FeedBewußtlosigkeit
HeilkundeBrockhaus 1882

Bewußtlosigkeit ist Aufhebung des Selbstbewußtseins, jener höchstentwickelten Form des Bewußtseins, welche dem gesunden Menschen im völlig wachen Zustand zukommt und sich kundgibt in der Fähigkeit, richtige Vorstellungen von der Außenwelt zu bilden, innere Vorgänge (Gedanken, Gef le u. s. w.) als solche zu erkennen und willkürich die Aufmerksamkeit innern (insbesondere Antrieben zu Bewegungen) oder äußern Vorgängen zuzuwenden. Während der gewöhnliche Sprachgebrauch unter B. im wesentlichen ustände versteht, wo keinerlei Zeichen von Wahrnehmung äußerer Eindrücke, insbesondere keine den Charakter der Willkür tragende Bewegungen und Handlungen vorhanden Pia wendet die mediz., besonders die gerichtliche sychologie diesen Aus ae im O an für Zustände, bei welchen noch Vorgänge im Bewußttionen) stattfinden und sich in eventuell elbst komlizierten Handlungen äußern, bei denen aber die Fähigkeit sich eine richtige Vorstellung von den jeweiligen innern und äußern Erlebnissen zu bilden und die Kontrolle der Gedanken durch äußere Wahrnehmungen aufgehoben ist und demnach die Fähigkeit zu freiem, ½½ Handeln fehlt. Das Prototyp der B. im erstern Sinn und gleichzeitig die einzige im normalen Leben vorkommende Form von B. ist der völlig traumlose tiefe Schlaf. Hier fehlt nach dem Erwachen jede Erinnerung an innere (Träume) oder äußere Vorgänge während der Rin, es Schlafens, was das wesentlichste, aber eineswegs immer völlig zuverlässige Merkmal für stattgehabte B. ist. Die zweite Form wird z. B. repräsentiert durch den von lebhaften Träumen beunruhigten Schlaf, in welchem den willkürlichen Rachtwan Handlungen (aus dem Bett springen, achtwandeln) ausgeführt werden können. Dem letztern ähnliche, aber dem Wesen nach keineswegs immer gleiche Zustände kommen vielfach vor bei krankhaften huns, al des Nervensystems, besonders des Gehirns, als des Organs, welches das an Scadelunert vermittelt, z. B. bei Entzündungen im Schädelinnern, bei Epilepsie, Hysterie, bei Veriftungen belle im Körper entstandene (Harn⸗„ Gallenbestandteile oder von außen einverleibte Gifte, besonders Narkotika, Alkohol u. s. w., bei fieberhaften 454 bei G wie Typhus u. s. w., endlich auch schon bei Einwirkungen, welche heftigen Schmerz (Geburt) oder hochgradige Affekte chreck, Angst) mit s bringen. Die meist als Delirien (bezeichneten Zustände beeinträchtigten Selbstbewußtseins, bei welchen nach dem Erwachen (Ge⸗ .— die Erinnerung völlig fehlt oder lückenhaft ist, gehen ohne scharfe Grenzen über in die B. mit Abwerfenheit aller Zeichen von Bewußtseinsvorgängen, welche sich bei Einwirkung der nämlichen Schadlichkeiten, sofern selbige eine 32 ua Intensität erreichen, einstellen, besonders aber nach Hirnerschütterung, bei hochgradiger Blutarmut des Hirns, bei Blutungen in demselben u. s. w. Diese Form von B. ist z. B. Teilerscheinung der gewöhnlichen Ohnmacht und wird von der klinischen Medizin meist als Coma bezeichnet. Eine besondere Modifikation von B. findet sich beim Hypnotismus (oder animalischen Magnetismus). Es handelt sich hier um einen hulen Scklaf aber keineswegs mit dem normalen Schlaf identischen Zustand, welcher teils durch unmittelbare seelische Einwirkungen, teils vielleicht auch durch anhaltende schwache Reizung empfindender Nerven hervorgerufen wird. Ich 5 und Hypnotismus Eeranlten den si . esonders durch das Verhalten der willkürlichen Muskeln, welche bei ersterm schlaff, bei letzterm gespannt erscheinen. Vie eicht besteht das 968101 des Hypnotismus darin, daß die Fähigkeit verloren geht, die Aufmerksamkeit will 7 auf innere oder äußere Vorgänge zu richten. Vgl. noch die Artikel: Ohnmacht, Scheintod, Erstickung, Schlafsucht, Delirium, Schlaftrunkenheit, Nachtwandeln, CEkstase, Narkose, Hypnotismus 11 w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 935Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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