Beschwörung, die Anwendung gewisser Wörter, Formeln und Gebräuche, einerseits um übernatürliche Wirkungen hervorzubringen, andererseits um solche zu bekämpfen. Der Glaube an derartige Wirkungen der B. geht in das tiefste Altertum zurück und findet sich noch jetzt, auch unter den civilisierten Völkern, vielfach verbreitet. Er bildet einen Teil des Aberglaubens, dem auch die Amulette, die Besprechungen, das Abgraben, Abbinden, Abschreiben u. s. w. ihre Entstehung verdanken. Im Altertum waren vor allem die Chaldäer und Babylonier als Beschwörer berühmt. Unter den Juden fand die Sache eine weitere Ausbildung durch die Kabbala und wurde auf den König Salomo zurück-Ralrthat dessen Siegelringe besonders eine zauberchen und mehr noch die Römer, vorzüglich in den spätern Kaiserzeiten, als die religiösen Anschauungen des Orients eindrangen, huldigten diesem mystischen Treiben. Von ihnen aus und verschmolzen mit dem nordischen Aberglauben verpflanzte sich die Sache ins Mittelalter. Berühmt ist besonders die Formel des Abrakadabra, die mit Abraxas, welches die Zahl 365, nämlich die Summe der Geisterreiche nach der Annahme der basilidianischen Gnostiker, enthält, ben angewandt und häufig namentlich egen Fieber angewandt wurde. de noch ist eine enge von Zauberschriften vorhanden, welche unter Katholiken wie Protestanten weit verbreitet sind. (Fausts dreifacher Höllenzwang erschien mit der falschen Jahreszahl 1404 oder 1407, stammt aber aus dem Ende des 16. Jahrh. Es gibt verschiedene Ausgaben desselben. Ein handschriftliches Exemplar, mit dem nötigen Apparat, einem sog. Erdspiegel und Binden und Streifen aus Jungfernpergament (von ganz jungen Böcken) verfertigt, befindet sich im Welfenmuseum zu Hannover. Dahin gehört ferner das sog. Romanus-Büchlein (gedruckt zu Venedig ohne Jahreszahl) mit vielen Zanderformeln. Andere derartige Werke werden auf Albertus 1 Kabbe Salomo, geheimnisvolle Venetianer, die Kabbala u. s. w. zurückgeführt. Eine andere Entstehung hat die kirchliche B. oder der Exorzismus (s. d.). Die kirchlichen Formeln verbreiteten 0 indessen in mißbräuchlicher Weise zu abergläubischen Zwecken auch unter dem Volke: gegen Wetterschlag, Blutungen, Kriegs⸗ und Feuersgerahren u. dgl. und veranlaßten, besonders in katholischen Ländern, verkehrte Ltrneer. 5. und Ausbeutung derselben durch Betrüger. l. A. Wuttke, «Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwarto (Berl. 1869).