Anjou, eine ehemalige, von Maine, Bretagne, Poitou und Touraine umgebene Provinz des nordwestl. Frankreich, mit etwa 400000 E. auf ungefähr 8000 qkm, welche nach heutiger Einteilung das Depart. Maine-Loire ganz und kleinere Teile der Depart. Indre-Loire, Mayenne und Sarthe umfaßt. Die Hauptstadt von A. war Angers. — Das alte Grafengeschlecht, welches von dem Lande den Namen führte, erlosch 1060 mit Gottfried II. Martell, der im Kloster starb. Besitztümer und Titel gingen durch seine Schwester an das mächtige Haus Gatinais über, dem Gottfried V., der Ahnherr der Plantagenets (s. d.), entsprang. Derselbe eroberte den größten Teil der Normandie, legte sich den Herzogstitel bei und heiratete 1127 Mathilde, die Tochter Heinrichs I. von England, Witwe Kaiser Heinrichs V. Nach seinem Tode, 1151, folgte ihm zunächst als Graf von A. und Touraine sein Sohn, der 1154 als Rechtsnachfolger seiner Mutter den Thron von England als Heinrich II. bestieg. Auch A. ward jetzt zu den franz. Besitzungen der engl. Krone geschlagen, fiel aber w1204 durch Waffenglück wieder der franz. Krone zu, die es nun nach Belieben vergab. Zuerst erhielt es Philipp, der Sohn Ludwigs VIII., dann dessen Bruder Karl. Dieser wurde der Stifter des ältern Hauses A., welches Neapel, Sicilien und Ungarn Könige gab. Die Grafschaft A. verlor für diese Könige ihre Bedeutung und Karl II. von Neapel gab sie seiner Tochter Margarete bei deren Vermählung mit Karl von Valois, dem Bruder Philipps IV. Letzterer erhob A. 1297 zur Pairie. Der Sohn Margaretens ward aber 1328 als Philipp VI. König von Frankreich und vereinigte die Grafschaft mit der Krone. König Johann erhob A. 1356 zum Pairieherzogtum und verlieh dasselbe seinem zweiten Sohne Ludwig, der hiermit der Stifter des jüngern Hauses A. wurde. Das Geschick führte Ludwig ne Wacht auf den Thron von Neapel, den jedoch seine Nachkommen nicht behaupten konnten. Sein Enkel René (s. d. Titularkönig von Neapel (gest. 1480), ward des Herzogtums A. durch König Ludwig XI. beraubt. Die Tochter Renés, Margarete von A., ist als Gemahlin Heinrichs VI. von England berühmt geworden. Mit Karl von A., Renés Bruder, erlosch 1481 das jüngere Haus A. in den männlichen Gliedern, nachdem das Herzogtum 1480 mit der franz. Krone vereinigt worden war. Seitdem gab es nur noch einen Titel für königl. Prinzen ab. Heinrich III. führte denselben vor seiner Thronbesteigung, und ebenso jener Enkel Ludwigs XIV., der als Philipp V. König von Spanien wurde.