Bonaparte Huse Graf von Survilliers), erst König von Neapel, dann von Spanien, der älteste Bruder Kaiser Napoleons I., geb. 7. Jan. 1768 zu Corte auf Corsica, erhielt seine Bildung im Seminar zu Autun. Er wollte in die Armee treten, ging aber 1785, als sein Vater starb, nach Corsica zurück, wo er, um seine Familie zu unterstützen, die Civilcarriere einschlug. Nachdem er in Pisa studiert, ließ er sich 1788 in Ajaccio als Advokat nieder, schloß sich, wie seine Brüder, an Paoli an, mußte aber 1793 nach dem Bruch mit diesem Corsica verlassen. Er begab sich nach Toulon, dann nach Paris, kehrte aber bald nach Toulon zurück, um als Bataillonschef an der Belagerung der empörten Stadt teilzunehmen. Zum Kriegskommissar in Marseille ernannt, ½ er hier eine reiche Kaufmannstochter, Julie Clary, und lebte einige Zeit an der franz. und ital. Küste c mit dem Gedanken an eine cors. Expedition beschäftigt. Im — 1796 war er Napoleon im ital. Feldzuge zur eite, der ihm hier den Auftrag verschaffte, die Verwaltung Corsicas nach dessen Räumung burch die Engländer 5 reorganisieren. Im März 1797 wurde er zum Gesandten am Hofe des Herzogs von Parma ernannt. Anfang Mai desselben Lure ging er in derselben Eigenschaft nach Rom, das er I0 des Generals Duphot Ermordung Ende Dez. wieder verließ. Von einem cors. Departement in den Rat der Fünfhundert gewählt, Tanch un er hier eine sehr reservierte Haltung, trat auch aus demselben wieder aus, kurz bevor sein Bruder (Okt. 1799) aus Agypten zurückkehrte. Nach dem Staatsstreich vom 18. Brumaire, an dem er thätigen Anteil nahm, ernannte ihn sein Bruder zum Staatsrat und Tribun. Er ward 1800 Bevollmächtigter für den Abschluß eines Freundschafts-und Handelsvertrags mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika, sodann bevollmächtigter Minister beim Friedenskongreß zu Luneville. Als 9818 unterzeichnete er daselbst den Frieden 9. Febr. 1801, und 1802 den mit England zu Amiens. Zugleich leitete er nebst Cretet und Bernier die Unterhandlungen mit dem Kardinal Consalvi, dem Günchdf Spina und dem Pater Caselli über das Konkordat. Als Napoleon Kaiser geworden, ward Joseph zum dyr haber der Senatorie Brüssel, zum Großof zier der Ehrenlegion, endlich Lei franz. Prinzen und Großwahlherrn von Aaife eich erhoben. ahrend der Kaiser 1805 in Deutschland kämpfte war Mirn sein Stellvertreter in Frankreich. Na drei Monaten erhielt er den Oberbefehl über die Armee von Neapel, dessen Beherrscher er selbst wurde, nachdem die Bourbonische Dynastie daselbst durch Proklamation vom 27. Dez. 1805 der Regierung für unwürdig erklärt war und die Franzosen das Land erobert hatten. Joseph hielt 15. Febr. 1806 seinen Einzug in Neapel, und 30. März desselben Jahres erschien das Werf Dekret, das ihn beit König ernannte und die Verfassung des Reichs estimmte. In seiner Verwaltung entsprach er mit seinen auf Milde und Versöhnung gerichteten Plänen nicht immer den Wünschen seines Bruders, der ihm die Befriedigung seiner Armee und die Unterdrückung der Rebellen als oberste Regierungsgrundhie empfahl; und in der That schien es, als sollten ie unaufhörlichen Verschwörungen und Aufstände, mit denen die in mittelalterlichen Zuständen befanene Bevölkerung die an sich trefflichen Reformen Josep 8 in der Verwaltung, der Justiz, im Agrar- und Steuersystem, in Kirche und Schule beantworteten, Napoleons Auffassung rechtfertigen. Noch war alles im Schwanken, als Joseph durch Napoleons Machtwort, 10. Mai 1808, auf den Thron Spaniens versetzt wurde. Vor seiner Abreise von Neapel, 23. Mai, machte er, noch ehe Joachim Murat an seine Stelle trat, die 70 entworfene Kon-Saa ma des Reichs bekannt. Am 7. Juni, einen ag nachdem Napoleon das Dekret seiner Ernennung zum König der span. Reiche erlassen, kam Joseph nach Bayonne, am 20. Juli hielt er, während die Revolution in allen Provinzen aufflammte, seinen Einzug in die Hauptstadt, am 31. d. M. mußte er schon wieder aus derselben fort und bis hinter den Ebro Madricrede Napoleon, der dann selbst im uder di adrid wiedergewann, versagte doch dem Bruder die m Sen Ers nachdem jener Spanien verlassen, kam Joseph wieder hin, ohne jedoch auch etzt Selbständigkeit zu gewinnen. Die Generale, ie von Napoleon direkt ihre Befehle erhielten, waren die Herren, er selbst ein Schattenkönig, von jenen mit Geringschätzung, von Napoleon selbst mit Zorn⸗ und Drohbriefen überhäuft, zuletzt nicht einmal der Antwort gewürdigt. Unterdessen zeigte sich die Revolution, allen Niederlagen zum Trotz, unbesieglich, und die Engländer unter Wellington gewannen von Portugal aus immer mehr Boden. Nach der Niederlage bei Vittoria, 21. Juni 1813 verließ Joseph Spanien auf immer und zog sich auf sein Landgut Morfontaine zurück. Als der Kaiser im Dez. 1813 im Traktat von Valengay Ferdinand VII. als König von Spanien anerkannte, weigerte sich Joseph, seine aneden, — on unterzeichnen, mußte jedoch bald nachgeben. wohl Napoleon seinen Mangel an Un denn und Entschlossenheit kannte, ernannte er ihn dennoch vor seiner Abreise von Paris im Jan. 1814 zum Generallieutenant des Reichs und Oberkommandanten der Nationalarden. Bei Annäherung der Verbündeten erließ Fos eph zwar 29. März eine energis 4 Marshale den ermächtigte aber am 30. März die Marschälle, den flüchtete nach Blois, wohin ihm die Kaiserin Marie Luise am 29. März vorangegangen war. Mit einem ihm zugesicherten Einkommen von 500 000 Frs. 8 sich Foseph nach Napoleons Absetzung in das Waadtland zurück, wo er das Landgut Prangin — erschien aber wieder 1815 bei des Kaisers Rückkehr von Elba in Paris als franz. bon Wate Präsident des Conseil. Nach der Schlacht von Waterloo folgte er seinem Bruder nach 2— — fort, von wo aus beide auf verschiedenen Schiffen sich nach Amerika zu begeben gedachten. Auf der Insel Aix, wo er Napoleon zum letzten mal sa bot er r hut das Schiff an, welches er für sich selb gemietet hatte. Erst als er durch den General Bertrand den Entschluß seines Bruders, sich den Engländern zu übergeben, erfahren hatte, verließ er Staaten und begab sich nach den Vereinigten taaten. Mit vielen Begleitern traf er im September zu Neuyork ein und kaufte sich bald darauf bei Trenton im Staate Neujersey an, dessen Legislatur, wie 1825 die des Staats Neuyork, ihn von der Verpflichtung, das Bürgerrecht zu erwerben, dispensierte. Im Besitz eines bedeutenden Vermögens, lebte er als Graf von Survilliers auf dem früher von Moreau bewohnten Landgute Point-Breeze am Delaware. In einer an die franz. Deputiertenkammer gerichteten Adresse vom 18. Sept. 1830 protestierte er von Neuyork aus gegen die Thronbesteigung eines Prinzen aus dem Hause Bourbon zu Gunsten seines Neffen, des Herzogs von Reichstadt, dessen Rechte nach Napoleons I. Abdankung die Repräsentantenkammer sanktioniert habe. Er reiste 1832 nach London und hielt sich zur Hand a Besorgnis Ludwig Philipps fortan in Engand auf. Im J. 1837 noch einmal nach Amerika bis er 1811 erschien er 1839 wieder in England, is er 1841 die Erlaubnis erhielt, nach Italien uüberzusiedeln, wo seine Gemahlin feit 1815 lebte. Die Wiedervereinigung der Gatten war von kurzer Dauer, denn Joseph starb zu Florenz 28. Juli 1844. Es wird 2 ein Roman «Moinas (Par. 1799 u. 1814) zugeschrieben. Seine Mémoires et correspondancer wurden von Du Casse herausgegeben (10 Bde., Par. 1853—55; 2. Aufl. und enthalten manches wertvolle histor. Material, obschon das von Joseph selbst Herrührende meist jenen (Charakter der Mittelmäßigkeit an sich trägt, der seine ganze Persönlichkeit kennzeichnete. Vgl. Abbott, AHistory of Joseph B.⁵ (Neuyork 1869). — Seine Gemahlin, Julie Marie, geb. 26. Dez. 1777 Ledenl 1. Aug. 1794), war die Tochter des reichen eidenfabrikanten Clary zu Marseille und die Schwägerin Bernadottes, des spätern Königs von Schweden. Eine einfache, anspruchslose, aber beabte Frau, wußte sie sich doch in ihren spätern erhältnissen mit Würde zu benehmen. Sie ging nie nach Spanien, 19 hielt sie 0 als Königin nur wenige Wochen zu Neapel auf. Ihrer Gesundheit wegen vermochte sie nicht, ihrem Gemahl 1815 nach Amerika zu folgen. Sie wohnte einige Zeit zu Frankfurt, durfte sich dann zu Brüssel niederlassen, ing aber 1823 nach Florenz, wo sie 7. April 1845 tarb. Aus ihrer Ehe mit Joseph entsprangen zwei Töchter: 1) Zenaide Charlotte Julie, geb. 8. Juli 1801, die an Lucian B.s Sohn, den Fürsten von Canino (s. d.), verheiratet, die Mutter einer ahlreichen 24. wurde und 8. Aug. 1854 zu eapel starb;: 2) Charlotte Napoléone, geb. 31. Okt. 1802, welche sich 10. Nov. 1825 mit Napoleon Ludwig, ehemaligem Großherzog von Berg (gest. 17. März 1831), dem zweiten Sohne des Exkönigs Ludwig B. von Holland und älterm Bruder Napoleons III., vermählte und 3. März 1839 zu Sarzana starb.