FeedBruttium
ErdkundeBrockhaus 1882

Bruttium, auch Brutt ia, die Südspitze Italiens, das heutige Calabria ulteriore oder die ital. Provinzen Reggio und Catanzaro, war durch den Fluß Laos an der westl. Küste und die Stadt Thurii im Osten von der Provinz Lucania getrennt. Der Apennin durchschneidet das Land bis zur sicil. Meerenge und bildet viele Schluchten und Thäler, die reich bewässert sind, obgleich keiner der vielen Küstenbäche die Bedeutung eines Flusses gewinnt. Das Land hatte treffliche Viehzucht sowie Wein⸗, Oliven⸗, Obst⸗ und Getreidebau. Ein besonders geschätztes Produkt war das Pech aus dem großen, fichtenreichen Silawalde im Innern des Landes. Seit etwa 420 v. Chr. war B. von den Lucaniern bewohnt; die von ihren Landsleuten sich trennenden, hier unabhängige Wohnsitze behauptenden, wurden daher in der Sprache der Lucanier Brettii, d. h. Rebellen, Räuber, genannt. Dieses rohe und barbarische Volk wurde aber in das Binnenland gedrängt, da die Küste in den ½ der Griechen kam, welche dort die blühenden Kolonien Hippo, Medama, Rhegion, Lokri, Kroton u. a. gründeten. In den Punischen Kriegen verbanden die Bruttier sich mit den Karthagern, verloren aber dadurch nach dem zweiten Punischen Kriege durch die Römer ihre Unabhängigkeit, indem sie zu Staatssklaven (Bruttiani servi) erklärt wurden und den Dienst der Liktoren, Gerichtsdiener u. s. w. verrichten mußten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 641Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6