FeedHeinrich I.
GeschichteBrockhaus 1882

Heinrich I., das Kind, erster Landgraf von Hessen allein, geb. 24. Juni 1244, war ein Sohn Herzog Heinrichs II. des Großmütigen von Brabant und Sophias, einer Tochter des Landgrafen Ludwig des Frommen von Thüringen und der heil. Elisabeth. Seine Mutter betrachtete sich, als 1247 mit Heinrich Raspe der landgräfl. thüring. Mannsstamm ausstarb, als nächste und alleinige Erbin desselben, konnte aber nach langer heldenmütiger Wehr gegen mehrere Prätendenten und un Heuric gegen ihren Hauptfeind, den Markgrafen Heinri den Erlauchten von Meißen, kraft Vertrags von 1263 nur Hessen erlangen, welches sie, als ihr Sohn, bis dahin „Kind von Brabanto genannt, mündig geworden war, demselben nebst dem landgräfl. Titel überließ. H., dessen älterer gleichnamiger Stiefbruder schon 1247 die Regierung von Brabant übernommen hatte, schlug seinen Sitz zu Kassel auf, säuberte das Land von Raubrittern, schützte es gegen die Anmaßungen des Erzbischofs von Mainz und legte den Grund zu der Größe seines Hauses, dessen unmittelbare Besitzungen sich anfangs auf die Grafschaft Gudensberg mit Einschluß der Landschaft an der Werra beschränkten, aber schon unter ihm durch Erwerbung der Herrschaft Gießen, des Schlosses Grabenstein, der Stadt Immenhausen, Schartenberg u. s. w. beträchtlich erweitert wurden. d die zerrütteten Verhältnisse seines väterlichen rbes Brabant griff er kräftig ein. Außerdem beschäftigten ihn nach außen hin seine zu König Rudolf I., dem er zu dem Siege über Ottokar von Böhmen behilflich war. Durch seine in zwei Ehen geborenen Söhne wurden Erbstreitigkeiten in seinem Hause veranlaßt, welche bei seinem Tode (21. Dez. 1308) auf eine Landesteilung hinausliefen, die jedoch, da nur einer der Söhne, Otto, den Stamm fortpflanzte, nicht von Dauer war.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 61Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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