorie der chem. Proportionen⸗ (deutsch von k Blöde, Dresd. 1820), Om bläsrörets användande „i kemien och mineralogieno (Stockh. 1820; deutsch von Rose unter dem Titel: „Von der Anwendung rdes Lötrohrs in der Chemie und Mineralogie v„ Nürnb. 1821; 4. Aufl. 1844), «über die Zusammensetzung der Schwefelalkalien v (deutsch von Palmstedt, Nürnb. 1822). Sein Hauptwerk bleibt jedoch sein Lärebok i kemien (3 Bde., Stockh. 1808—18; 2. Aufl., 6 Bde., 1817—30), das ins Französische (von Jourdan, mit Verbesserungen und Zusatzen des Verfassers, Par. 1829), Englische, Blode Waur Holländische und ins Deutsche (von löde, Palmstedt und Wöhler, 4 Bde., Dresd. und Lpz. 1825—31; 4. Aufl., 10 Bde., 1835—41; 5. Originalausg., Dresd. und Lpz., 10 Bde., 1843— 47) übersetzt wurde. Als Sekretär der Akademie der Wissenschaften gab B. die „Arsberättelser om framstegen i fysik och kemie (27 Jahrg., Stockh. 1820—47) heraus, die von Gmelin, Wöhler u. a. als Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie und Mineralogiev (Bd. 1—27, Tüb. 1821—48) auch in Deutschland übersetzt erschienen. Im I. 1855 wurde B. zu Stockholm ein ehernes Standbild (von Quarnström) errichtet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 886Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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