Dextrin nennt man eine Gruppe von chem. Körpern von der Zusammensetzung CHI0,, welche sich neben andern Produkten bei der Einwirkung verdünnter Säuren oder Diastase (s. d.) auf Stärkemehl bilden. Kocht man z. B. Stärkemehl mit verdünnter Schwefelsäure (1:100) nur so lange, bis eine Lösung entstanden ist, und unterbricht man in diesem Zeitpunkt die Erwärmung, so enthält die Flüssigkeit vorzugsweise eine Substanz, die dem tärkemehl noch sehr nahe steht, mit ihm z. B. die Eigenschaft teilt, durch wässerige Jodlösung intensiv blau gefärbt zu werden; auf Zusatz von Alkohol entsteht ein weißer Mer elinei der in Wasser leicht löslich ist. Der hier gebildete Körper heißt lösliches Stärkemehl oder Amydulin, neben demselben ist zugleich Traubenzucker nachweisbar. Kocht man die saure Flüssigkeit länger, so gibt dieselbe mit Jodlösung nicht mehr eine blaue Färbung, sondern wird tief burgunderfarbig, auf Zusatz von Alkohol wird eine schleimige, fadenziehende Masse abgeschieden, es ist dies eine Form des D., die nach ihrem Verhalten zur Jodlösung als Erythrodextrin bezeichnet wird; in dem Maße, wie dieses entsteht, vermehrt sich die Menge des Traubenzuckers. Bei noch längerm Kochen der sauren? lüssigkeit ver-Durd Ar das Erythrodextrin, die Flüssigkeit wird urch Jodlösung nicht mehr gefärbt, aber durch Alkohol gefällt und enthält jetzt, neben noch größern Mengen von Traubenzucker, ein anderes D., welches Achroodextrin benannt ist. Wird die Erhitzung noch weiter fortgesetzt, so erleidet das Achroodextrin eine weitere Umwandlung, es wird nunmehr in ein D. verwandelt, welches weder durch Jod gefärbt noch durch Alkohol gefällt wird, von dessen Gegenwart man sich überzeugen kann, indem man den vorhandenen Traubenzucker durch Gärung zerstört und die Flüssigkeit verdampft, wobei das entstandene D. Maltodextrin, als klebrige Masse zurückbleibt. Bei sehr anhaltendem Kochen, oder besser durch Erhitzen unter erhöhtem Druck auf 115 —1205 C., geht das Maltodextrin endlich in Traubenzucker über. Amydulin, Erythrodextrin, Achroodextrin, Maltodextrin sind demnach Übergangsprodukte vom Stärkemehl zum Traubenzucker. Sie haben sämtlich gleiche Zusammensetzung wie das Stärkemehl und sind demnach durch successive Umlagerung der Atome im Stärkemehlmolekül oder durch successive Abspaltungen aus dem Stärkemehlmolekül entstanden. Auf ganz ähnliche Weise erfolgt die Umwandlung des Sturkemehls durch Diastase bei Temperaturen, welche 75 C. nicht übersteigen. Auch hier entstehen nacheinander Amydulin und die verschiedenen D., aber es wird kein Traubenzucker, sondern eine andere Zuckerart, Maltose, gebildet, und es geht die Umwandlung der D. immer nur bis zur Entstehung des Maltodextrins; dieses wird durch Diastase nicht weiter angegriffen. Die Umwandlung des Stärkemehls in Maltose und Maltodextrin ist das Wesentliche des Maischprozesses der Bierbrauer und Spiritusfabrikanten. Für technische Zwecke stellt man D. (Gommeline, Dampfgummi, Röstgummi, Stärkegummi, Leiokom) dar, indem man Stärkemehl in mit mechan. Rührwerken versehenen Apparaten so lange einer Wärme von 180 C. aussetzt, bis dasselbe sich in ein gelbliches, in Wasser lösliches Pulver verwandelt hat. Bei weit niederer Temperatur erfolgt die Umwandlung, wenn man eine ganz geringe Menge von Säure zu Hilfe nimmt. Mischt man z. B. 1000 kg Stärkemehl mit 2 kg Salpetersäure, die, um die Mischung zu ermöglichen, mit etwa 200 1 Wasser verdünnt ist, und trocknet das Gemenge bei niederer Temperatur, so genügt eine ein- bis zweistündige Erwärmung auf 120C., um ein in Wasser lösliches, wenig gefärbtes Produkt zu erhalten. Ein zuckerhaltiges D., das man durch die Einwirkung von Gerstenmalz auf mit Wasser angerührte Stärke erhält und das im Handel in Gestalt einer sirupdicken Flüssigkeit ächlich in Frankreich in der feinen Bäckerei und in u der Bierfabrikation angewendet. Das durch die Einwirkung der Wärme oder der verdünnten Säuren auf Stärke erhaltene D. braucht man als Surrogat für das ungleich teurere arab. Gummi zum 0 Appretieren für Gewebe, als Kettenschlichte, zum kb Drucken von Tapeten, zum Glasieren von Karten und Papier, als Verdickungsmittel der Beizen in d der Druckerei auf Seide und Wolle, als Mundleim u. s. w. In neuerer Zeit hat es ⁷ Heftmittel beim Verbinden in der Chirurgie Anwendung eralten. Das D. macht ferner einen charakteristischen estandteil des Biers aus und entsteht auch beim Backen des Brotes auf dessen Oberfläche; es bildet zum Teil die Kruste des Gebäcks. De 16 ist gleichbedeutend mit Glukose, Traubenzucker, Stärke⸗, Krümel⸗, Harnzucker. (S. Traubenzucker.)