FeedBleirohren
TechnikBrockhaus 1882

Bleirohren (frz. tuyaux de plomb, tubes de plomb, conduits de plomb; engl. lead-pipes, leadtubes) werden hauptsächlich zu Wasser⸗ und Gasleitungen verwendet, weil sie in jeder beliebigen Länge verfertigt und sehr leicht gebogen werden können, wodurch die Anwendung von Kniestücken wegfällt. B. werden entweder gegossen und dann gezogen oder gepreßt, oder auch direkt gepreßt. Zum Gießen dient eine meist gußeiserne, aus wei Teilen bestehende, d. h. durch die Achse geschnittene Form, in deren Innerm ein polierter, eiserner Kern angebracht ist, welcher an dem einen Ende etwas dünner als am andern ist; der Raum zwischen Kern und Formwandung ist bedeutend weiter, als die beabsichtigte Stärke des Rohrs beträgt. Die Formen werden aufrecht gestellt und durch Ringe und Schrauben zusammengehalten, worauf man das Blei in dieselben hineingießt. B von beliebiger Länge kann man herstellen, indem man das geschmolzene Blei direkt aus dem Schmelzkessel in eine senkrecht stehende, unten offene Röhrenform pumpt, deren oberer Teil durch 1 cben gekühlt wird; das fertige Rohr wird dann oben austreten. Beim Ziehen der Rohre werden dieselben über einen schmiedeeisernen, glatten und runden Dorn auf einer sog. Ziehbank gezogen, auf deren einem Ende ein aus Gußeisen gefertigtes Zieheisen angebracht ist. Außerdem liegt an jedem Ende der Bank eine ausgezackte, mit Zähnen versehene Scheibe auf horizontaler Achse; über beide Scheiben ist eine Kette ohne Ende geschlagen. In den obenher 16 Zungt Teil dieser Kette wird der Dorn oder die Zunge, welche den letztern gefaßt hält, eingehakt; wenn man nun eine der Scheiben umdreht, dreht sich die andere mit, wobei die fortschreitende Kette den Dorn und das auf demselben steckende 90fe mit sich zieht. Man kann auf diese Weise gegossene Röhren von 750—900 mm Länge bis auf 6, 9 und selbst 12 m ausstrecken. Der Durchmesser der gezogenen u gich variiert von 6—75 mm und mehr. Zum Ziehen sehr enger Rohre braucht man keinen Dorn; das Ziehen dient hier nicht nur zur Verlängerung, sondern auch zur Verengung des Rohrs. So kann ein Rohr von 12 mm Weite auf 6 mm innern Durchmesser gebracht werden. Die gepreßten Röhren, jetzt am meisten gebräuchlich, haben vor den gezogenen den Vorzug, daß sie frei von Höhlungen und Poren und von größter Dichtigkeit sind. Dieselben sind entweder kalt oder warm gepreßt. Bei beiden Verfahrungsarten benutzt man die gleichen Vorrichtungen, und zwar eine gußeiserne, 450 — 900 mm lange Preßform, welche unten eine dem äußern Durchmesser des zu pressenden Rohrs entsprechende Austrittsöffnung, den sog. Preßring, hat Der genau in die Preßform passende Preßkolben hat an seinem untern Ende einen Kern oder Dorn, welcher dem gewünschten innern Durchmesser des Rohrs entspricht und so lang sein muß, daß er bei vollständig zurückgezogenem Kolben noch bis in den Preßring reicht. In die Preßform bringt man entweder eine passend gegossene Röhre, oder man gießt das flüssige Blei direkt um den Dorn herum. Der innere Durchmesser der gegossenen Preßtolt variiert zwischen 6 und 2,0 mm. Der Pre kolben wird entweder durch Schrauben oder durch hydraulischen Druck bewegt. Bei diesem Verfahren werden die Röhren mit Einem Durchgange die gewünschte Verminderung in der Wandstärke erhalten. Die dünnen und engen Sorten der B. werden in Längen bis zu 60 m, die größern nur bis zu 9 m herestellt. Beim Warm⸗ oder Heißpressen wird die reßform auf einer Temperatur erhalten, bei welcher das Blei eben noch geschmolzen bleibt. Unten an der Preßform ist zu diesem Zweck eine besondere Kühlvorrichtung angebracht. Das Rohr erstarrt bei seinem Austritt aus der Form und kann, wie beim Kaltpressen, sogleich auf eine Trommel gewickelt werden. Das Warmpressen hat vor dem Kaltpressen den Vorzug, daß es eines geringern Kraftaufwandes bedarf auch erhält man durch Nachgießen von Blei in die Form die naleit in beliebigen Längen; dagegen ist die Dichtigkeit der kalzenreiten Röhren eine geringere als die der altgepreßten. Innen verzinnte B., welche anden, sächlich zu Wasserleitungen Verwendung finden, werden auf verschiedene Art hergestellt. In den meisten Fällen hat man eine cylindrische, sehr schnell um eine horizontale Achse rotierende Form, in welche man durch die hohlen Zapfen zuerst geschmolzenes Blei und dann geschmolzenes Zinn einströmen läßt; durch die Wirkung der Centrifugalkraft bildet das dichtere Blei die äJußere Schicht, während sich das Zinn um die Achse lagert. Die auf diese Weise erhaltenen Bleizinncylinder werden alsdann zu dünnwandigen Röhren ausgezogen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 161Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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