Cyrenaika (grch. Kyrenaike) hieß bei den Griechen und Römern das seit dem 7. Jahrh. v. Chr. von Griechen dor. Stammes besiedelte Hochland an der Nordküste Afrikas zwischen der Großen Syrte und dem Agyptischen Meere, das heutige Barka (s. d.). Minyer von der Insel Thera gründeten um 631 v. Chr. auf Geheiß des Delphischen Orakels unter Führung des Battos, nachdem sie erst einige Jahrhunderte sich auf der Insel Platea (dem jetzigen Bomba) angesiedelt hatten, die Stadt Cyrene (s. d.), von welcher die ganze Landschaft den Namen erhielt; daneben wurden dann noch vier andere nicht unbedeutende hellen. Städte (Apollonia, Barka, Taucheira oder Teucheira und Hesperides oder Euesperides) gegründet, was Veranlassung zu dem spätern Namen der Landschaft, Pentapolis Fanfstadh, gab. Unter den Nachkommen des Battos erhielt der Staat eine monarchische Regierung; nach dem Sturze des Königs Arkesilaos IV. um 440 v. Chr. nahm er eine republikanische Verfassung an, in welcher Zeit Handel und Schiffahrt, Künste und Wissenschaften blühten; bald aber rissen infolge innerer Zerwürfnisse einzelne Tyrannen die Herrschaft an sich. Nach Alexanders Tode wurde das Land von Ptolemäus Lagi in Besitz genommen und blieb seitdem in Abhängigkeit von Agypten; seit 117 v. Chr. bildete es ein Königreich eines jüngern Zweigs der ptolemäischen Familie, bis es Apion, ein unechter Sohn des Ptolemäus VII. Physkon, 96 v. Chr. den Römern vermachte, die es anfangs für frei erklärten, im J. 67 aber mit Kreta zu einer röm. Provinz vereinigten. Außer manchen Landplagen wurde C. später von den Barbaren und nomadischen Horden des innern Afrika heimgesucht; im 7. Jahrh. vollendeten die Sarazenen das Werk der Verwüstung. Der Boden des Landes war im Altertum reich an den trefflichsten Weiden nuchen viel Viehzucht, insbesondere Züchtung von trefflichen Pferden getrieben wurde) und trug die herrlichsten Früchte; besonders war * einheimisch ein als ewürz wie als Heilmittel viel gebrauchtes Staudengewächs, Silphium genannt. Wichtig ist noch, daß C. bis ins 5. Jahrh. n. Chr. als Hauptsitz der Gnostiker galt, wie es in vorchristl. Zeit durch die philos. Sekte der Cyrenaiker (s. d.) bekannt war. Die ganze Landschaft ist reich an merkwürdigen Überresten aus dem Altertum. Vgl. außer den Reisewerken von della Cella, Beechey und Pacho besonders Barth, «Wanderungen durch die Küstenländer des Mittelmeers⸗ (Bd. 1, Berl. 1849); Gottschick, Geschichte der Gründung und Blüte des hellen. Staats in C.» yrenaiker, die Anhänger der von Aristipp (s. d. in Cyrene um 380 v. Chr. gestifteten philos. Sekte, welche, nachdem sie ungefähr 100 haeinner⸗ und außerhalb Griechenlands geblüht hatte durch Epikur verdrängt wurde. Die C. heißen au Hedoniker, weil sie die Lust als höchstes Gut ansahen, und standen somit den Cynikern geradezu entgegen. Wie diese verachteten sie die spekulative Philosophie und bildeten bloß die praktische nach ihrer einseitigen Richtung aus. Wie sie das Wissen nur auf die Kenntnis unserer Empfindungen beschränkten, so galt ihnen als höchstes Gut die von ihnen als eine sanfte Bewegung definierte Lust, welche durch Vorsicht und Bildung zu beherrschen sie für die höchste Aufgabe der Weisheit erklärten. Die Lehre der C. ist der vollkommene Ausdruck des mit dem Niedergang des griech. Kulturlebens überall frei werdenden individuellen Egoismus; sie charakterisiert sich als Zeichen einer Zeit der Auflösung auch dadurch, daß sie im Laufe ihrer Entwickelung jede Form der religiösen Auffassung verwarf. Von Aristipps Nachfolgern sind, außer seiner Tochter Arete und seinem Enkel Aristippos Metrodidaktos, Antipater, Annikeris, Theodoros und Hegesias die berühmtesten. Cyréne (grch. Kyrene oder im dor. Dialekt Kyräna), die Hauptstadt der Landschaft Cyrenaika (sd.), benannt nach der reichfließenden Quelle Kyra (jetzt Ain-esch-Schehäd, d. h. ewige Ouelle, genannt), welche den Mittelpunkt und die erste Veranlassung zur Gründung der Stadt bildete. Die Stadt lag auf der Hochebene, 80 Stadien (15 Km) von der Küste, auf und zwischen zwei vom Plateau aus zu beträchtlicher Höhe ansteigenden Kuppen, deren östlichere wahrscheinlich die Akropolis trug; am nordöstl. Abhange der westlichern entspringt die schon erwähnte Quelle, neben welcher ein Tempel des Apollon stand; westlich davon war das Theater in den felsigen Abhang hineingearbeitet; nördlich außerhalb der Stadt befand sich das gegen Norden geöffnete Stadium. Die Stadt besaß, wie die noch erhaltenen großartigen Ruinen (im Mittelalter mit arab. Verstümmelung des alten Namens Grennah genannt) bezeugen, zahlreiche und prächtige Tempel und andere öffentliche Bauwerke und war von ausgedehnten Felsgräbern umgeben. Wie eifrig hellenische Bildung in C. gepflegt wurde, ist schon daraus zu schließen, daß es die Heimat der Philosophen Aristippos, Annikeris und Karneades, des Dichters Kallimachos und des Polyhistor Eratosthenes war; auch standen die kyrenäischen Arzte in besonderm Ansehen. Vgl. Smith und Porcher, (History of the recent discoveries at C. made during an expedition to the Cyrenaica in 1860— 61 (Lond. 1864). — C. ist auch der Name eines Asteroiden. (S. Planeten.) rmißt, sind unter K aufzusuchen.