FeedBleek (Wilh. Heinr. Immanuel)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Bleek (Wilh. Heinr. Immanuel), namhafter deutscher Sprachforscher, Sohn von Friedrich B., geb. 8. März 1827 zu Berlin, besuchte das Gymnasium zu Bonn und widmete sich seit 1845 auf der dortigen Universität, seit 1848 aber zu Berlin philol. Studien. Durch besondere Umstände auf ein eingehenderes Studium der südafrik. Sprachen geführt, suchte er in seiner Doktordissertation De nominum generibus linguarum Africae australisv (Bonn 1851) unter anderm den nordafrik. (semitischhamitischen) Ursprung der Hottentottensprache nachber Wger Im J. 1854 ward er zur Teilnahme an er Nigerexpedition unter Baikie bestimmt, mußte sich aber aus Lenlchhieden⸗ Bochb in Fernando-Po zur Rückkehr entschließen. Doch begab er sich im Fealuitnr 1855 nach der brit. Kolonie Natalia in Begleitung des dortigen Bischofs Colenso, in welchem er einen treuen Berater und Beschützer fand. Während seines Aufenthalts daselbst bereiste B. längere Zeit das Innere der Kolonie sowie des benachbarten Kaffernlandes, um die Sprache, Sitten und Einrichtungen der Eingeborenen kennen zu lernen. Im Herbst 1856 siedelte er nach der Kapstadt über, wo er alsbald durch den damaligen Gouverneur Sir George Grey eine Anstellung erhielt, die ihn in dessen Nähe brachte und ihm Gelegenheit bot, seine linguistischen Studien, namentlich über die Sprachen Afrikas, Australiens und Polynesiens fortzusetzen. Als Sir George Grey bei seinem Weggange nach Neuseeland seine besonders für Ethnographie und Linguistik enk wertvolle Bibliothek der Kapkolonie zum Geschenk machte, ward B. zum Bibliothekar derselben ernannt, welche Stelle er ununterbrochen bekleidete, bis er 17. Aug. 1875 in der Kapstadt starb. Das größtenteils von ihm verfaßte Werk: The library of his Excellency Sir George Grey. Philologys (3 Bde., Kapstadt u. Lond. 1858—63) verzeichnet nicht bloß vollständig die über jene Sprachen vorhandene Litteratur, sondern versucht auch eine Klassifikation und Charakterisierung derselben. Von seinen übrigen Arbeiten sind außer einem Vokabular der Mozambiquesprachen (Lond. 1856) noch hervorzuheben: Reynard the Fox in South Africa, or Hottentot fables and taleso (Lond. 1864), eine Sammlung 2 ber int. Oun Fabeln und Märchen; Formenlehre der lat. Sprache zum ersten Unterrichto (Lond. u. Heidelb. 1863); «lber den Ursprung der Spracheß (Weim. 1868). Sein Hauptwerk jedoch ist die KComparative grammar of South African languages (Bd. 1 u. 2, Lond. 1862—69), in dem er außer den Hottentottendialekten alle Sprachen des großen Bantu-Stammes im Geiste der modernen Aaherleder uherdi zu behandeln unternommen hat, aber leider über die Phonologie und das Nomen nicht hinausgekommen ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 153Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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