FeedBibliothekonomie (arch.)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Bibliothekonomie (arch.), Lehre, Lehrbuch von der Verwaltung und Ordnung der dumheit Iungees 19, Tuhthden nennt man seit dem Anfange des 19. Jahrh. den Inbegriff aller auf die Einrichtung und Verwaltung einer Bibliothek bezüglichen, teils theoretischen, teils aus der Erfahrung gewonnenen Grundsätze. Dieselbe zerfällt daher in zwei Hauptteile: in die Sum den Skunde und in die Verwaltungskunde. Um den Bücherschatz möglichst scherzustelen, ein einzelnes Buch aus hunderttausenden mit dem geringsten Aufwand an Zeit und Mühe öalcch Mere den Geschäftsgang mit so wenig als moglich Mitteln in Bewegung zu erhalten, hat der B liothekar bei der Einrichtung einer Bibliothek, sei diese zuerst zu begründen oder neu zu organisieren zunächst au d das Lokal, dann auf die Aufstellung, die Anordnung, die Signierung und die Katalogisierung des Bücherschatzes seine Aufmerksamkeit zu richten. der Wahl des Lokals oder der Errichtung eines eigenen Bibliothek-Sicheranl ist darauf zu sehen, daß es bei möglichster Sicherstellung gegen Feuersgefahr geräumig genug — damit eine Doppeltstellung der Bücher vermieen werden kann, daß es ferner D. trocken, hell und gleichförmig erleuchtet sei. Die Bücher müssen gegen das Eindringen des Staubes und der Sonnenstrahlen geschüt werden können. eme Vorrichtungen zum Arbeiten müssen darin sich vor-Eegas und zwar am besten in einem besondern esesaale, damit das Betreten der eigentlichen Bü-S Samdg von seiten des Publikums unnötig wird. ebäude mit peln oder Glasdächern eignen si am besten zur Aufnahme von Bibliotheken; son sind große, aneinanderstoßende und gut verbundene Säle, womöglich alle in einem einzigen Stockwerke liegend, wünschenswert. Die Aufstellung der Bücher erfolgt in leicht zugänglichen Schränken oder offenen Repositorien mit nach oben zu kleiner werdenden Gefächern, damit die Bücher nach drei Formaten gesondert aufgestellt werden können, die größern (Folio) unten, die kleinern (Quart und Oktav) oben. Eine besondere Aufstellung von Duodez erscheint unnötig. Sind die Säle hoch, so müssen sie Galerien erhalten, damit der Gebrauch gefährlicher hoher Leitern vermieden werden kann; es ist aber wünschenswert, daß die Galerie eines jeden Saals direkt im Saale selbst erreicht werden kann. Wo Repositorien an den Wänden nicht ausreichen und olche auch im freien Mittelraume nötig werden 35 arauf zu sehen, daß solche so gestellt werden, ba das Licht von der Seite einfällt, daß sie in genügender Entfernung voneinander stehen und ohne einen Umweg umgangen werden können. Da eine Bibliothek die in Ruste Entwickelung veranschaulichen soll, so ist eine systematische Anordnung der Bücher nach den einzelnen Wissenschaften sowohl im Katalog wie in der 11el Erne selbst am eeignetsten. Man hat sehr viele Systeme aufgesn nach denen ein Bücherschatz im Interesse wisenschaftlicher Benuhung möglichst übersichtlich geordnet werden kann. Petzholdt hat in seiner verdienstvollen „Bibliotheca bibliographicas nicht weniger als 115 verschiedene Systeme namhaft gemacht, welche in Vorschlag und auch —* Teil zur Ausführung gebracht worden sind. elches von diesen Systemen den — verdient, wird Lascht lich emtjchieden werden, da jeder Bibliothekar für dasjenige eingenommen ist, welches er durchdacht at und an welches er gewohnt ist. Von Bedeutung r die Annahme eines Systems ist die besondere estimmung einer Bibliothek; eine Korporationsbibliothek, der eine beschränktere Aufgabe gestellt 95 wird ein anderes zu wählen haben als eine gro Bibliothek, welche eine allgemeinere Bestimmung t. Im Grunde genommen ist jedes gut durchdachte System zu gebrauchen, wenn dasselbe nur streng durchgeführt wird. Wo Shilt: über die Einreihung eines Buchs entstehen, hilft man durch Nachweisungen in dem Katalog. Über die Art der Gliederung eines Systems gehen die Ansichten ebenso sehr auseinander, wie über die Aneinanderreihung der einzelnen Disciplinen. Eine möglichst detaillierte Gliederung ist, wenn sie verständlich Bibliothek sehr ersprießlich. 0. durchgeführt ist, zweifellos für die Nutzbarkeit einer Für die gute Verwaltung und die Nutzbarmachung einer Bibliothek ist ein guter Katalog (wo die ökonomischen Verhältnisse es möglich machen, +*+* oder aber zur Benutzung für jeden geschrievon höchster Wichtigkeit. Die äußere Form desselben kann eine verschiedene sein, er kann aus einzelnen losen Blättern bestehen oder in Form eines d.a Sor Buchs hergestellt werden; jede dieser eiden Formen hat ihre Vorzüge. Eine jede wohleingerichtete Bibliothek hat drei Hauptkataloge: )) einen alphabetischen, welcher die Bücher uuch dem Namen der Verfasser oder bei Anonymen na dem Stichworte aufführt; 2) einen systematischen, der den Bücherschatz nach den Wissenschaften in mehr oder minder detaillierter Gliederung geordnet übersehen läßt; 3) einen Zugangskatalog, der die neu hinzugekommenen Werke namhaft macht. Ein besonderer Standortskatalog ist in einer systematis verzeichneten und der Verzeichnung entsprechen aufgestellten Bibliothek unnötig und die Beweglichkeit einer Bibliothek bei notwendig werdenden Umrückungen hindernd. Selbstverständlich sind die Handschriften in einem besondern Katalog zu verzeichnen. Wünschenswert sind außer den genannten noch spezielle Übersichten über die Inkunabeln, über Pergamentdrucke und sonstige Bücherkostbarkeiten, über die Bücher mit Holzschnitten u. s. w. Das Mittel, wodurch die Überein Lechteen der Kataloge mit der Aufstellung und das leichte Auffinden eines Buchs nach der Einsicht der Kataloge bewirkt wird, ist die Signierung der einzelnen Werke, welche ihnen ihren Standort gibt und in den Katalogen bemerkt ist. Die Signierung kann in verschiedener Weise geschehen: durch eine fortlaufende Numerieoutf oder, wie es in größern Bibliotheken, wo eine ort aufende Numerierung zu allzu hohen Zahlen ühren würde, zu geschehen pflegt, mit Hilfe von rken für die verschiedenen Ror soda — jede Abteilung ihre besondere Marke hat und in jeder Abteilung dann die Numerierung wieder mit eins beginnt. Es ziemlich gleichgültig, welche Marke man zu diesem Zwecke wählt; am zweck-Zahlzeiche sind Buchstaben im Gegensatz zu den V. lzeichen der Nummern. Neu Humzakommende erke werden durch e eingacrdner; in die vorhandene Nummernreihe eingeordnet; am beliebtesten sind Buchstaben als Einschaltungszeichen, auch gebraucht man dafür Zahlen, die wie ů—16 nenten unter die Nummer gesetzt werden, welche die maßgebende ist. Die Bibliothekverwaltungslehre beschäftigt 516 zunächst mit den Grundsätzen, nach welchen der Bibliothekar die Bücheranschaffungen zu bewerkscaft g hat, damit das Institut mit der Wissenschaft gleichen Fortschritt halte. Außer den zu Gebote stehenden Geldmitteln und andern Hilfsquellen einer Bibliothek muß ihren Verwalter hierbei der Zweck und die Bestimmung derselben leiten. Korporationsbibliotheken (für den Handelsstand, für Gewerbtreibende, für Militärs u. s. w.) sowie Rücksichten zu S Rai als Bibliotheken, welche nicht [den Zweck eines bestimmten Beru Sstandes, sondern der Gelehrsamkeit im allgemeinen zu dienen haben, eien es nun Universitätsbibliotheken oder Lan-Bibliotheken muß es sein, in ertter Linie für die senschaflichee Werke besorgt zu sein, welche der Pri-Beschaffung gelehrter Werke und kostspieligerer wisvate teils ihres Imm Preises wegen, teils weil sie ihm nur in einzelnen Fällen nötig sind, nicht kaufen wird. Hieraus folgt, daß Hand⸗ und Lehrbücher der einzelnen Disciplinen, welche jeder Fachgelehrte selbst besitzen muß, nur in einzelnen, den jeweiligen Stand der Wissenschaft bezeichnenden Repräsentanten zu berücksichtigen sind. Über die Grundsätze, nach welchen die Bibliothek dem Publikum zur Benutzung zu überlassen sei, herrschen noch verschiedene Ansichten, welche allerdings zum Teil durch lokale Verhältnisse hervorgerufen erscheinen. Ein oberster Grundsatz muß es sein, die Bibliothek nutzbar zu machen, soweit es deren Erhaltung ermöglicht. Es soll darum alles, was die Bibliothek hat, zu wissenschaftlicher Benutzung gestattet werden, wenn auch natürlicherweise gewisse Beschränkungen bei der Benutzung ebenso in der Bibliothek selbst wie bei dem Verleihen von Büchern notwendig werden können. Wo das Verleihen von Büchern zulässig ist, sei es nur an besondere durch die Statuten bestimmte Klassen der Bevölkerung, oder an einen jeden, der durch seine Lebensstellung die erforderliche Bürgschaft bietet oder für den ein zuverlässiger Bürge eintritt, müssen für das Ausleihen die genauesten Vorschriften gegeben und deren strenge augedende Duchdarf ur werden. Ein jedes auszugebende Buch darf nur mit dem Stempel versehen ausgegeben werden; über jedes Werk muß ein besonderer Schein ausgestellt werden, der bei der Ablieferung des Buchs eingerissen zurückzugeben ist; über alle verliehenen Bücher muß ein kontrollierendes Journal (am besten mit alphabetischer Aufbenmm der Buchtitel) eführt werden und eine bestimmte Benußungsfrist KutensRt sein. Auch in den am liberalsten verwalteten Bibliotheken sind bestimmte Arten von Büchern von der Verleihung ausgeschlossen und nur in der Bibliothek selbst zu benutzen, wie z. B. allgemein encyklopäd., bibliogr. Werke, n. Wörterbücher, Kupferwerke und andere Iein erke. Wenn auch schon seit dem 16. Jahrh. einzelne Gelehrte die Einrichtung von Bibliotheken zum Gegenstande von S hriften gemacht haben 7 wurde doch die B. als solche zugleich mit ihrem Namen erst im Anfang des 19. 90. durch Schrettinger in dessen Versuch eines vollständigen Lehrbuchs der B. (2 Bde., Münch. 1808— 29) geschassen und von Ebert, dem größten Bibliothekar seiner Zeit, in der „Bildung des Bibliothekarsp (2. Aufl., Lpz. 1820) weiter ausgebildet. Seit-LnNatter besonders Molbech (eliber B., deutsch von Ratjen, Lpz. 1833), Constantin (Pseudonym für Leop. Aug. Constant. Hesse, „Bibliothéconomies, 2. Aufl., Par. 1841), Zoller (Die B.», Stuttg. 1846), Seizinger (Theorie und Praxis der B.y Dresd. 1863), Schleiermacher (Bibliogr. System der gesamten Wissens chaftskundev, Braunf chw. 1852) und Petzholdt in seinem vortre flichen «Katechismus der Bibliothekenlehrey (3. Aufl., Lpz. 1877) u. a. m. sich verdient gemacht. Im J. 1840 begannen Naumann sein Serapeump (bis 1870) und Petzholdt seinen «Anzeiger für die Litteratur der B.y; der letztere erscheint noch jetzt als KNeuer Anzeiger für Bibliographie und B.y und bildet die einzige Zeitschrift, welch edie B. in ihren verschiedenen Teilen hehandelt. die genannten Zeitschriften enthalten auch viele Beiträge zur Bibliothekenkunde oder Bibliothekographie, welche sich mit der Geschichte und Beschreibung der einzelnen Bibliotheken älterer und neuerer Zeit beschäftigt. *

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 12Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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