FeedBithynien
ErdkundeBrockhaus 1882

Bithynien hieß im Altertum eine Landschaft im W. Kleinasiens, welche durch die Propontis und den Thrazischen Bosporus von Europa getrennt, egen N. an den Pontus Euxinus, gegen O. an aphlagonien, von dem es der Fluß Parthenius chied, gegen SW. an Mysien, wo der Fluß hynakos die Grenze bildete, gegen S. an Phrygien angrenzte. Der Hauptfluß des Landes war der Sangarios, jetzt Sakaria. Die bedeutendsten Städte waren die griech. Kolonien Chalcedon Heraklea am Schwarzen Meer, Myrlea (später Apamea) und Astakos, nach dessen Zerstörung durch Lysimachus Nikomedes I. in der Nähe Nikomedia gründete, das die Residenz der Könige von B. und später eine der ansehnlichsten Städte Kleinasiens ward. Außerdem mohner die Städte Nicäa und Prusa. Die Einwohner der Landschaft, die Thyner im N. und Bithyner im S., gehörten dem thrazischen Volksstamme an; ebenso wahrscheinlich die im östlichsten Teile des Landes wohnenden, lange Zeit den Grie40 in Herallea unterthänigen Mariandyner. Durch trösus kam B. um 560 v. Chr. zum Lydischen b. Chr. und nach dessen Untergange bis gegen 540 v. Chr. an Persien, unter die Hoheit der Satrapen des ranikus 334 fi „ wie ganz Kleinasien, an Alexander d. Gr. Doch hielt sich Bas, der Sohn des Boteiras, ein einheimischer Fürst (376 — 326 v. Chr.), in den ½½½ und dessen Sohn Zipötes (326—278 v. Chr.) behauptete sich in der Herrschaft gegen Lysimachus und gegen ½½ I. von Syrien, und nahm zuletzt (283) den Königstitel an. Vy folgte als erser ganz unabhängiger König von sein Sohn Nikomedes I., gest. 246, unter dem griech. Sitte und Sprache besonders am 7 Eingang gewannen. Dessen Enkel Prusias I. (gest. 19²) vergrößerte den Staat durch einen glücklichen Krieg gegen das griech. Heraklea im J. 196, schlug die die hellespontischen Städte bedrängenden Galater und verhündete sich mit Philipp V. von Macedonien gegen die Römer. An diese schloß sich aber Prusias II., sein Nachfolger, an, und Hannibal, der zu ihm von Antiochus d. Gr. geflohen war, konnte der Auslieferung an die Römer nur dadurch entgehen, daß er sich selbst 183 den Tod gab. Seitdem war B., obwohl unter eigenen Königen, doch in Abängigkeit von Rom. Prusias II. starb 150 v. I ur röm. Provinz ward es nach dem Tode Nikomedes' III., der 74 v. Chr. die Römer zu Erben seines Reichs einsetzte, um das sie jedoch noch mit Mithridates d. Gr. von Pontus kämpfen mußten. Von den röm. Statthaltern, die B. mit Pontus (d. i. dem östl. Gestade bis Amastris und Cytorus) vereinigt regierten, ist namentlich Plinius der Jün2 (111—113) unter Trajan zu erwähnen. Unter alerian ward das Land 259 n. Chr. von den Goten verwüstet; unter Diocletian war Nikomedia des Kaisers gewöhnliche Residenz. Im 5. Jahrh. teilte (seit Theodosius d. Gr.) der Sangarios das Land in Honorias im O. und Bithynia oder Pontica ½ im W. Im 11. Jahrh. war B. eine Zeit ang (1074—97) im Besiß der Seldschuken, denen es im ersten Kreuzzug wieder + ward. Nicäa, das während jener Zeit Residenz der seldschukischen Sultane gewesen, ward im 13. Rasez (1204 — 61I), während der Dauer des lat. Kaisertums in Konstantinopel, Sitz eines griech. Kaisers. Osman brach 1298 in B. ein, worauf das 1326 eroberte Prusa (s. Brussa) Hauptstadt des Osmanischen Reichs wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 106Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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