FeedBonifacins II.
GeschichteBrockhaus 1882

Bonifacins II., Markgraf von Montferrat, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des vierten Kreuzzugs. Er entstammte einem fürstlichen Geschlecht Italiens, welches im 12. Jahrh. in der Geschichte der Hohenstaufen und des byzant. wie des fränk.⸗syr. Orients eine große Rolle gespielt hat. Das Haus der Markgrafen von Mont-Famt in Oberitalien gehörte zu den mächtigsten vamilien, die her Abkunft ableiteten von Aledram, einem Zeitgenossen des Kaisers Otto I., einem der einflußreichsten Anhänger der Liudolfinger in Italien. Die Durch Miar den Orient erhielten die Montferrat durch Markgraf Wilhelm VI. oden Alteno (1136—88), der, ein Oheim des Königs Ludwig VII. von Frankreich, um 1130 die Prinzessin Ronrad die Stiefschwester des 1 Königs Konrad III., die Tochter des Herzogs eopold des Frommen von sterreich, heiratete. Wilhelm beleitete 1147 den König Konrad auf dem zweiten des Kaisers An Umt J. in den Kämpfen in der Lombardei. An Umsicht, Tapferkeit und Energie glichen ihm seine Söhne Wilhelm Lon aspada (starb 1179 in Palastinah, onrad, B. und Rainer. — Die Beziehun en zu dem byzant. Hofe hatte zunächst Konrad und Rainer gepflegt. Der 17jährige Rainer war seit 1178 mit des Kaisers Manuel Komnenus Tochter Maria als „Cäsaro vermählt gewesen, hatte aber 1183 durch Andronikus Komnenus seinen Untergang gefunden. Nach dessen Sturze hatte Kaiser Isaak II. Angelus mit den Montferrats neue Verbindungen angeknü oft, und Konrad war auf einem Zuge nach W 1187q nach Konstantinopel gezogen, hatte des Kaisers Schwester heodora geheiratet und als „Cäsar der Rhomäer mit stürmischer Tapferkeit einen Aufstand nieder-Ralaüna Als der junge Held nachher 1192 in halästina den Tod gefunden hatte, wurde sein Bruder B. Markgraf von Montferrat. B. hatte schon in Italien in polit.⸗militärischen Dingen dem ältern Bruder andauernd zur Seite gestanden. Als 11 Vater Wilhelm 1183 sich für immer nach Palästina begab, wo er 1188 starb, überließ er die ital. Herrschaft beiden Söhnen! nur daß Konrad als der eigentliche Repräsentant der markgräfl. Würde galt. Nunmehr der alleinige Martgraf, war B. bekannt als ritterlicher Held, verständiger Regent und gewandter Diplomat. Sein Hof war in Italien, in Deutschland und in rankreich berühmt; auch die Dichter priesen seine reigebigkeit und Leutseligkeit. Als nun die franz. itterschaft seit 1200 den vierten Kreuzzug vorbereitete, gewann ihn der Marschall der hamagne, Geoffroy von Villehardouin, 1201 zur eilnahme. Der tüchtigste Feldherr und Staatsmann im Heere neben dem großen Venetianer Dandolo, ging B. gern auf die politischen Pläne der Venetianer ein, welche den Zug von Palästina ab zuerst 1202 gegen Zara lenkten, dann aber ihm die Richtung auf das morsche Reich von Konstantinopel gaben, wo B. persönlich für sich Großes 95 gewinnen hoffte. Als es gelungen war, für en jungen Prätendenten Alexius IV. Angelus 1203 die Herrschaft über Konstantinopel zu gewinnen, half ihm B. noch, auch einen Teil Thraziens zu erobern. Als aber eine Revolution der Griechen den jungen Kaiser stürzte und nun Venetianer und Kreuzfahrer am 12. und 13. April 1204 die alte Kaiserstadt erstürmten und die Griechenherrchaft zertrümmerten: da wandte die Politik der enetianer, denen B. zu thatkräftig, hochsinnig und zu sehr Ghibelline war, die Wahl der Armee, die den neuen «Kaiser von Romanien» ernannten, statt auf B. vielmehr auf den Grafen Balduin IX. von Flandern. B., dem anfangs als Entschädigung alle in Asien zu gewinnenden Croberungen vorbe-Wente waren, erhielt statt dessen den macedon. esten mit dem griech. Süden als ein Königreich Thessalonich zugeteilt. Als der neue Kaiser Balduin ihn in seinen Rechten schmälern wollte, vermittelte Dandolo um so entschiedener zu des Markgrafen Gunsten, als dieser (13. Aug. 1204) die ihm durch Alexius IV. allch an rned Rechte auf die Juc Kreta unbedenklich an Venedig überließ. Seit dem Sept. 1204 König von Thessalonich, bei den Griechen persönlich um so mehr beliebt, weil er einerseits sie mit Toleranz behandelte, andererseits aber die noch immer jugendlich schöne Margarete von Ungarn, des Kaisers Ifaak II. Angelus Witwe (zweite abi geheiratet hatte, ging er nun weiter nach Thessalien und Griechenland vor, um überall die Rechte des noch sich zeigenden Widerstandes zu beseitigen und eine Reihe kleinerer fränk. Vasallenstaaten ins Leben zu rufen. Aber als er bereits Theben, Euböa und Athen gewonnen, und (im Mai 1205) die Angriffe auf Korinth und Nauplia eröffnet hatte, da nötigte ihn die bulgar.⸗ walach. Überflutung des thrazisch-macedon. Nordens vorzeitig nach Thessalonich zurückzukehren, wo IMarnr und aufständische 318 8be die Königin Margarete in der Akropolis belagerten. Schnell trieb B. die Feinde zurück; aber in dem nun sich entspinnenden bulgar. Kriege wurde B. im Sommer 1207 in einem kleinen Gefecht bei Mosynopolis durch einen Pfeilschuß getötet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 316Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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