Bonaparte (Hieronymus oder Jeröme) Farst von Montfort, König von Westfalen, Napoleons jüngster Bruder, geb. 15. Nov. 1784 zu Ajaccio ward im Colleége zu Juilly erzogen, das er nach dem 18. Brumaire verließ, um 10 4— kurzem Dienst in der Garde des Konsuls dem Seewesen zu widmen. Als Schiffslieutenant diente er 1801 und 1802 bei der Expedition nach Haiti, von wo er mit Depeschen von Leclerc zurückgesendet wurde. Mit einer Fregatte segelte er dann nach Martinique, kreuzte zwischen St.⸗Pierre und Tabago, begab sich, von den Engländern verfolgt, nach Nordamerika, heiratete dort die 7* aufmannstochter Elisabeth Patterson, und kehrte erst Unach einigen Jahren, im Mai 1805, nach Frankreich zurück. Napoleon machte ihn jetzt zum Geschwaderchef und beauftragte 2 mit der Zurückforderung der gefangenen Genueser vom Dei von Algier. Er befreite 250 derselben, und führte darauf unter dem Oberbefehl Willaumez' ein Geschwader nach Martinique, von wo er, als ein Sturm die Schiffe zertreut hatte, mit seinen Fregatten sich durch die engl. lotte durchschleichend, Ende Aug. 1806 wieder in rankreich eintraf. Zum franz. Prinzen, doch ohne uccessionsrecht, ernannt, befehligte er mit Vandamme im Kriege gegen Preußen das 10. Armee⸗⸗ korps in Schlesien, zog 6. Jan. 1807 in Breslau ein und belagerte und eroberte mehrere Sieroun Durch den Frieden zu Tilsit erhielt Hieronymus 18. Aug. 1807 das neugeschaffene Königreich Westfalen. Am 1. Jan. 1808 ward ihm mit großem Pomp in Kassel gehuldigt, wo er nun, mit der Prinzessin Katharina von Württemberg vermählt, in üphiger Pracht lebte, um die Regierung sich wenig ummerte und nicht einmal Deutsch lernte, aueren er durch Franzosen den neuen Staat organisieren ließ. Im Kriege Napoleons an Osterreich 1809 nahm er an dem Einmarsch in Sachsen teil. Während des Kriegs fiel Schill V. d.) in die westfäl. Deartements der Elbe und Oker ein, und im Depart. Fulda und an der Werra uMuhem Dörnberg (s. d.) einen Aufstand, der nur mit Mühe unterdrückt wurde. Bald nachher brach wieder der — von Braunschweig-Ols aus Böhmen durch Sachsen in West1 ein und machte sich Bahn bis zu den Küsten er Nordsee. Durch Kriegsaufwand, Verschwendung, Mißgriffe der Verwaltung, Störung des Verkehrs und mehrfache Plünderung der amte, Auch waren die Finanzen völlig zerrüttet. Auch die auf den Ständetag von 1809 deral Erwartungen blieben unerfüllt, weil überall Napoleon als Cher vom Kriege von 1812 kam Jeröme als Chef vom 4. Armeekorps nach Polen, lebte mit roßem Aufwande zu Warschau, ver chuldete durch b Fehler Louln sich Bagration 6. Aug. 1812 mit arclay de Tolly vereinigte, und ward daher von Napoleon nach Kassel zurückgeschickt. Seinem Königreiche machte die Schlacht bei Leipzig ein Ende. Schon vorher, 30. Sept. 1813, war er durch den russ. General Tschernyschew aus Kassel vertrieben worden, wohin er zwar 17. Okt. zurückkehrte, allein ogleich na ris zu flüchten. Na m Pariser ieden von 1814 verließ er Frankreich, heet sich einige Zeit in der Schweiz, dann zu Gratz und Anfang 1815 in Triest auf. Bei Napoleons Rückkehr von Elba begab er sich erst in Murats Hauptquartier, hierauf gegen Ende Mai in Gesellschaft lerc Mutter und des Kardinals Fesch nach Frankreich, wo ihn Napoleon noch zum Pair ernannte. In den Schlachten von Ligny und Waterloo focht er an Napoleons Seite, zeigte viel persönlichen Mut und wurde am Arme verwundet. Nach Napoleons Abdankung verließ Hieronymus Paris 27. Juni 1815 und ging in die Schweiz, lebte dann als Fürst von Montfort mit einer russ. Pension auf dem Schlosse zu Ellwangen in Württemberg, nahm 1816 seinen Aufenthalt in den österr. Staaten, und zwar seit Dez. 1819 ewöhnlich in Triest, dann in Schönau bei Wien, eit 1827 in der Mark Ancona, im Winter in Rom, später in Lausanne und endlich meist in Florenz. Im J. 1847 reichte er bei der Ruche Pairskammer ein m 5 um Erlaubnis zur Rückkehr nach Frankreich ein, das verworfen wurde. Die Deputiertenkammer, vor welche die Sache ebenfalls gelangte, bestimmte indessen die Regierung, dem Petenten sowie dessen Sohne Jéröme den vorläufigen Aufenthalt in Frankreich zu gestatten. Hieronymus befand sich daher beim Ausbruch der Februarrevolution in Paris und wurde 23. Dez. 1848 zum Gouverneur der Invaliden und 1850 zum Marschall ernannt. Nach der Thronbesteigung seines Neffen 1852 zum eventuellen Kronerben mit dem Titel eines franz. Prinzen von Geblüt und dem Prädikat Kaiserliche Hoheit erhoben, verbrachte er den Rest seiner Tage im Genusse seines neuen Glücks und starb zu Villelaren bei Paris 24. Juni 1860. Aus seiner Hinterassenschaft erschienen Mémoires et correspondance du roi Jeròme et de la reine Catherine d. bis 5. Bd., Par. 1861—60. Die Ehe, welche Hieronymus 24. Dez. 1803 mit Elisabeth atterson, der Tochter eines Kaufmanns zu Baltimore, geschlossen, wurde von Napoleon ũf e erklärt, und Hieronymus trennte sich auf Befehl des Bruders im pril 1805 von seiner Gattin. Letztere begab sich zunächst nach England und kehrte dann nach Amerika urück. Dort starb sie erst 4. April 1879 zu Phidelphia. Vgl. Didier, ELite and letters of Madame B.5 (Lond. 1879). Der Sohn aus dieser Ehe, Jeröme Bonaparte-Patterson, geb. zu Camberwell in England 7. Juli 1805, studierte auf der Harvard-Universität und bestimmte sich zum Rechtsgelehrten, vermählte sich aber 1829 in Baltimore mit der 16 beit iß Susan Mary Williams und privatisierte seitdem teils auf seinen Gütern, teils auf Reisen in Europa. Unter der Regierung Ludwig Philipps, sowie auch zuvor schon unter der Restauration besuchte er Frankreich, wo er durch seine Ahnlichkeit mit Napoleon großes Aufsehen erregte. Er war einer der angesehensten Bürger des Staates ate Wandie machte mit großem Erfolge ausgedehnte Waldungen urbar und starb zu Baltimore 1. Juni 1870. Von seinen beiden Söhnen, Jeröme Napoléon, geb. 1832, und Charles, geb. 1852, wurde der ältere in der Militärakademie zu Westpoint erzogen und diente als franz. 5½f1im Krimfeldzuge. Den ihm von Napoleon III. angebotenen Herzogstitel schlug er aus. Nachdem Hieronymus den —ꝰ5 Thron bestiegen hatte, verheiratete „* Napoleon 12. Aug. 1807 mit Friederike Katharine Sophie Dorothea, der Tochter des Königs Friedrich I. von Württemberg, geb. 21. Febr. 1783. Als ihr Vater nach der Schlacht von Waterloo diese Ehe aufheben wollte, schrieb die Prinzessin einen denkwürdigen Brief, in welchem sie erklärte, daß sie ihren Gemahl nie verlassen werde. Sie Drete zu Lausanne 28. Nov. 1835 mit Hinterlassung dreier Kinder. Der älteste Sohn, Hieronymus Napoleon Karl B., Prinz von anb. 954 geb. 24. Aug. 1814 zu Gratz, war württemb. Oberst und starb 12. Mai 1847. Die Tochter, Mathilde Lätitia Wilhelmine B., geb. zu Triest 27. Mai 1820, vermählte sich 1840 mit Anatol Demidow, Fürsten von San-Donato, von dem sie sich jedoch 1845 wieder trennte. Sie lebte in Paris und wußte hier in der hohen Gesellschaft eine bedeutende Stellung zu behaupten. Seitdem ihr Vetter Ludwig Napoleon 1848 zum Präsidenten der Republik erwählt worden, machte sie an dessen Hofe die Honneurs bis zur Vermählung desselben. Bei Errichtung des Kaiserthrons wurde sie unter die Mitglieder der kaiserl. Familie aufgenommen und 7 den Titel Hoheit. Der jüngste Sohn, Napoleon Joseph Karl Paul B., geb. zu Triest 9. Sept. 1822, ist bekannter unter dem Namen Prinz Napoleon (s. d.). leon III.