Blausäure, Cyanwasserstoffsäure, Formonitril (AKeidum hydrocyanicum oder borussicum) ist im wasserfreien Zustande eine farblose, sehr bewegliche üssigkeit von starkem bittermandelartigen Geruch, welche bei 26,5 C. schon siedet und bei 15 Kälte erstarrt. Läßt man einen Tropfen an einem Glasstabe verdunsten, so wird so viel Verdunstungskälte e * daß der Tropfen zum Teil gefriert. Die Dichte der flüssigen Säure ist O,vos bei + 7. Sie brennt mit schwach violett +%½ Flamme und ist in jedem Verhältnis in asser und Weingeist löslich. Die wässerige Säure wurde 1782 von Scheele entdeckt, die wasserfreie Säure 1809 von Ittner in Dampfform und 1811 von Gay-Lussac als Flüssigkeit dargestellt, welcher letztere auch ihre chem. Zusammensetzung ermittelte. Dieselbe besteht aus Wasserstoff, verbunden mit Cyan, einem aus Kohlenstoff und Stickstoff zusam⸗ . . Radikal, ihre chem. Formel ist HCN oder HCy. Zur Darstellung der wasserfreien Säure versetzt man in einem EPeämrerkaltuten 10 Teile Blut Ceilen S d.) mit einer erkalteten Mischung von 7 Teilen Schwefelsäure und 14 Teilen Wasser, verbindet den Apparat mit einem größern, mit geschmolzenem Chlorcalcium gefüllten Gefäß, welches in Wasser von 30 C. eingesenkt ist, und läßt die halumi entweichenden Dämpfe in einen mit einer ältemischung umgebenen Cylinder treten. In dem Chlorcalciumgefäße werden die Wasserdämpfe zurückgehalten, die B. verdichtet sich in dem abgekühlten Cylinder. Die wässerige Säure erhält man durch Destillation obiger Mischung mit größerm Wasserzusatz ohne Einschaltung des Chlorcalciumgefäßes. Bei der muß dis ga der B., namentlich der wasserfreien, muß die größte Vorsicht angewendet werden, weil sie unter die stärksten Gifte gehört. Die heftige Wirkung zeigt sich nicht nur, wenn B. in den Mund gebracht wird, sondern auch wenn sie durch eine Wunde in unmittelbare Berührung mit dem Blute gelangt oder die Dämpfe derselben eingeatmet werden. Der eigentümliche und übereinstimmende Geschmack der bittern Mandeln, Pfirsich⸗ dlunzen, di Kirsch⸗ und andern Fruchtkerne von 9 anzen, die zu der Gattung Prunus und Amygdalus gehören, rührt von der B. her, die in den genannten Pflanzenteilen zwar nicht fertig gebildet enthalten ist, wie man irrtümlich früher glaubte, aber 770 leicht aus dem darin enthaltenen 2 ußd Em (s. d.) unter Einwirkung von Wasser und Emulsin entsteht. Die B. ist auch auf ähnliche Weise die Ursache der giftigen Wirkung der Maniokwurzel. Durch Destillation jener Fruchtkerne und der Kirschlorbeerblätter mit Wasser erhält man blausäurehaltige Wässer (Iqua amygda amararum, Aqua laurocerasi, Aqua cerasorum u. s. w.); auch die über Pfirsich⸗, Pflaumen⸗ und Kirschkerne abgezogenen Branntweine, wie Persico, Sliwowitz und Kirschwasser, enthalten B. Von den genannten Wässern hat die Deutsche Pharmakopde die Aqua amygdalarum amararum und Aqua laurocerasi, mit einem vorgeschriebenen Gehalt von 0,1 Proz. Cyanwasserstoffsäure, an Stelle der früher offizinell gewesenen B. treten lassen, während für Aqua cerasorum jetzt Aqua amygdalarum amararum diluta (Verdünnung mit 19 Teilen Wasser, also 0,05 Proz. Cyanwasserstoffsäure enthaltend) vorgeschrieben ist. Ihren Namen hat die B. daher, weil sie mit Eisenlösungen einen blauen Niederschlag, das sog. Berlinerblau, liefert. Diese Reaktion kann auch r Erkennung der Anwesenheit der B. und ihrer Verbindungen in Flüssigkeiten benutzt werden. Zur quantitativen Bestimmung Eaus man durch salpetersaures Silber Cyansilber, sammelt dies auf gewogenem Filter, wäscht, trocknet und wägt; bei der Analyse des Bittermandel⸗ und Kirschlorbeerwassers setzt man zuerst reichlich Ammoniak, dann bis zue schwa Silber und endlich Salpetersäure bis zur schwachsauren Reaktion zu und filtriert dann das Cyansilber. Wenige Tropfen B. reichen hin, ein Tier oder einen Menschen sofort unter Starrkrämpfen zu töten. Gegen geringer Buchmerr Mengen wendet man Erbrechen an. uchner rät als Gegengift Ammoniak an, Orfila schwache Einatmungen von Chlor oder halbstündliche Einnahme von drei bis vier Theelöffeln Terpentinöl. In sehr verdünnter —* wendet man sie an als Mam bem gegen Asthma, Herzzufälle u. s. w. an benutzt ½ das Kuschlorbeerwasser oder besser das Bittermandelwasser. Beim Aufbewahren zersetzt sich die B. leicht unter Abscheidung eines braunen Niederschlags, der Dawautew Mit Kali verbindet sie sich zu dem blausauren Kali oder Cyankalium. (S. Cyan.) Vgl. Preyer, «Die B. Physiologisch untersucht v (2 Bde., Bonn 1868— 70).