FeedBlutandrang oder Wallung
HeilkundeBrockhaus 1882

Blutandrang oder Wallung (Kongestion, aktive oder arterielle Hyperämie) nennt man die ubermäßige Füllung der Gefäße eines Körperteils mit Blut, wenn Diurg nicht auf gehindertem Abfluß des Blutes (Blutstockung, passive Hyperämie), sondern auf stärkerm Zufluß desselben beruht. Letz- oder weil dem Blute der Weg nach gewissen Teilen gehemmt oder abgeschnitten ist, sodaß es nach andern Teilen hin ausweicht und dieselben überfüllt, und endlich weil die blutzuführenden Gefäße (Arterien) sich infolge einer Erschlaffung der in ihrer Wandung gelegenen feinen Muskelfasern erweitert n, sodaß sie nicht nur mehr Blut in sich aufnehmen können, sondern auch dem vorwärts drängenden Blute einen geringern Widerstand beim Durchfließen entgegensetzen. Der B. kennzeichnet sich äußer⸗ — durch stärkere Rötung des betreffenden Teils, erhöhte Temperatur desselben, n selomiit Pulsieren, welches oft auch der Patient selbst fühlt, endlich durch Störung der Funktion des blutüberfüllten Organs; so ändert sich — in den Absonderungsorganen die Menge und Beschaffenheit der Absonderung. Dem Patienten verrät sich die Blutüberfüllung bisweilen durch Hitzegefühl oder Schmerz Hr chmerz, Kopfschmerz); wenn dieselbe das Gehirn betrifft, durch erhöhte Erregbarkeit, Flimmern vor den Augen, Ohrensausen, Gefühl von Unruhe, Schwindel (in den schlimmsten Fällen sogar Delirien und Krämpfe); betrifft sie die Lungen, so kommt es leicht zu Kurzatmigkeit, Beengung, Husten und asthmatischen ams ih bei B. zur Haut empfindet der Kranke Hitzegefühl, Prickeln, Jucken und Verminderung des Tastgefühls. Die Behandlung hat die undieselt die Ursache des B. zu beseitigen, oder wenn dieselbe unbekannt oder nicht zu krne ist, entweder direkt auf Verengerung der B utgeiäße des betroffenen Teils durch Kälte oder mechan. Druck hinzuwirken, oder aber das Blut von jenem Teil dadurch abzuleiten, daß man in einem andern, weniger wichtigen oder empfindlichen Teile eine künstliche Blutüberfüllung hervorruft. Sehr an. Zunge ist bei B. nach den innern Teilen (Gehirn, Lunge u. s. w.) die Anwendung von Hautreizen an den entsprechenden Teilen der äußern Haut. Es scheint, daß die Reizung der Hautnerven durch sog. Reflex die Gefäßnerven der innern Teile zur Zusammenziehung zu bringen vermag, sodaß also die abnorm erweiterten Gefäße sich wieder verengern und dadurch die Blutüberfüllung gehoben wird. Dagegen scheinen die heißen und mit reizenden Stoffen (Salz, Senf, Asche) versetzten Hand⸗ und Fußbäder mehr dadurch zu wirken, daß sie eine künstliche Blutüberfüllung der Haut hervorrufen, daher sie um so wirksamer sind, je tiefer die Hände oder Füße eingetaucht werden. Die Anwendung der Kälte oder des Drucks ist nur bei äußerlich zugänglichen Organen (Haut, Augen, Magen) von erheblichem Erfolge; doch auch auf Gehirn, Lunge und Unterleibsorgane vermag man noch durch äußere Anwendung der Kälte einzuwirken. Auch die hohe Lagerung der blutüberfüllten Teile dient vermöge der Schwere des Bluts zur Minderung der Hyperämie. Ist der B. durch übermäßige Herzthätigkeit veranlaßt, so sind kühle oder anderweite das Herz beruhigende Mittel anzuwenden; ist Hemmung des Blutlaufs in andern Organen (3. B. durch enge Halsbinden, Schnürleiber) die Ursache, so ist das Hemmnis womöglich zu beseitigen. (S. Hyperämie.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 199Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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