FeedBibliomanie
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Bibliomanie und Bibliophilie. Vibliomanie, ein in neuerer Zeit aus dem Griechischen bildetes Wort, ist soviel wie Büchersucht. Der echte Bibliomane kauft zwar nicht ohne Auswahl alles usammen, sondern sammelt nach gewissen Rücksn legt aber dabei auf außerwesentliche Umtände und Beschaffenheiten der Bücher einen vorüglichen Wert und läßt sich bei dem Ankaufe mehr urch diese als durch den wissenschaftlichen Gehalt bestimmen. Diese Rücksichten beziehen sich teils auf . Kollektionen, teils auf Schicksale und Alter der ücher, teils auf das Material derselben. Die Kollektionen oder Sammlungen von Büchern, welche als zusammengehörig betrachtet werden, weil sie einen etresen den Bibliomanen wichtigen Gegenstand betre en (3. B. die Elzevierschen »Res publicaen), oder in einer gewissen beliebten Manier gearbeitet, oder in einer berühmten Druckerei Elzevier, Aldus, Giunti, Stephanus, Bodoni u. s. w.) wahten wi sind, haben verhältnismäßig noch den meisten wissenschaftlichen Wert. Am gewöhnlichsten aber bezieht sich der Lurus der Bibliomanen auf das Material der Bücher. Gesucht werden namentlich Prachtausgaben, Exemplare mit Miniaturen und schöngemalten Anfangsbuchstaben, Drucke auf Pergament oder Velin, auf farbiges Papier und solches aus ungewöhnlichen Stossen (Asbest), Großpapiere (mit sehr breitem Rande) und unbeschnittene Eremplare älterer und seltenerer Werke, sodann Drucke mit Gold, Silber und andern Farben, Bücher, deren Text ganz in Kupfer gestochen ist, solche, in denen die Seiten mit einer Einfassung von einfachen oder doppelten, mit der Feder gezogenen Linien geziert sind (Exemplaire reglé), sog. illustrierte Eremplare, ferner Bücher, welche den eingeschriebenen Namen ihrer frühern berühmten Besitzer enthalten oder einst berühmten Männern angehörten; endlich auch solche, welche nur in ganz geringer Anzahl gedruckt und von denen die einzelnen Exemlare mit Nummern unter Angabe der Stärke der luflage versehen sind. In Frankreich und namentlich in England sind auch kostbare oder von gewissen Buchbindern (Derome, Bozerian, Lewis Payne) gefertigte Einbände gesucht. Unter den Versteigerungen, in welchen sich die Bibliomanie besonders zeigte, ist die der Bibliothel des Herzogs von Rorburghe zu London im J. 1812 die merkwürdigste. Alles wurde in derselben fast mit unglaubli Preisen bezahlt, so namentlich die erste bei Valdarfer 1471 erschienene Ausgabe des Boccaccio mit 2260 Pfd. St. Zu ihrem Andenken wurde im folgenden Jahre der bibliomanische Rorburghe-Klub gestiftet, dessen Präsident Lord Spencer war und der sich alljährlich 13. Juli, dem Jahrestage des Verkaufs des Boccaccio, in der St.⸗Albans-Tavern versammelt. Unstreitig behaupten in der Bibliomanie, die zuerst gegen das Ende des 17. Jahrh. in Holland auftrat, die Engländer einen Rang, den ihnen weder Franzosen noch Italiener und noch weniger die kleine Zahl Sammler Deutschlands streitig zu machen vermögen. Auch gehört ihnen das Verdienst, in Dibdins Bibliomania or bookmadnessy (Lond. 1811) die sonderbarsten Einfälle, auf welche ein reicher Sammler nur immer geraten kann, in ein System gebracht zu haben. Während für den Bibliomanen in erster Linie Gbalsenes Dinge in Betracht kommen und der Gehalt eines Buchs erst in zweiter Linie steht, ist der Bibliophile oder Büche reund bestrebt, entweder für die Zwecke einer bestimmten, von ihm kultivierten Disciplin eine Bibliothek der besten und brauchbarsten Bücher anzulegen, oder beginnt wenigstens speziellere Sammlungen nur in der Absicht um von denselben einen wissenschaftlichen Gebrau u machen. Freilich ist oft die Grenze wischen

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 10Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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