FeedAbraxassteine
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Abraxassteine oder Abraxasgemmen ist der Name einer Art geschnittener Steine von eh. verschiedener Form, auf welchen sich neben abenteuerlichen Bildern, meist Zusammensetzungen aus menschlichem Rumpf und Armen, Hahnenkopf und Schlangenleib, oder auch andern Symbolen von vieldeutigem Sinne, das bisher mit Sicherheit nicht erklärte Wort Abraxas oder Abrasax findet, worunter man den höchsten Gott verstanden wissen will. Diese Gemmen stammen angeblich aus Syrien, Agypten und Spanien und sind in allen Sammlungen in großer Menge vorhanden. Indessen hat man ihnen wohl zu viel Wert und Bedeutung beigelegt. Gewiß ist es, daß die gnostische Sekte der Basilidianer den Namen Abraxas zuerst und allein gebraucht hat; wahrscheinlich bezeichnet dieses Wort nach der numerischen Bedeutung der griech. Buchstaben die Zahl 365. Bei den Basilidianern führte nicht der höchste Gott, sondern die Gesamtheit der Weltgeister diesen Namen. Später ging die Lehre und Sitte dieser Partei durch die Priscillianisten nach Spanien über, von wo aus man besonders viele E Steine erhalten hat. Die gnostischen Symbole wurden nachher von allen magischen und alchemistischen Sekten angenommen, und so sind auch ohne Zweifel diese Steine zum allergrößten Teile in den Zeiten des Mittelalters als Talismane gefertigt worden. Schon die bunte, wunderliche Zusammensetzung ihrer Bilder kann als Beweis gelten, daß die Urheber selbst sehr oft nichts Bestimmtes dabei gedacht, vielmehr nur aus bekannten Symbolen aller Art oder auch aus eigener Phantasie Bilder und Aufschrift zusammengesetzt Reoer Ahnlich urteilt auch Kopp in der «Pa⸗- aeographica criticas (Bd. 3) über diese Gemmen. Man sollte aber den Namen Abraxasgemmen auf diejenigen beschränken, welche wirklich das Bild oder den Namen Abraxas darbieten, die andern sind Amulete oder Genmen de Vgl. Bellermann, Versuch über die Gemmen der Alten mit dem Abraxasbilde (3 Stücke, Berl. 1817—19), vervollständigt durch Matter in der Histoire critique du gnosticismep (2. Aufl., 3 Bde., Par. 1843— 44); Barzilai, „Gli Abraxaso (Triest 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 66Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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