Bildung bezeichnet auf dem Gebiete des sinnlich Wahrnehmbaren die d.r und Gestalt eines Dinges. Besonders wird hier der Ausdruck mit Rücksicht auf die Art der Entstehung und Entwickelung der Naturformen V. Eer und in diesem Sinne spricht man von der B. einer Pflanze, einer Gebirgskette u. s. w. Da die Regungen und Außerungen des geistigen Lebens in den Sitten und Gewohnheiten, Charakterzügen, Kenntnissen, Bestrebungen und Handlungen entweder des einzelnen Menschen oder größerer Grupen und Massen von Menschen ebenfalls eine besummte Gestalt annehmen, so überträgt sich diese Bedeutung auch auf das gesamte Gebiet des geistigen Lebens. Hier wird jedoch der Begriff dadurch näher bestimmt, daß sich innerhalb des geistigen Lebens gewisse Eeinng aelt des Vortrefflichen, Maßstäbe der Beurteilung geltend machen, mit welchen man das, was sich thatsächlich der Auffassung darbietet, vergleicht. Wie mannigfaltig nun die Richtungen und Gesichtspunkte sind, nach welchen ein solcher Maßstab der Vortrefflichkeit sich geltend macht, so vielfach modifiziert sich der Begriff der B., und in diesem Sinne spricht man z. B. von wissenschaftlicher, religiöser, sittlicher, politischer, pädagogischer, industrieller, militärischer B. u. s. w., oder auch mit Rücksicht auf die Unterschiede der geistigen Thätigkeiten, um deren ÜUbung, Entwickelung und Vervollkommnung es sich handelt, von B. des Gedächtnisses, der ens u.. des Verstandes, des Charakters, des Herzens u. s. w. ö Sehr häufig bezeichnet man indessen auch den Inbegriff dessen, was ein Individuum, ein Volk wie ein Zeitalter in diesen verschiedenen Gebieten und Richtungen erreicht hat, als die B. desselben. Sucht man diesen Inbegriff zu einem +ν+ der B. zu ½ so behauptet den obersten Rang die moraische B. Während durch diese die allgemeinen Grundesten der opindelelt gestützt werden, erwirbt der ensch durch intellektuelle B. die Mittel zur Herrschaft über die Natur, und hiermit die Befähigung, seine Sorgen und Interessen von dem Kampfe um die nächsten Lebensbedürfnisse hinweg der Anordnung jener moralischen Angelegenheiten zuzuwenden, in denen die Bestimmung des Menschenlebens besteht. Und wie die intellektuelle B. sich zur moralischen als Mittel und Werkzeug verhält, so zu ihr wieder die Ausbildung in den agrarischen, technischen, merkantilen, Auchreisen und militärischen und induftriellen Geschicklichkeiten und Fertigkeiten. Das lebendige Ineinandergreifen dieser Thätigkeiten und Beschäftigungen bildet das Gesamtwerk der Kultur, dessen Steigen eine immer vollständigere Erreichung moralischer Strebeziele ermöglicht, und in dessen dee daher die Anforderung eines unermüdeten trebens nach Vervollkommnung und Fortschritt enthalten liegt. Indem aber dabei die harmonische Entfaltung aller Anlagen des Menschen als letztes Kel gelten muß, so 1 dieser Abschluß nur durch ästhetische B. zu erreichen, da diese teils durch Gewöhnung an das Verständnis des künstlerischen Lebens, teils durch Veredlung und Verfeinerung der gesamten Gefühlsweise die Einseitigkeiten der einzelnen Bildungsrichtungen aufhebt. Die Untersuchung und Darstellung des histor. Verlaufs, den die B. des Menschengeschlechts bei verschiedenen Völkern und zu verschiedenen Zeiten genommen hat, ist Gegenstand der Kulturgeschichte. ů Das Gegenteil der B. ist teils Roheit, Mangel an B., teils Verbildung, die zum Teil Überbildung sein kann, wenn man das Bildungsziel in der Übereinstimmung mit falschen Musterbildern sucht oder die Grenzen überschreitet, an welche alle B. gebunden ist, wenn sie nicht das 1 die 20 der Wahrheit und der Angemessenheit an die Naturbedingungen des menschlichen Daseins zu verlieren in Gesahr kommen soll. Verbildung aber und liberbildung sind am gefährlichsten durch die mit ihnen verbundene H albbildung, d. h. denjenigen geistigen Zustand, in welchem durch eine oberflächliche, von allen möglichen Dingen nur kostende Kenntnis statt wahrer B. nur die Einbildung davon hervorgebracht wird. bildungsvereine.