Befruchtung nennt man in den beiden organischen Reichen die Erweckung des weiblichen Keims zu weiterer Ausbildung durch Berührung mit einem männlichen Zeugungsstoffe. Im Tierreiche ist die Fortpflanzung durch mit männlichem Samen befruchtete Eier die Regel, die Erzeugung von Jungen durch andere Vorgänge durch Bildung von Knospen und Sprossen, dur Teilung, sowie durch Entwickelung nichtbefruchteter Eier bildet die Ausnahmen. Knospen⸗ und Sprossenbildung findet sich, sowie die Teilung, besonders bei den niedersten Tieren, wie Infusorien, Polypen, Strahltieren und Würmern. In neuerer Zeit hat besonders K. Th. von Siebold in München nachgewiesen, daß auch bei höhern Tieren, namentlich Insekten, eine Entwickelung der Cier ohne B. (s. Parthenogenesis) stattfinden kann und für gewisse Tiere, wie z. B. die Blattläuse, die männlichen Bienen, eine Regel ist. Bedingungen der B. sind: die Gegenwart zweier verschiedener bale Bernhruug Eier und Samen, und die materielle Berührung beider, sei es innerhalb der Organe, sei es außeralb. Die Elemente des Samens (Samenfäden, ihrer tierähnlichen Beweglichkeit wegen ehemals als „Samentierchen⸗ Amelen dringen bis in das Ei selbst ein und verschmelzen mit der Substanz desselben; der Eintritt in das Ei geschieht entweder durch dessen schwammige Hülle, durch welche sich die Samenfäden einbohren, wie z. B. bei den Froscheiern, oder an Mirtuyten Offnungen der äußern Cihülle, die man Mikropylen genannt hat (Insekten, Fische). Die Eier reifen bei allen Tieren unabhängig von der B., tritt aber dieselbe nicht zur rechten Zeit ein, so entwickelt sich das Ei nicht weiter, sondern geht u Grunde. Bei denjenigen Tieren, bei welchen die „im Innern des weiblichen Organismus vor sich geht, existieren besondere Begattungsorgane, + 9 von sehr verwickeltem Bau; bei denen, wo die B. erst nach der *5 der Eier stattfindet, fehlen dieselben gewöhnlich ganz. Bei vielen im Wasser lebenden Tieren, wie B. De ist die B. anz dem Zufalle überlassen. Die männlichen iere 2• ihren Samen in das Wasser aus der durch die Strömungen zu den Ciern gelangt. Nicht minder große Verschiedenheiten herrschen Ranche lich der Zeiten, wo die B. stattfinden kann. Manche Tiere, wie z. B. viele Insekten, die Männchen der Rädertiere, existieren in ihrem vollkommenen Zustande nur für die B., sie nehmen keine Nahrung zu sich und ihre Lebensdauer ist eine sehr kurze. Bei andern entwickeln sich die m Frübfunt: and nur zu bestimmten Zeiten, meist im Frühjahr; andere sind stets befähigt während eines gewissen Alters. Bei Tieren, bei welchen äußerliche B. stattfindet, wie z. B. bei den Rscheu⸗ kit man neuerdings zu Ran uhafft ie künstli 96 B. angewendet. an 90 596 sich zu diesem Zwecke zur Laichzeit trächtige Weibchen und volle Männchen, streicht den Weibchen durch Drücken von dem Kopfe nach hinten die Eier in eine mit wenigem Wasser versehene Schüssel oder Kübel aus und verfährt dann ebenso mit dem in Mi um dessen Samen (Milch) zu erhalten. Ein Milchner genügt in der Regel, um die Eier von sechs Weibchen (Rogner) zu befruchten. Hierauf rührt man das Ganze um zu dem Zwecke, Rogen und Milch in gehörige Deruhrung zu bringen, und läßt die Mischung eine Stunde ruhig stehen, wo dann die B. vollständig ist. Vgl. K. Vogt, «Die künstliche Fischzucht' (Lpz. 1859; 2. Aufl. 1875). Nach der Lehre der 4Ovisteno sollte das Ei, nach der Lehre der Sperma tikero der Samen oder der Samenfaden die materielle Grundlage des sich entwickelnden Embryo bilden. Neuern Entdeckungen zufolge gibt der männliche Zeugungsfaktor (Samenfaden) nicht etwa einfach durch seine Berührung mit dem Ei (Kontaktwirkung) den 2an zu dessen Entwickelung, sondern der Kopf des Samenfadens (Spermakern und der vom Keimbläschen des Eies gelieferte «Eikerne vereinigen sich er Bildung eines neuen Keimbläschens (Furchungskern), aus welcher von beiden Eltern herstammenden und beider Eigentümlichkeiten vererbenden Verbindung das Material für den Aufbau des Embryo sich entwickelt. Im Pflanzenreiche beruht der Vorgang der B. ebenso wie im Tierreiche im allgemeinen darin, daß sich der Inhalt einer männlichen Zelle mit dem einer weiblichen Diste der sog. Eizelle, entweder direkt oder durch Diffusion vermischt. Das letztere findet statt bei sämtlichen Phanero amen, wo die Fortpflanzungszellen bei der B. Oaschiossene Membranen besitzen; die direkte Vermengung dagegen ist nur dann möglich, wenn die männlichen und weiblichen Befruchtungszellen nicht mit Zellmembranen umgeben sind oder wenn diese Membranen vor dem Befruchtungsakte durch Zerreißen oder Auflösen entfernt werden. Diese Art der B. ist mit wenigen Ausnahmen wohl bei sämtlichen Kryptogamen vorhanden, bei denen uberhaupt eine Sexualität genau bekannt ist. Bei den Phanerogamen sind die Pollenkörner, die in den Staubfäden gebildet werden, als die männlichen, die Samen 7˙ welche entweder wie bei den Angiospermen (s. d.) von einem Fruchtknoten umhüllt sind oder wie bei den Gymnospermen (s. d.) keine derartige Umhüllung besitzen, als die ederein Organe zu betrachten. Die Samenknospe der Dewehelorpe besteht aus einem gewöhn⸗; lich ovalen Gewebekörper, dem sog. Nucleus, der in den meisten Fällen von einer oder zwei Zellschichten, den Integumenten, umgeben ist, welch letztere stets an dem Scheitel der Samenknospe eine trichter- oder röhrenförmige Offnung, die Mikropyle, be sitzen. An der Stelle, wo sich diese Mikropy befindet, wird im Nucleus der sog. Embryo⸗ oder Keimgebildet, und zwar in der Weise, daß sich eine Zelle der Nucleusgewebe im Vergleich mit den übrien ziemlich bedeutend vergrößert. In dem Em-Wofad entsteht sodann durch sog. freie Zellbildung (. Zelle) die weibliche Fortpflanzungszelle, die izelle stets in der dem Scheitel des Nucleus anliegenden Partie. Außer der Eizelle bilden sich im Embryosack ebenfalls durch freie Zellbildung noch einige andere Zellen, zwei am Scheitel, neben oder über der Eizelle liegend, und * am Grunde desselben; die erstern führen, weil sie bei dem Befruchtungsakte mitwirken, den Namen Synergiden oder Gehülfinnen, die beiden letztern werden gewöhnlich nach ihrer Stellung als Antipoden bezeichnet, sie spielen bei der B. selbst keine Rolle. Der eigentliche Vorgang der B. ist folgender: Nachdem der in den Antheren oder Staubbeuteln gebildete Pollen seine Reife erlangt hat, springen die erstern auf und die Pollenkörner können dur Vermittelung äußerer Einwirkungen, z. B. durch den Wind, durch Insekten, auch durch die Hand des Menschen (s. Bestäubung) auf die Narben der die Samenknospen eins 3e unter Fruchtknoten gelangen. Hier keimen sie unter dem Einfluß der von der Narbe abgesonderten zuckerhaltigen Feuchtigkeit, indem die innere Numn durch Offnungen der äußern (s. Pollen) in Form von zarten plasmareichen Schläuchen heraustritt; die so gebildeten Pollenschläuche dringen in die Narbe ein und von da durch das Gewebe des Griffels hindurch bis in die bie Mirooleeim hier angelangt, wachsen sie in die Mikropyle hinein und legen sich an den Scheitel des Degeu an. (Vgl. Tafel: Befruchtung und Bestäubung bei Artikel Bestäubung.) Durch dieses Anlegen wird die B. bewirkt, indem der Inhalt des Pollenschlauchs durch Diffu1 sich mit demjenigen der Eizelle, und zwar durch ermittelung der Synergiden, vermischt. Nach der B. wächst die Eizelle allmählich zum Embryo (I. d.) A. ei den Gymnospermen ist der Vorgang der insofern ein anderer, als die Pollenkörner direkt auf die Samenknospen zu liegen kommen und hier nur einen kurzen Schlauch bis in den Idung des treiben. Außerdem ist noch die Ausbildung des Emhryosacks und der hier in mehrern vorhan enen Eizellen, die in Verbindung mit ihren Synergiden weiblichen Organen der höhern Kryptogamen, auch Archegonien genannt werden eine wesentlich andere als bei den Angiospermen. (S. Gymnospermen.) Die B. selbst erfolgt aber U4½½• durch Diffusion. Bei den Kryptogamen ist der Befruchtungsvorgang je nach den Familien sehr verschieden. Die weiblichen Zellen führen hier ebenfalls den Namen Cizellen, die männlichen dagegen heißen Spermatozoiden. Die Eizellen liegen bei den Lbncn Kryptogamen, den Nieosen im & Schachtelhalmen u. s. w. und bei den Moosen im Innern von besondern Zellkörpern, die man als Archegonien hn beum Die Spermatozoiden werden ebenfalls in bestimmten Zellen oder Zellkörpern gebildet, aus denen sie beider Reife ausschlüpfen, um sodann vermittelst einer oder unwan Cilien äußerst lebhaft im Wasser Dch bet chwärmen. Auch die Archegonien öffnen ich bei der Reife und gestatten so den Spermatozoiden direkt bis zur Eizelle zu gelangen und sich mit derselben zu vermischen. Die B. dieser Pflanen kann nur bei Zugegensein von du die in tropfar flüssiger Form vor si gehen, da die Spermadaanger nur unter dieser Bedingung zu den Eizellen gelangen können. Das Resultat der B. ist eine der ache Teilung der Eizelle und das Auswachsen derselben zu einem Embryo. Bei den niedern Kryptogamen, den Algen und Pilzen, sind die Vorgänge bei der B. im wesentlichen dieselben wie bei den höhern Kryptogamen. Auch hier findet eine direkte Vermischung der in Antheridien gebildeten Spermatozoiden und der in sog. Oogonien oder auch Carpogonien vorhandenen Cizellen statt. Eine Ausnahme hiervon macht bloß die Familie der Florideen, indem hier die Spermatozoiden nicht mit der Eizelle in unmittelbare Berührung kommen, sondern die B. derselben durch Vermittelung einer oder mehrerer andern Zellen bewirken müssen. (Näheres hierüber unter Florideen.) Bei den übrigen Algen und bei den Pilen, die überhaupt Sexualität haben, sind die Geenartig gebaut. Die 87 und Carpogonien umschließen die Eizellen, bei der Reife der letztern öffnen sie sich, um den Spermatozoiden das Eindringen in die Eizellen zu ermöglichen, oder das Antheridium legt sich an das weibliche Organ an, durchbohrt die Membran desselben und entläßt nun die Spermatozoiden direkt in das Innere. Das Resultat der B. ist hier stets die Bildung einer oder mehrerer Sporen, aus denen bei der Keimung wieder die Mutterpflanze hervorgeht. x