Boleyn oder Bouleyn (spr. Bülin, Anne), von Shakespeare: Bullen geschrieben, Gemahlin Heinrichs VIII. (s. d.) von England, wahrscheinlich 1507 geboren, war die Tochter des Sir Thomas B., der von Heinrich mehrmals als Gesandter nach ½½ eschickt und später zum Grafen von iltshire erhoben wurde. Ihre Mutter war eine Tochter Thomas Howards, zweiten Herzogs von Norfolk. Sieben Jahre alt ging sie mit Maria, heralehr VIII. Schwester, die an Ludwig XII. vereiratet wurde, nach Frankreich, wo sie blieb, als die bald verwitwete Maria nach England zurückkehrte. Die Königin Claudia, Gemahlin Franz' I. von Frankreich, war es, welche von der Lebhastizkeit und Anmut Annas (denn eigentlich schön ist sie nicht gewesen) angezogen, sie bei sich behielt. Erst 16jährig, kehrte Anna B. nach England zurück, erhielt bei Hof eine Stellung, und wußte auch hier durch ihr heiter-geselliges und künstlerisches esen zu glänzen. Im J. 1523 wurde ihre Verlobung mit Lord Percy, Sohn des Grafen von Northumberland, wie es heißt, auf Betrieb des Königs aufelöst. Es ist gewiß, daß die ersten Liebesanträge Heinrichs VIII. an Anna B. vor seinem ersten Scheidungsgesuch bei dem Papst (1527) erfolgten, vielleicht 1526, und daß diese Neigung mächtig mitgewirkt hat, um seinen Scheidungsplan zu beschleunigen und trotz des Widerspruchs von Rom durchzusetzen. Am 25. Jan. 1533, noch ehe seine Verbindung mit Katharina durch das erzbischöfl. Gericht zu Canterbury für null und migt A erklärt worden, ließ sich der König insgeheim mit Anna trauen, der er vorher die Würde einer Marquise von Pembroke verliehen hatte; am 1. Juni ward sie aufs feierlichste als Königin gekrönt, und schon 7. Sept. gebar sie ihm eine Tochter, die nachherige Königin Clisabeth. Die Reformation, der Anna eifrig er⸗ — war, erhielt durch dieses Ereignis in Engand große Förderung, ihr selbst aber war nach kurzem Glanze ein schreckliches Ende beschieden. Die launische und brutale Sinnlichkeit Heinrichs fand sich sehr bald nicht mehr durch Anna befriedigt. Seine + ν die besonders dadurch wuchs, daß Anna ihm eine Tochter statt des erhofften Prinzen gebar (bei einer zweiten Niederkunft brachte sie einen toten Knaben zur Welt), ging in Kälte und Abneigung über, als er eine neue heftige Leidenschaft zu dem schönen Hoffräulein Jane Seymour faßte. Die kath. Partei wußte diese Stimmung zu benutzen und einen Argwohn in dem König zu nähren, den das freie und unvorsichtige Benehmen Annas erweckt hatte. Besonders war es der Herzog von Norfolk, das Haupt der papistischen Partei, Annas eigener Oheim, der sie bei ihrem Gemahl zu verdächtigen suchte; was ihm um so eher gelang, als Heinrich ihre Untreue zur Entschuldigung der eigenen brauchte. Nachdem beide 43 0 gemeinschaftlich den Festlichkeiten des Maitags beigewohnt, wurde Anna plötzlich in den Tower abgeführt, eines strafbaren er Blunich mit mehrern ihrer Hausbedienten, ja der Blutschande mit ihrem Bruder, Lord Rochford geziehen. Sie lenenet zwar ihr t einen Ben etragen ein, eugnete aber standhaft einen Bruch ihrer ehelichen Treue. Auch die angeblichen Mitschuldigen leugneten bis auf einen, der wahrscheinlich bestochen war. Der Prozeß wurde so eilig und rechtswidrig geführt, daß die Königin ihren Anklägern nie gegenübergestellt ward. Das Gericht verurteilte sie zum Tode des Feuers oder des Schwerts, je nach dem Belieben des Königs. Lord Rochford wurde des Todes schuldig befunden, weil gegen ihn ausesagt war, daß er sich auf das Bett seiner Schweser gelehnt; auch die übrigen, vier an der Zahl, empfingen das Todesurteil. Nachdem die männlichen Angeklagten 17. Mai 1536 hingerichtet worden, wurde auch Anna am 19. nach dem unbeugen d. Willen des Königs enthauptet. Sie erlitt n Tod mit Standhaftigkeit, nachdem sie in einer Rede an die Umstehenden das vorgebliche Verbrechen weder zugegeben, noch geleugnet hatte. Man meinte, die Furcht um das mücht ou ihrer Tochter ahe sie bestimmt, den König nicht durch eine öffentiche Beteuerung ihrer Uns zuld zu erzürnen. Tags 12½„ vermählte sich Heinrich mit Jane Seymour. Annè B.„ (Lond. 1818); Miß Benger, Memoirs of England from the fall of Wolsey to the death Elizabetho (Bd. 1, Lond. 1856); Hepworth Diron, «IIistory of two Oucens. I. Catharina 0f Aragon. II. Anne B.„ (4 Bde., Lond. 1873—74).