FeedBildschnitzerei
Bildende KunstBrockhaus 1882

Bildschnitzerei ist diejenige Gattung der Bildnerei (s. d.), welche sich zu ihren Darstellungen der faserigen Stoffe, wie des Elfenbeins, Holzes u. a. bedient. Das Elfenbein war schon im orient. Altertum beliebt. Die vorderasiat. und frühhellenische Kunst bediente sich des Elfenbeins in dekorativer Weise zu Inkrustierungen (Kypselos-Lade). In der Blütezeit der griech. Kunst kam das Elfenbein auf eine großartige Weise zur Anwendung, indem * die kolossalen Götterbilder nicht selten so geareitet wurden, daß das Nackte aus Elfenbeinplatten, die man auf einen festen Kern auflegte, bestand, während das übrige aus Goldblech gefertigt ward. Später bediente man FIν Elfenbeins nur zu kleinen, meist dekorativen Arbeiten. Aus Holz fertigte man in den Zeiten des griech. Altertums in der Regel die Götterbilder; sie wurden dann zumeist bemalt, vergoldet, auch mit buntem Putze behängt. In der spätröm. Skulptur bilden die Schnitzwerke in Elfenbein einen wichtigen Zweig. Unter ihnen sind die Diptychen von Interesse, dhhenbemnerne Tafeln zum Zusammenklappen, auf ihrenäußern Seiten mit Lude Reliefs verziert, auf den innern Seiten mit Wachs zum Schreiben überzogen. In der ersten ristl. Zeit waren dieser nachgeschaffene geschnitzte lfenbeinplatten nicht weniger beliebt, namentlich als Verzierung von Büchereinbänden. Außerdem gab es noch mancherlei Ctul de Geräte, z. B. den mit Elfenbein belegten Stuhl des Erzbischofs Maximilian im Dom zu Ravenna (546—555). Karl d. Gr. erhielt 803 dogar zwei Thüren mit reichem Schnitzwerk von Konstantinopel zum Geschenk, der-Die rot allerdings auch im Altertume vorkommen. ie roman. Kunstindustrie bediente sich des Elfenbeins besonders zu Kämmen, Spiegelgehäusen und andern Toiletteobjekten. Eine vorzüglich — Bedeutung für den bildnerischen Betried erhielt das Holz in der Zeit des got. Stils, vornehmlich in der deutschen Kunst. Hier wurden die Altäre mit zum Teil sehr umfassenden und * Holzbildwerken geschmückt, wobei man das Nackte in der Regel naturgemäß färbte und die Gewandungen zumeist vergoldete. Zu den vorzüglichsten Denkmälern dieser Art gehören die Maria in der Kunstschule zu Nürnberg, das große Altarwerk zu Tribsees mit einer Reihe von Dr Mortenaltar: „der Beureotts zu Blaubeuren, der Marienaltar in der errgottskirche bei Creglingen, das Altarschnitzwerk von Hans Brüggemann im Dom zu Schleswig vom Beginn des 16. Jahrh. Als berühmte Bildschnitzer hur noch aufzuführen: Tilmann Riemenschneider, örg Syrlin, Veit Stoß u. a., sämtlich der Zeit um 1500 angehörend. Etwas später wurde auch viel Anmutiges an kleinerm Schnitzwerk gearbeitet. Nuürnberg und Augsburgwaren hierin ausgezeichnet. Vorzüglich bedeutend zeigte sich diese Kunst in der aus Om von Porträtmedaillons, die in der Regel aus uchstaum oder weichem Stein geschnitten wurden, und von denen die deutsche Kunst der ersten Jahrzehnte des 16. Jahrh. bewundernswürdige Leistungen aufzuweisen hat. Des 0 0 fe Ruhms in diesem Kunstfache erfreuten sich zu jener Zeit 5 Schwartz und Heinrich Hagenauer zu Augsurg und Peter Flötner zu Nürnberg. Im 17. und 18. Jahrh. findet wieder das Elfenbein, besonders zu Kruzifixen, Kreuzen und Pokalen mit Reliefdarstellungen, ausgebreitete Anwendung; damals fertigten Angermeier, Rauchmüller u. a. sehr Tüchtiges.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 53Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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