FeedBona pace (lat.)
GeschichteBrockhaus 1882

Bona pace (lat.), in (gutem) Frieden, unbekümmert. 4.. oder Buonaparte ist der Name der cors. Familie, aus der die franz. Kaiserdynastie hervorging. Daß diese Familie röm. oder gar griech. Ursprungs und mit dem Kaiserhause der Komnenen verwandt sei, ist, wie andere genealog. Aufstellungen über die Familie, storisch unbegründet. Daegen finden sich in Italien schon seit dem 12. Jahr verschiedene Familien, welche diesen Geschlechtsnamen führten und besonders in der florentin. Geschichte auftreten. Ein B. wurde 1122 als Ghibelline aus 999 verbannt. Corrado B. wird 1170 und Jacopo B. 1210 als Ritter des Ordens vom goldenen Sporn angeführt. d. Parma war Nordio B. 1272 Podesta, Pietro B. 1285 in Padua, und Giovanni B. 1333 in Florenz. Ein B. war 1250 Syndikus von Ascoli, und 1440 wurde Cesare B. zum Chef der Marine von Sarzana gewählt. Niccolo B. war um 1454 Gesandter des Papstes an mehrern Höfen und Vikar des Heiligen Stuhls in Ascoli. Einen andern Niccolo B., Edelmann und Professor zu San-Miniato im 16. Jahrh., bezeichnet man als den Verfasser der Komödie La vedovay (Flor. 1568; Par. 1803), und dem Toscaner Giacomo oder Jacopo B. wird das Ragguaglio storico di tutto Loccorso giorno per giorno nel sacco di Roma dell' anno 1527 (angeblich Köln 1750; frz. Par. 1809; auch von Ludwig B. Exkönig von Holland, Flor. 1830, herausge ebenj zugeschrieben. Der Zusammenhang zwischen diesen verschiedenen B. steht zwar keineswegs fest, doch wurde 1771 von den florentinischen B. die Verwandtschaft mit ihren cors. Namensvettern gerichtlich anerkannt. Die florentin. Linie B. erlosch 24. Dez. 1799 mit dem Tode des Kanonikus Filippo B. Auf Corsica selbst kommt bereits 947 ein Messire B. als Zeuge bei einem im Namen des Königs Berengar II. von Italien vollzogenen Akte vor, und es ist daher nicht unwahrscheinlich, daß die Familie ursprünglich von jener Insel nach dem K ausgewandert war, von wo im 16. Jahrh. ein Zweig der genues. Linie nach der alten Heimat zurückgekehrt sein mag. Seit Gabriel B., der sich 1567 zu Aiaccio niederließ und an den Seezügen gegen die Barbaresken teilnahm, galten die B. als ein Patriciergeschlecht jener Stadt. Mitte des 18. Jahrh. waren noch drei männliche Glieder übrig, die zu Ajaccio die Familie B. repräsentierten: der Archidiakon Luciano B., dessen Bruder Napoleone und beider Neffe Carlo, der Sohn des 1 r11740. 5 Giuseppe. Carlo B., geb. 29. März 1746, der Vater des Kaisers Napoleon I., erhielt durch seine Oheime eine Refer e Erziehung, studierte dann zu Ruat die echte, verheiratete sich bald nach seiner Rückkehr, im März 1767, ohne Einwilligung seiner Verwandten, mit Lätitia Ramolino und begab sich 1768 mit seiner Familie, darunter sein Oheim Napoleone, nach Corte, um hier den General Paoli im Kampfe gegen die Franzosen zu unterstützen. Nach der Niederlage der Corsen zu Ponte-Nuovo 1769 begleitete B. den Clemente Paoli, Bruder des Generals, nach Niolo, von da nach Vico, um eine neue Erhebung zu beginnen. Als aber die Paoli Corsica verließen, erklärte sich B. für Frankreich. Nachdem das neue Gouvernement eingerichtet war, verweigerten die Corsen die Steuern, weil sie sämtlich Edelleute zu sein behaupteten. Ludwig XV. ließ 400 cors. Familien als adelige auswählen (1771), worunter sich die Familie B. befand. Durch den Einfluß des franz. Gouverneurs Marboeuf wurde Carlo B. 1773 zum königl. Rat und Assessor der Stadt und Provinz Ajaccio ernannt. Im J. 1777 war er Mitglied der cors. Adelsdeputation, die an den franz. Hof ging, und 1781 trat er in den Rat der zwölf Edlen von Corsica. In dieser Eigenschaft hielt er sich mehrere Jahre in Paris auf, wo er unter andern Gunstbeweisen eine Freistelle für seinen ältesten Sohn Giuseppe (Joseph) im Seminar zu Autun, eine zweite für den jungen Napoleone in der Militärs ule zu Brienne, eine dritte für die Tochter Maria Anna im Erziehungsinstitut — St.⸗Cyr erhielt. B. starb in Montpellier am Magenkrebs 24. Febr. 1785. Aus seiner Ehe mit Lätitia hinterließ er acht Kinder: Giuseppe oder Joseph Bonaparte (s. d.), König beider Sicilien, dann von Spanien; Napoleon I. (s. d.), Kaiser der Canide: Lucian Bonaparte (s. d.), Fürst von nino; Maria Anna, später Elise genannt, Für51 von Lucca und Piombino, die Gemahlin des rsten Bacciocchi (s. d.); Luigi oder Ludwig Bonaarte (s. d.), König von Holland; Carlotta, später arie Pauline genannt, Fürstin Borghese (s. d.); Annunciata, später Karoline genannt, die Gemahlin des Königs Murat (s. d.) von Neapel; Girolamo (in Frankreich Jeröme) oder Hieronymus Bonaparte (s. d.), König von Westfalen. Diese Geschwister mit ihren Nachkommen pflegt man in Rücksicht auf Napoleon I. im allgemeinen als Naoleoniden zu bezeichnen. Successionsrechte auf den Ran, Thron erhielten durch die Volksabstimmung und den Senatsbeschluß vom 6. Nov. 1804, außer Napoleon, nur dessen Brüder Joseph und Ludwig mit ihren Nachkommen, während Lucian und Hieronymus ausgeschlossen wurden, weil diese sich .—45 den Willen des Kaisers verheiratet hatten. ei der Proklamation der Zusatzakte vom 22. April 1815 hatte Napoleon I. die Absicht, seinem Bruder Lucian das Successionsrecht in aller Form zu verleihen; doch wurde dieser Akt nicht vollzogen. Die Nachkommen Ludwig B.s behielten demnach, da der älteste Bruder Navoleons I., Joseph, keine Söhne hatte, ihr Vorrecht, und auch durch das Dekret vom 24. Dez. 1852 wurde die eventuelle Thronfolge nur der Linie des Hieronymus (s. Napoleoniden) nicht der des Lucian zugesprochen. Der Witwe Carlo B.s, Maria Lätitia Ramolino, war es beschieden, den r Aunderiz Glanz und auch den jähen Fall ihrer Kinder zu erleben. Dieselbe stammte aus einem Patriciergeschlecht von Ajaccio, war 24. Aug. 1750 geboren und zeichnete sich aus durch seltene Schönheit wie natürlichen Verstand und Charakterfestigkeit. Während des cors. Unabhängigkeitskampfes teilte sie mit ihrem Gemahl alle Beschwerden. Nach des letztern Tod fand sie an dem Gouverneur Marboeu einen hilfreichen Beschützer. Als 1793 Corsica dur die Paoli unter brit. Wunch Marf geriet, flüchtete sie mit ihren Kindern nach Marseille, wo sie in großer Dürftigkeit von der Pension lebte, welche der Konvent den cors. Flüchtlingen gewährte. Erst nachdem Napoleon seine Nuch den begonnen, kam sie in bessere Verhältnisse. Nach dem 18. Brumaire (1799) I sie nach Paris, und 1804, mit Napoleon's hronbesteigung, erhielt sie den Titel Madame Meres und einen glänzenden Hofstaat, der ihr jedoch nie behagte. Bescheiden, ihres frühern Mißgeschicks eingedenk, wandte sie sich mit Eifer den Werken der Milde zu. Napoleon ernannte sie zur Beschützerin aller Wohlthätigkeitsanstalten des Reichs, und sie versah dieses Amt mit Aufopferung. ach dem Sturze Napoleons lebte sie mit ihrem Stiefbruder, dem Kardinal Fesch (s. d.), im Winter zu Rom, im Sommer zu Albano. Sie ertrug das Schicksal ihrer Familie mit Würde. Im J. 1830 brach die hochbetagte Frau durch Fall einen Schenkel, sodaß sie seitdem das Zimmer nicht mehr verlaffen konnte. Sie starb 2. Febr. 1836 mit Hinterlassung eines bedeutenden Vermögens, das sie in bessern Tagen, oft zum Verdruß der Ihrigen, gespart. Vgl. La storia genealogica della famiglia B.v (Flor. 1847); (La famiglia B. dal 1183 al 18345 (Neap. 1840): Stefani und Baretta, Le antichith dei B.5 (Vened. 1857); Rapetti, Quelques mots sur les origines des B. (Par. 1858); Stefani, «Origine des B.v (Turin 1859); Leynardier, Histoire de la famille B. (Par. 1866); Kleinschmidt, «Die Eltern und Geschwister Napoleons I.» (Berl. 1878). +*

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 302Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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