FeedBlutregen
TierreichBrockhaus 1882

Blutregen oder Bluttau nennt man rote Substanzen, welche in Tropfenform entweder wirklich aus der Atmosphäre herabfallen oder deren Erscheinen doch vom Volke aus der Atmosphäre abgeleitet wird. Erscheinungen dieser Art finden sich schon seit den ältesten Zeiten aufgezeichnet und haben zu vielfachem Aberglauben Veranlassung gegeben. Mit besonderer Sorgfalt hat Ehrenberg alle bisjetzt bekannten Fälle dieser Art kritisch zusammengestellt in Poggendorffs Annalene (Bd. 18). Eine nähere Untersuchung hat ergeben, daß der B. seinen Ursprung verschiedenen Ursachen verdanke. In manchen Fällen scheint durch die Luft fortgeführte rote Erde, welche sich den atmosphärischen Niederschlä70 beimengt, die t. daß W verursacht zu haben. luch hat man entdeckt, rech ienen und Schmetterlinge, diese beim Auskriechen aus der Puppe, jene beim ersten Ausfliegen zater, wehre oder nach lange anhaltendem rauhen Wetter, mehrere Tropfen roter Buutarrier fallen lassen, deren Menge oft überrascht. Blutartiges Wasser wird zuweilen durch die kleinen, roten Wasserflöhe veranlaßt. Infusorien von roter Farbe haben in andern Fällen dieselbe Erscheinung hervorgerufen. In vielen Fällen hängt auch die rote Farbe der Gewässer, die roten Flecke auf Gewächsen u. s. w., die man nach oberflächlichem Anblick blutartiger Natur halten könnte, von der durch besondere Umstände anlicher rat Erzeugung kleiner, pilz⸗ oder schimmelähnlicher, roter Pflänzchen (Bacterien, s. d.) ab, deren Organisation durch das Mikroskop erkannt wird. Hierher gehört namentlich das sog. Speisenblut, ein blutroter Schimmel, der 10 häufig auf Brot (Blutendes Brot) und ähnlichen Substanzen in feuchten Orten entwickelt und auch zu den Legenden von blutenden Hostien Veranla ing Onee: hat. Der Bluts 3 oder roter Schnee wird gebildet durch die mikroskopisch kleinen, kugeligen Zellen des Protococeus nivalis 49., einer kleinen, einzelligen Alge aus der Familie der Palmelleae, welche sich auf dem Schnee der höchsten Alpen und der Polarzone erzeugt und, wenn sie in dichten Massen auftritt, auf demselben Flecken von blutroter Farbe bildet. Da diese Alge mit bloßen Augen nicht als eigenes, dem Schnee auflagerndes Gebilde erkannt wird, so konnte man die rote itzs als dem Schnee angehörig ansehen, bis das Mikroskop den Irrtum nachwies.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 214Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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