Biber (Castor) bildet eine urmel der Säugetiere aus der Pabgeyl der Nager, welche sich durch den horizontal abgeplatteten, breiten, schuppigen Schwanz und die mit Schwimmhaut versehenen Hinterfüße auszeichnet. Die 4—. ahne sind sehr stark, die obern mit keilförmiger Schneide, Backenähne überall vier, mit Schmelzleisten, und die ße kurz, fünfzehig. An der zweiten Hinterzehe efindet ch ein Doppelnagel. Man kennt nur eine Art, den gemeinen B. (C. Fiber L.), welcher gesellig die Ufer großer Flüsse Nordamerikas, Nord. asiens und Nordeuropas bewohnt, in den größern Flüssen des westl. Europa nur noch vereinzelt angetroffen und in Anhalt gehegt wird. Früher hielt er sich auch südlicher, z. B. in Asien am Euphrat und sogar in Indien 58 jetzt wird er auch im Norden, besonders in Nor amerika, durch die vielen Nachstellungen immer seltener; doch werden immerhin noch etwa 150000 elle, im Durchschnittswert von 10 Mark das Stück, von dorther in den Handel gebracht. Er hat ungefähr die Größe und plumpe Gestalt eines Da ses, mißt 80—90 em und darüber, ist oben rotbraun bis ins Schwärzliche und unten heller gefärbt; auch kommen weiße, gelbe oder . Spielarten vor. Der Schwanz ist braunschwarz. Der Körper ist dick, gedrungen, der Rücken, vorzü lich in der Ruhe, gewölbt, der Hals kurz und dick, der Kopf rundlichdreieckig, aihenbase die Nafe breit und kahl mit roßen verschließbaren Nasenlöchern; die Augen Rehen feitlich; die Ohren sind sehr llein und fast unter dem Pelze versteckt. Bekannt ist der Kunsttrieb und die gesellschaftliche Thätigkeit der B., über welche aber mancherlei Übertreibungen und Fabeln verbreitet worden Ci8 Um sich nämlich gegen die Winterkälte und trömungen zu schützen, errichten die B. Bauwerke, welche sie, da zu deren Uen, gemer die Kräfte des einzelnen nicht ausreien, gemeinschaftlich aufführen. Sie bauen kunstwsa ummf kegelförmige Wohnungen, welche aus zusammengeschichteten Asten, Reisern, Schlamm und Steinen bestehen, 1,50 bis 1,6j0 m über das Waser emporragen, ihren Eingang unter dem Wasser haben und in dem untern Teile die Winalsers um ihre Wohnungen herum gleichho bleibt, errichten die B. noch Dämme um die letz tern, welche auf gleiche Weise aus Holzstücken, S lamm und Steinen kunstlos usammengesetzt sind. Niemals aber bedienen sich die B. ihres Schwanzes beim Bauen als Kelle oder gar als Schlägel. Das nötige Holz verschassen sich die B./ indem sie die Stämme der am Ufer siehenden Sträucher und auch ziemlich starke Bäume durch Nagen fällen: sie lönnen mit einem Mal einen zolldicken Ast durchbeißen. Weil nun auch die Nahrung der B. hauptsächlich aus Baumrinde besteht, so fuügen sie den Waldungen an den Flußufern viel Schaden zu. Außer diesen backofenförmigen Wohnungen haben die B. stets noch Fluchtröhren in der Nähe am Ufer, deren Offnung unter das Wasser geht, und da, wo sie im Bauen gestört werden, oder uberall, wo sie nur vereinzelt vorkommen, bewohnen sie nur solche Uferröhren. Die B. werden geiagt teils wegen ihres wertvollen, dichtwolligen, mit langen, glänzenden Grannenhaaren durchspickten Pelzes, teils wegen des Bibergeils (Castoreum), einer käseartigen, eigentümlich und durchdringend riechenden, in der Heiltunde gebräuchlichen Substanz, welche in zwei dem After naheliegenden Beuteln enthalten ist. Man unterscheidet im Handel nur zwei Sorten des Bibergeils, russ., moskowitische oder sibir. und ameril., canadische oder engl. Bibergeilbeutel, von denen die erstern geschätzter und teurer sind: beide sind offizinell und zwar erstere als Castoreum Sibiricum, letztere als Castoreum Canadense. Es dient in der Medizin bei Nervenzufällen und wird sowohl in Pulver⸗ und Pillenform, wie als Tinktur (Tinctura Castorei Sibirici und Tinctura Castorei Canadensis aus 1 Teil Bibergeil und 10 Teilen Spiritus bereitet) angewandt. Ehedem war auch das ½%% ½½ (Pinguedo oder Axungia Castorei), welches Len in zwei neben und unter den Bibergeilbeuteln befindlichen Olsäcken vorfindet, in der Heilkunde gebräuchlich. Das seidenartige, dichte Woll⸗ oder Grundhaar des Pelzes diente früher den Hutmachern zur rfertigung des Iubahe Filzes (daher Kastorhüte); das minder icht stehende, starre Oberhaar oder Grannenhaar ist gleichfalls durch Feinheit und Glanz ausgezeichnet. Neuerdings hat man als Ersatz des Bibereils eine 13.w00 ubstanz, das Hyraceum oder asjespiß, vom Kap der Guten Hoffnung, ein-Auvpen welche aus eingedicktem Harn des sog. lüppendachses (Hyrax capensis) besteht. Von den echten B. sind wohl zu unterscheiden der Zibetbiber, Biberratte oder Ondatra (Fiber zibethicus), eine große Wasserratte Nordamerikas mit biberähnlichem Fell, aber ohne Schwimmhäute an den Hinterfüßen und mit rundem Schwanze, und der Schweifbiber oder Coypu (Myopotamus Coypu) in Südamerika, von der Größe einer ischotter, mit drehrundem, langem Schwanze und chwimmhäuten an den Vorderfuüßen. Beide Tiere leben wie der B. im Wasser und werden der wertvollen Felle wegen gejagt.