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NaturlehreBrockhaus 1882

Blau ist die Farbe desjenigen Teils des prismatischen Farbenspektrums, welcher einerseits von dem weniger brechbaren Grün, andererseits von dem n. Violett begrenzt wird. Dieser als B. bezeichnete Teil des Spektrums ist aber keineswegs seiner ganzen Ausdehnung nach gleichförmi (homogen), sondern er bildet eine Reihe allmählich ineinander übergehender Nuancen, welche um so dunkler werden, je mehr man sich vom Grün aus dem Violett nähert. Ein durchsichtiger Körper erscheint blau, wenn er Faubeunurahi blaue Strahlen durchläßt, die übrigen Farbenstrahlen (Grün, Gelb, Rot) aber mehr oder weniger verschluckt (absorbiert). Um die Hsahmmemetung des Lichtes zu untersuchen, welches ein blauer durchsichtiger Körper durchläßt, braucht man nur durch denselben das auf einem weißen Schirme den Beriuch Spektrum zu betrachten. Stellt man den Versuch mit einer Lösung von schwefelsaurem Kupferoxyd-Ammoniak an, welche zwischen parallelen Glasplatten enthalten ist, so verschwindet das Rot, Orange, Gelb und der größte Teil des Grün vollständig; es bleibt nur der Teil des Spektrums von der Grenze des Grün bis zum violetten Ende des Spektrums. Das B. des schwefelsauren Kupferoxyd-Ammoniak ist also keine einfache homogene Farbe, sondern die Summe aller blauen Farbennuancen des Spektrums samt Violett. b5 Kodalt man auf gleiche Weise eine blaue, durch Kobaltoxyd gefärbte Glasplatte, so findet man, daß dieses B. kein Violett und weniger dunkelblaue Strahlen enthält als das B. des Kupferoxyd-Ammoniak, wis aber zu den blauen Strahlen noch eine 110 wisse Quantität roter Strahlen hinzukommt. Also auch hier hat man kein homogenes B., sondern ein Gemisch blauer mit einer geringern Menge roter durchichtt Ahnliche Resultate geben auch andere durchsichtige blaue Substanzen. Undurchsichtige Körper erscheinen blau, wenn sie vorzugsweise das blaue Licht reflektieren, die übrigen Farbenstrahlen aber mehr oder weniger absorbieren. 50 auch hier hat man es nicht mit homogenen, sondern mit Farben zu thun, welche aus mehr oder weniger verschiedenen einfachen prismatischen Farbentönen zusammengesetzt sind. Vom blauen Streifen des Spektrums bis zum Ende im Violett haben die Strahlen vorherrschend chem. Wirkungen, sodaß man bis vor kurzem sie ausschließlich für die chemisch wirksamen Strahlen hielt. Jetzt weiß man, daß in Stoffen, welche grüne, gelbe und rote Strahlen absorbieren, auch chem. Wirkungen eintreten können. In der Photographie jedoch wirken meist die blauen und violetten Strahlen, weshalb man diese als photographische Strahlen bezeichnen kann. Das B. des Spektrums besteht aus Hell- und Dunkelblau. Letzteres liegt vor dem Violett. Das Hell- oder Cyanblau ist die Komplementär- oder Ergänzungsfarbe von Orange, d. h. diejenige Farbe, welche das Orange zu weißem Lichte ergänzt. Das Dunkel-oder Indigoblau hat Goldgelb zur Komplementärfarbe. Die blaue Farbe, welche in der Technik den Gegenständen erteilt wird, läßt sich durch die verschiedensten Stoffe, organische wie anorganische, unter Anwendung der mannigfachsten Hilfsmittel hervorrufen. Die Blaufärberei lehrt vorzugsweise das Färben mit Indigküpen, in Snese säure aufgelöstem Indig, Blau o Berlinerblau und Anilinblau. Das B. der Schmelzmalerei, Porzellanmalerei und Glasmalerei besteht vorzugsweise in Kobaltoxydflüssen. Das B. der Olmalerei ist Ultramarin, Smalte, Kobaltultramarin, Indig, Berlinerblau, Schwefelkupfer. Das B., dessen man sich in den Papierfabriken bedient, besteht geenwärtig ausschließlich in künstlichem Ultramarin. ie wichtigsten Farbstoffe oder Farbmaterialien, welche im allgemeinen mit dem Worte B. bezeichnet werden, sind: 1) Das Nnamenoren (. Indigo), ein stickstoffhaltiges Pflanzenprodukt, das sich in mehrern Pflanzen findet, aber selten in so großer Menge an etrossen wird, daß es daraus gewonnen werden kann. Es ist enthalten im Waid, Isatis tinctoria, besonders aber in den Arten der Gattung Indigofera, im Polygonum tinctorium, Nerium tinctorium, Asclepias tingens u. s. w., welche zum Zwecke der Daur werden 4 in Ostindien und Westindien gebaut werden. Es scheidet sich aus einem Bestandteile des Pflanzensaftes, dem Indican, aus, welcher sich durch Gärung in Indigblau und in Zucker spaltet. Von Baeyer ist das Indiblau künstlich dargestellt. 2) Das Berlinerblau (s. d.), das seinen Namen vom Wohnorte des Entdeckers Dippel zu Berlin führt, wird aus H ½½ und Eisenvitriol bereitet. 3) Das Turnbullsblau, worunter man das durch Fällen von Eisenvitriol mit rotem Blutlaugensalz (Ferridcyankalium) erhaltene, vom Berlinerblau kaum zu unterscheidende, aber etwas anders als dieses zusammengesetzte B. versteht. 4) Das πᷣ⏑ welches man ursprünglich durch Zermahlen des Minerals, der Kupferlasur, dann auch künstlich erhält. Es besteht in einer Verbindung von kohlensaurem Kupferoxryd mit Kupferoxydhydrat. Das künstliche wird aus löslichen Kupferoxydsalzen durch Zusatz von Atzlauge und Zusammenreiben mit etwas Atzkalk bereitet; bei größerm Zusatze von Kalk entstehen die geringern Sorten, welche Kalkblau heißen. 5) Das Kobaltblau. Dahin gehört, wie schon oben bemerkt, die Smalte, ein Glasfluß, der durch eine geringe Menge Kobalt blau gefärbt erscheint; ferner das Thenardsche B. (Kobaltultramarin), bereitet durch Glühen eines Gemenges von phosphorsaurem Kobaltoxyd mit Thonerde, und das Coelin, welches wesentlich aus Kobaltorydul und Zinnoxyd besteht. 6) Das Ultramarin (s. d.). 7) Das Campecheholzblau, ein B., das sich entwickelt, wenn mit upfers alzen vorgebeizte Zeuge mit Campecheholzabkochungen 4 ärbt werden. 8) Das Lackmusblau, ein in Holland aus Flechten durch Husas von Ammoniak (faulem Harn) bereiteter Farbstoff, der in kleinen Würfeln in den andel kommt. 9) Neublau, eine gemeine blaue arbe in kleinen, viereckigen Kuchen, welche zum läuen der Wäsche dienen, um den gelben Schein, das weißes Zeug nach der Wäsche leicht behält, zu verdecken. Das Neublau ist bald Lackmus, bald Berlinerblau, bald dudadi meist wird zu demselben Zwecke gegenwärtig Ultramarin angewendet. 10) Das Anilinblau (Bleu de Lyon, Bleu de Paris, Azulin, Azurin), in allen seinen vielen Varietäten, ist für die Zwecke der Färberei eine der wich-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. tigsten blauen Farben geworden. 11) Das Cyanin (. d.), ein iodhaltiges Zersetzungsprodukt des Cinchonins, zeichnet sich zwar durch prachtvolle Nuance, aber auch durch Mangel an Haltbarkeit aus. Das B. des Himmels ist von der Beschaffensein der Atmosphäre abhängig und wird hinsichtlich einer Stärke durch Vergleichung mit Gemischen von blauen Farben von bestimmbarem Farbentone, z. B. Mischungen von Berlinerblau mit Bleiweiß, emessen. Die dazu dienenden Vorrichtungen heien Cyanometer (s. d.). lau, Nebenfluß der Donau, s. unter Blaubeuren.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 144Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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