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BaukunstBrockhaus 1882

Carew, alte Adelsfamilie Englands, genannt nach dem Schloß C. in der Grasschaft Pembroke (Wales). — Sir Nikolaus C., Verwandter von Anna Boleyn, eine Zeit lang Günstling Heinrichs VIII., geriet nach der Hinrichtung von Anna Boleyn in die Ungnade des Königs, ließ sich mit den Nevilles und Poles 1539 in eine Verschwörung ein, die jedoch entdeckt wurde und C. mit seinen Genossen auf das tere. brachte. — Bekannter noch ist Sir Peter C., dessen Leben ein Zeitgenosse, John Vowell, beschrieben hat. Geboren zu Mohuns Ottery in Devonshire 1514, gewann er nach abenteuerlichen Jugen fahrten die Gunst Heinrichs VIII. und wurde als einer der ersten Kavaliere des engl. Hofs im franz. Kriege und in wichtigen Missionen verwandt. Nachdem er auch unter Eduard VI. im Genuß der königl. Gnade gewesen war, mußte er um seines prot. Glaubens willen vor Maria der Blutigen fliehen, ging nach Venedig, Straßburg, Brüssel, ward hier von engl. Agenten aufgespürt, nach England geschleppt und in einen Prozeß auf Hochverrat verwickelt. Doch glückte ihm die Freisprechung. Clisabeth zog ihn wieder in den Dienst; er saß in ihrem ersten Parlament und war in dem ersten Feldzuge nach Schottland thätig. Die letzten Lebensjahre verbrachte er in Irland mit der Bekämpfung irischer [Großen, besonders der Butlers, welche ihm zu⸗ — Güter widerrechtlich besaßen und zugleich der engl. Herrschaft widerstrebten. Er starb in Cork 27. Nov. 1575. Vgl. Pauli, 4Sir Peter C. Carew (John Edward), engl. Bildhauer, geb. 1785 in Waterford in Irland, wurde in einer U in Dublin vorgebildet, später Schüer Sir Richard Westmacotts und stellte zuerst im J. 1830 in der königl. Kunstakademie in London die Werke: Modell eines Gladiators, ein Bär in der Arena und Theseus und der Minotaur, aus. Hierauf arbeitete er mehrere Jahre im dekorativen Fach für den Grafen von Egremont in Petworth House, wurde aber nach dessen Tode in einen unangenehmen Rechtsstreit mit seinen Erben verwickelt. Von 1832 bis 1835 schickte er mehrere Busten in die Akademie. Im J. 1839 1en das Basrelief Der gute Samariter, 1842 ein Engel, aus einer rößern monumentalen Gruppe, 1813—48 eine —— — Busten. Außer dem für das Grabmal Nelsons bestimmten Guten Samariter sind C.s Bauritt n die Arethusa, die Statue Keans als Hamlet und Whittington, der den londoner Glocken zuhört. C. starb 30. Nov. 1868. OCarex, Ried⸗ oder Rietgras, Segge, eine von Micheli aufgestellte Gattung von Gräsern aus der Familie der Cyperaceen. Die ½7 Arten dieser Gattung zeichnen sich durch knotenlose Halme und dreizeilig angeordnete Blätter aus, welche mit ganzen, dünnhäutigen oder netzfaserigen Scheiden den markigen Halm umschließen, und sind meist ein⸗, selten zweihäusig. Männliche und weibliche Blüten pflegen in Ahren gestellt zu sein, und zwar entweder untereinander gemengt in eine einzige Ahre, oder in eine aus kleinen männlichen und weiblichen Ahrchen zusammengesetzte Ahre, oder in besondern Ahren, die dann gewöhnlich traubig angeordnet sind und von denen die obersten männliche, die übrigen weibliche Blüten enthalten. Beiderlei Blüten bestehen bloß aus den Geschlechtsorganen und sizen an der Spindel der Ahre unter einem Deckblatt (Schuppe). Die Frucht ist ein dreikantiges, von dem Schlauche ⸗Mebtde Nüßchen. Die Riedräser wachsen der Mehrzahl nach auf na sem, b em Boden, an Rändern von Teichen, Flüsen und Sümpfen und sind schlechte Futtergräser, weil sie in ihren Halmen und Blättern viel Säure, aber keinen Zucker und wenig Schleim enthalten. Einige Arten wachsen auch in trockenem, losem Sandboden und werden durch Befestigung desselben mittels ihrer umherkriechenden Wurzeln nützli Dahin gehört die Sandsegge, C. arenaria L., die namentlich auf den Stranddünen oft wächst. Ihre queckenartige Wurzel, welche schwa nach Terpentinöl riecht und etwas ätherisches Ol enthält, ist als Rhizoma Caricis offizinell. Sie wird als schweißtreibendes und blutreinigendes Mittel angewendet. Die Riedgräser sind namentlich in der kältern gelundalet und kalten Zone verbreitet. In Deutschland allein gibt es über 100 Arten. mißt, sind unter K aufzusuchen. Carey (Henry), engl. Dichter und Komponist, geb. um 1696, war Musiklehrer in London und schrieb Lieder, die er teilweise selbst komponierte, darunter namentlich «Of all the girls that are so smarto und «Sally in our alleyo. C.s erste Gedichtsammlung (Poemso) erschien 1713; eine zweite 1720. Außerdem schrieb er Farcen, wie The Contrivancesv(1715), Hanging and Marriage (1722); zwei ernste Operntexte: Amelia und Teraminta⸗ (1732), von denen der erste von Lampe und der zweite von Händels Freunde J. C. Smith komponiert wurde. Andere Opern von ihm waren: The Honest Vorkshiremano, The Dragon of Wantleyy, „Naney, or the Parting Loverso u. s. w. Seine Lieder erschienen gesammelt unter dem Titel „The musical Centurys (2 Bde., 1737— 40), seine Dramatic Workso 1743. Das Lied, das seinen Namen unsterblich machen sollte, entstand um 1743 und wurde erst nach seinem Tode gedruckt. Es ist dies der Nationalgesang God save the kingo (s. d.), über dessen Ursprung viel gestritten worden ist. Daß Text und Melodie von C. herrühren, hat Chrysander in der Abhandlung über C. und God zave the kingo in den Jahrbüchern für musikalische Wissenschaftz (1863) bewiesen. Er starb durch Selbstmord zu London 4. Okt. 1743. Nationalökonom, geb. zu Philadelphia 15. Dez. 1793, erhielt von seinem Vater, dem Schriftsteller und Buchhändler Mathew C., eine sehr sorgfältige Erziehung. Er trat 1814 in das Geschäft seines Vaters ein, welches sich unter seiner Leitung zu der bedeutendsten amerik. Amden Buchandel entwickelte, machte sich auch um den Buchhandel durch Einführung der Verlagsauktionen (trade sales) verdient, die sehr wesentlich dazu 1e Deutscht haben, einen besonders im Vergleich mit Deutschland unverhältnismäßig starken Absatz von Büchern in den Vereinigten Staaten zu schaffen, zog sich aber 1835 urück, um sein großes Vermögen zu industriellen nternehmungen zu verwenden. Hierbei sah er sich auf ein eingehenderes Studium der Tariffrage angewiesen und gelangte, theoretisch und praktisch zugleich vorgehend, zu Ansichten, welche dem damals vorzugsweise geltenden volkswirtschaftlichen System schroff gegenüberstanden. Ursprünglich eifriger reihändler, wurde er, von der Betrachtung seiner eimischen Zustände ausgehend, später ebenso eifriger Schutzzöllner. Freihandel gilt ihm dabei allerdings als das zu erstrebende Ziel, der Schutz aber als Mittel, um zu diesem Ziele zu gelangen. Allmählich bildete er ein vollständiges System der Gesellschaftswissenschaft aus, das sich ebensowohl durch die Originalität der Grundbegriffe als durch die Wärme auszeichnet, womit überall die Erreichung des höchstmöglichen Grades von Wohlergehen, Bildung und Gesittung für alle Menschen als einzig erstrebenswertes und zugleich erreichbares * der wirtschaftlichen Thätigkeit festgehalten wird. ein System ist die in systematische n gehüllte Verallgemeinerung der besondern Zustände, welche Nordamerika hat, und der besondern Maßregeln, welche er und seine Partei für sein Vaterland fordern. Seine Methode ist übrigens unwissenschaftlich, die Art seiner Beweisführung inexakt und seine Phantasie, die überall leicht Scheinbeweise findet, äußerst lebhaft. Wie C. selbst viele Ideen Lists weiter entwickelt hat, so steht andererseits der Franzose Bastiat (s. d.) auf den Schultern C.s. Die Ge-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. sellschaftswissenschaft ist nach ihm «die Erkenntnis der Gesetze, nach welchen der Mensch sich bemüht, sich die höchste Entwickelung seiner Individualität und damit zugleich die größtmögliche Vergesellschaftungsfähigkeit zu sichern o. Der Fortschritt der Menschheit besteht in ihrer zunehmenden Herrschaft über die Kräfte der Natur. Mit der Kultur steigert sich die Produktionsfähigkeit der Erde, sodaß eine bervölkerung nie eintreten kann. Bei normalen Gesellschaftsverhältnissen geht das Streben fortwährend auf Erhöhung des Werts der menschlichen Arbeit, auf Steigerung der Löhne und Verminderung in der Rate des Gewinns vom Kapital (obschon der absolute Gesamtbetrag desselben steigt), daher auf Verminderung der Macht des Kapitals über die Arbeit. Der wahre freie Handel (kree commerce im Gegensatz zu free trade) besteht nur, wenn jede Nation die Macht besitzt, auf dem Fuße der Gleichheit mit andern Nationen Arbeitswert gegen Arbeitswert umzutauschen. Schutz der nationalen Lander-u (nicht ausschließlich durch Zölle) ist für änder, in welchen sich noch nicht die zur höchstmöglichen Werterzeugung erforderliche Vermannigfachung der Arbeit hat bilden können, das unentbehrliche Mittel, um zur wahren Handelsfreiheit zu gelangen. Sein Kampf gegen die engl. Nationalökonomie richtet sich namentlich auf zwei Punkte: gegen Malthus und die von ihm begründete Bevölkerungslehre und gegen Ricardo und dessen Grundrentenlehre. Malthus hat den Widerspruch wischen der physischen Vermehrungsfähigkeit der Menschen einerseits und den ökonomischen Unterhaltsmitteln andererseits nachgewiesen; Ricardo hat die mit jener Bevölkerungstheorie eng zusammenhängende Lehre von der Grundrente aufgestellt, wonach der für eine wachsende Bevölkerung entsprechend zunehmende Bedarf an Rohstoffen auf die Dauer mit wachsenden Kosten produziert werden muß, wobei freilich Fortschritte der Kultur, Verbesserung der Produktionsmittel eine mildernde Gegenwirkung ausüben, ohne indes diese Tendenz im ganzen aufuheben, daß die Erde nicht beliebig viel gleich guten oden besitzt, noch auf einem gegebenen StückBoden beliebig viel mit gleichbleibenden Kosten zu produzieren gestattet. Gegen diese im Sinne seiner anatürlichen Harmonies disharmonischen Anschauungen hat sich C. hauptsächlich gewendet und die Widerlegung derselben unternommen. Doch besteht seine Widerlegung nur in der ungebührlichen Verallgemeinerung besonderer Vorgänge einer besondern Epoche seiner Heimat. Mit diesem vermeintlichen Nachweise laubt C. die ganze pessimistische Lehre des Soziaismus und Kommunismus, der aus der abritischeny legt zu haben, insbesondere hat Bastiat in gleicher Richtung Nutzanwendung davon gemacht. Die von diesen Männern behauptete «natürliche Harmonie der Interessen» ist gut gemeint, aber vor jeder ernstern Betrachtung unhaltbar, und die wirkliche Harmonie ist nicht in den natürlichen Trieben gegeben, sondern ist die kulturhistor. Aufgabe, welche die menschliche Gesittigung, die Vernunft erst zu verwirklichen hat. C. starb 12. Okt. 1879 zu Philadelphia. Außer in einer Anzahl Flugschriften hat C. sein System entwickelt in ESSay on the rate of wagesp (Philad. 1835); weiter ausgeführt in Principles of political economyy (3Bde., Philad. 1837 40), The credit system in France, Great Britain and the United Statesv (Philad. 1838), The past, the present, and the futures (Philad. 1848), „The harmony of interestso (Philad. 1850), &The slave trade, domestic and . ½ 1853) vor allem in dem Hauptwerke Principles of social sciencen (3 Bde., Philad. 1858—59; deutsch von Adler, 3 Bde., Münch. 1863—64; in verkürzter Bearbeitung als «Lehrbuch der Volkswirtschaft und Sozialwissenschafte, Münch. 1866) und in A series 0 letters on political economy (Philad. 1860; 2. Folge 1865). C. ist außerdem Verfasser verschiedener polit. Flugschriften, wie über ein internationales Schutzgesetz gegen den Nachdruck und den amerik. Krieg. Sein letztes Werk ist The unity of lawe (Philad. 1873). Üüber C.s nationalökono⸗ — Ansichten vgl. besonders Lange, J. Stuart Mills Ansichten über die soziale seucch und die angebliche Umwälzung der Sozialwissenschaft durch C. (Duisb. 1865), eine Antwort auf Dührings Schrift (C.s Umwälzung der Volkswirtschaftslehre und Sozialwissenschafto (Münch. 1865). 12. Aug. 1761 zu Paulersburg in bwar-oeientshire, erlernte zuerst das Schusterhandwerk, beschäftigte sich aber schon früh mit Sprachstudien. Nachdem er 1793 als Missionar nach Bengalen geschickt worden war, gründete er 1800 eine Buchdruckerei zu Serampore bei Kalkutta und beteiligte sich seitdem an der Herstellung von Bibelübersetzungen in die verschiedenen Idiome Indiens. Daneben betrieb er Sanskritstudien und wurde 1801 Professor am College Fort William in Kalkutta. Im d. 180⁰3 ließ er zu Serampore eine von Colebrooke besorgte und der Sprüche des Bhartrihari erscheinen; 1806 gab er ebendaselbst seine Sanskritgrammatik heraus, 1806—10 Bacher des mit Joshua Marshman die brei ersten Bücher des cRamayanas mit engl. burgh, außerdem Grammatiken und Wörterbücher vieler modernen ind. Dialekte. Er starb zu Serampore 2. Juni 1834. Carga, das span. und portug. Wort für das frz. charge, Last, das ital. carica, Name eines frühern Gewichts und eines Hohlmaßes in Spanien. Die C. war von verschiedener Größe: beim Gewicht meist gegen 124 und bis zu (in Valencia) 153 ½ kg, keitsmaß zwischen 108 ½ und 176 ¾ J. Als Getreidemaß kommt die C. auch auf der Insel Candia vor, wo sie = 4,322 alte engl. Winchester Bushels 1,523 hl.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 945Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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