Bonuin (Gust. von), preuß. Staatsmann, geb. 23. Nov. 1797 zu Haus Steeren in Westfalen, widmete sich nach Vollendung seiner Studien dem Verwaltungsfache, wurde 1845 Oberpräsident der Provinz Sachsen, war Finanzminister im Ministerium Pfuel sen fr und Okt. 1848), übernahm hierauf wieder sein früheres Amt, wo er die Politik des Ministeriums Brandenburg unterstützte, wie er es auch später als Mitglied der Ersten Kammer that. Im J. 1851 zum Oberpräsidenten der Provinz Posen ernannt, richtete er sein Streben vornehmlich auf die Aussö —14 der polnischen und deutschen Nationalität. Als jedoch durch die Ministerialreskripte vom 18. und 27. Mai 1851 die aufgehobenen Kreis⸗ und Provinzialstände wiederhergestellt wurden, lehnte es B. ab, bei der mndiwar9. d jener Maßregeln behilflich zu sein, und ward daher zur Disposition gestellt. Unter dem Ministerium Schwerin 1859 in sein Amt wiedereingesetzt, wurde er, da er sich nicht zu den Maßregeln verstehen wollte, welche Bismarck während des Aufstandes im russ. Polen in der Provinz Posen für nötig hielt, abermals entlassen und zog sich auf sein Gut Brettin bei Genthin zurück. V seiner parlamentarischen Thätigkeit, in der er den Wahlkreis Jerichow vertrat, gehörte er sowohl im preuß. Abgeordnetenhause wie im Reichstage der gemäßigt liberalen Partei an. Er starb 2. Dez. 1878 in Berlin. Bonin (Adolf von), preuß. General der — anterie, geb. 11. Nov. 1803, trat 1821 in die rmee, besuchte die allgemeine Kriegsschule zu Berlin und wurde 1838, noch als Premierlieutenant, zum Flügeladjutanten des Königs ernannt. Nachdem er 1854 zum Generalmajor, 1858 zum Generallieutenant und Generaladjutanten des Königs aufgestiegen, wurde er 1863 zum kommandierenden General des 1. Armeekorps (Königsberg) und 1864 zum General der Infanterie ernannt. m J. 1866 wurde sein Armeekorps, welches der rmee des preuß. Kronprinzen zugeteilt war, 27. Juni bei Trautenau von Nν½ von Gablenz geschlagen und zum Rückzuge in das chles. Gebirge genötigt. Nach dem Frieden wurde er kommandierender General der preuß. Truppen in Sachsen und Gouverneur von Dresden, in welcher Stellung er (bis 28. Mai 1867) viel Takt und Umsicht entwickelte. Am 17. Aug. 1870 wurde B. zum Generalgouverneur von Lothringen ernannt und nahm seinen Sitz zuerst in Nancy, später in der Festung Metz. Nach Aufhebung des deutschen eneralgouvernements in Lothringen (im März 1871) trat er in sein früheres Verhältnis als dienstthuender Generaladjutant des Königs und Präses der General-Ordenskommission zurück und starb 16. April 1872 in Berlin. Bouineger, s. unter Marons. Bonin-Infeln, von den Japanern Bonin-Sima, Ogasawara-Sima oder Munin-Sima, d. h. menschenleere deln ut genannt, ein kleiner Archipel von 89 Inseln und Klippen im westl. Teile des Stillen Oceans, zwischen Japan und den Marianen. Diese Inseln erstrecken sich unter etwa 159˙ 55 östl. L. von 26 30“ bis 27² 45˙ nördl. Br. und nehmen nur 83,7 akm ein. Sie 5420 in drei Gruppen: 1) die rechey Iuseln im der Mitte, darunter Stapleton, Buckland und Peel, die größte von allen (doch nur 10 km lang), mit dem Hafen Port-Lloyd; 3) die von den Engländern Bailey⸗, von den Amerikanern Coffin-Inseln genannten im S. Die Spanier und Holländer kannten diese auf alten Karten als Arzobispo⸗(Erzbischofs⸗) Inseln Donbenn Eilande, nahmen sie aber nicht in Besitz. Von den +½+. 1593 entdeckt und zu Verbrecherkolonien benutzt, aber um 1725 wieder verlassen, wurden sie 1823von Coffin, Kapitän eines Walfischfängers von Nantucket, besucht, 1827 vom Kapitän Beechey für England und 1828 von Lütke für Rußland in Besitz genommen, ohne bchch von einer dieser Mächte kolonisiert ober faktisch besetzt * werden. Erst 1830 erhielt die Insel Peel von en Sandwichinseln aus eine kleine Kolonie. Seit 1876 werden die —1 von der japan. Regierung verwaltet. Die Zahl der Einwohner betrug 1877 nur 75. Der Hafen von Port-Lloyd 0 leicht zuänglich, hat bei 33—40 m Tiefe einen sichern Anergrund und wird . ½½ von Schiffen besucht, die Wasser und frische Lebensmittel einnehmen wollen. Sämtliche Inseln sind hohe, durch vulkanische Kräfte über das ringsum tiefe Meer gehobene Felseilande. Die Kolonisten bauen süße Kartoffeln, indian. Korn, Kürbisse, Zwiebeln, Wassermelonen, Bananen, Ananas, Tabak und Zuckerrohr. Der Viehstand beschränkt sich auf Schweine, Ziegen und Schafe. Bonis avibus (lat., antit guten Vögeln»), reptetbae mit Bonis auspiciis (beides oft abreviert b. a.), unter guter Vorbedeutung, mit Glück, hergeleitet von den Auspicien (s. d.; vgl. Augurn). Bonis cedieren (lat.), das (überschuldete) Vermögen (den Gläubigern) abtreten. Bonität (lat.), Güte, gute Beschaffenheit. Bonitho oder Bonizo, Bischof von Sutri, zeigte sich in den Investiturstreitigkeiten als ein unbedingter Anhänger Gregors VII. und Feind Kaiser senen 5IV., von dessen Freunden er 1082 aus einem Bistume verjagt wurde. Auch in Piacenza, wo er 1089 zum Bischofe erwählt wurde, konnte er sich nicht halten; er starb 14. Juli 1091 zu Cremona. Unter seinen Werken ist das wichtigste der die Großgräfin Mathilde von Tuscien beimmte Liber ad amicumo (herausgeg. von Jaffe, erl. 1865), in welchem er in sehr einseitiger Auf-IA und nicht überall zuverlässiger Darstellung ie Bedrückungen erzählt, welche angeblich die Kirche seitens der weltlichen Machthaber bis zum Todesjahre Gregors 1085 erfahren hat, eine Hauptquelle für seine eigene leidenschaftlich bewegte Zeit. Bonitierung ist die Wertschätzung von Grund und Boden, das schwierigste Kapitel der Landwirtschaftslehre, für welches bisher sichere Grundlagen noch nicht gewonnen werden konnten. Durch die B. sollte, enEierrese Anschauung, «der Landwirt in den Stand gesetzt werden, bei Kauf oder Pacht die Höhe des zu zahlenden Preises für die in Aussicht genommenen Objekte mit möglichster Genauigkeit festzusetzen; bei Teilungen, Wegeregulierungen, Arrondierungen, Feldeinteilungen, Bodenmeliorationen oder auch bei Expropriationen zur Zufriedenheit aller Parteien die Größe der Leistungen und Gegenleistungen zu normieren; im Interesse der Staatsverwaltung mit möglichster Unparteilichkeit die Höhe der auf die einzelnen Grundstücke zu repartierenden Steuern zu ermitteln und endlich die Größe eines etwa zu verwilligenden hypothekarischen Kredits zu bemesseno. Im Grunde genommen handelte es sich also immer darum, den absoluten oder relativen Wert der einzelnen Grundstücke möglichst genau zu ermitteln, u welchem Zwecke man eine, je nach Ländern verscieden große Zahl von Bodenklassen schematisch entwarf und die irgendwo vorkommenden Felder, Gärten, Wiesen, Wälder, Teiche, Torfmoore und Weinberge als die Gegenstände der B. in die assendste Klasse einzureihen suchte. Die B. zum W er Veranlagung der Grundsteuer — em einertrag pflegt durch Kommissionen eingesessener Landwirte unter der Leitung staatlich ernannter Kommissare zu geschehen. In andern Fällen werden besonders ausgebildete Boniteure verwendet. Für die Aunleon B. werden Geschäftsanweisungen mit Aufstellung einer Anzahl von Klassen nach bestimmten Merkmalen erlassen, aber alle Klassifikationsschemata sind bisjetzt mehr oder minder Haudha entworfen worden und boten bei ihrer Handhabung so außerordentliche Schwierigkeiten, daß erst langjährige Übung zur sichern Einschätzung befähigen konnte. Keins dieser e Daurr hat im gewöhnlichen Verkehrsleben auf die Dauer Geltung behalten. Daß trotzdem auch veraltete Systeme beibehalten wurden, hat seinen Grund darin, daß eine Landesbonitierung ein sehr 10 raubendes und sehr kostspieliges Geschäft ist. Nach vorliegenden Erfahrungen kostete in den einzelnen Ländern die Einschätzung pro Quadratkilometer 165—280 Mark. Von den Kosten entfallen zwei Drittel auf die Vermessungen und ein Drittel auf die eigentliche Einschätzung, sodaß diese bis zu 90 Mark und mehr kosten kann. Man unterscheidet bisjetzt 1) die rein physik. Klassifikation, 0 die rein 29%½½½ Klassifikation und 3) die gemischte oder üsche 8 onomische Klassifikation. Die physikalische Klassifikation, welche die naturwissenschaftliche genannt werden kann, will mit Hilfe der über die Wachstumsbedingungen der Pflanzen gewonnenen Erkenntnisse aus der äußern H4** des Bodens auf dessen Brauchbarkeit zur Zucht von Kulturpflanzen schließen. Sie erscheint mehr nur als Hilfsmittel zur eigentlichen B., als Bodenbeschreibung, welche allerdings mit der Zeit genau genug gegeben werden kann, um ein Bild von dem Grade der Fruchtbarkeit eines Bodens zu gewinnen. Cotta, Hundesen, Senft, Fallou versuchten die geologische assifikation; man unterschied die Bodenarten nach ihrem Ursprunge zunächst in die Haupt-Poden ur angestammter oder primitiver (Gebirgsoden und angeschwemmter oder sekundärer Boden (nach Fallou Grundschutt⸗ und Flutschuttgelände), innerhalb der erstern nach der geolog. Formation, z. B. in Granit⸗, Basalt⸗‚ Grauwackeboden u. s. w., innerhalb der letztern nach vorwiegendem Bestande: Kiesel⸗, Mergel⸗, glant Moorgelände. Mit J. von Liebigs Lehren glaubte man in der chem. Analyse eine sichere Grundlage für die Beurteilung des Bodens gewonnen zu haben, und noch heute halten manche Landwirte daran fab, daß ihnen mit der Kenntnis der Anzahl Pfunde Kali, Kalk u. s. w., welche ein Boden enthält, gedient sei. Es —* sich jedoch die 27 Analyse als gänzlich wertos zu Zwecken der B. erwiesen. Dagegen verspricht die mechan. Analyse bessere Resultate insofern, als die Kenntnis der in einem Boden enthaltenen Mengen von Feinerde, Bodenskelett und Humuskörper in ihren verschiedenen Unterabteilungen einen sichern Schluß auf die so wichtige Absorptionsthätigkeit gestattet und damit der beste Wink für die Behandlung des Bodens, die Auswahl der Pflanzen und die zu erwartenden Erträge gegeben ist. Vgl. Knop, «Die B. der Ackererdey (Lpz. 1871). Rein ökonomische Klassifikationen sind die folgenden: 1) die nach der Vervielfältigung der Aussaat; Meyer z. B. schätzte 1 ha von 6fältigem Körnerertrage gleich 1,4 ha von sfältigem oder 2,8 ha von 4fältigem u. s. f.; 2) nach den Hauptfrüchten: Weizen⸗, Gerste⸗, Roggen⸗, Haferboden, bis zu Eandood Grade den Ausdrücken Thon⸗, Lehm⸗, Sandboden u. „ w. entsprechend, bei den Landwirten sehr beliebt und schon von Thaer anlentner i⸗ 3) nach der Kleefähigkeit, von Schöneutner empfohlen: kleefähige und nichtkleefähige Bodenarten, erstere wieder unterschieden in Luerne⸗ Rotklee⸗, Esparsetteboden mit entsprechenen Abteilun en; 4) nach dem Grasbestande und der Graswüchsigkeit, erstere für Wiesen allgemein üblich, letztere fur elder von Mittelstedt vorgeschlägen; endlich 5) nach wildwachsenden Pflanzen, wobei man zwischen bodensteten und bodenvagen Pflanzen unterschied und aus den irgendwo wild vorkommenden (oder auch den fehlenden) Pflanzen auf dessen Fruchtbarkeit schließen wollte (Ungar, Sprengel, Trommer). Die gemischte Klassifikation endlich zerällt in die Aund iudie eiae nach — estellten agebogen und in die eigentliche A schäzung des auf Grund der Information zu erwartenden Ertrags und des zur „Dieren desselben bt den Kostenaufwandes. Die Differenz beider ergibt den Reinertrag, welcher die Steuerfähigkeit oder, kapitalisiert, den zu zahlenden Preis darstellt. In Baden wurde für die Steuerveranlagung soweit wie möglich direkt der mittlere Preis fetgettelt, den die Grundstücke jeder Klasse und Kulturart in einer längern Periode erzielt hatten. Gegen das System der Kapitalisierung des Reinertrags wird eingewandt, d der Reinertrag sehr Aspesid von der Kapitalkraft und der Tüchtigkeit des Landwirts, also von ganz individuellen Verhältnissen abhängt. Von diesem Gesichtspunkte aus hat namentlich Birnbaum ein neues System der B. aufgestellt. Übrigens ließe sich ein ähnlicher Vorwurf Raapit die Weben einer jeden Art von stehendem apital erheben, z. B. des Verkehrswertes einer Fabrik mit ihren Maschineneinrichtungen. Man muß aber immer eine Konkurrenz von Käufern voraussetzen und daher bei der Schätzung des Objekts erwägen, was aus demselben bei der aiden unter den gegebenen Verhältnissen zu erwartenden Bewirtschaltun gemacht werden kann. Vgl. von Pabst, «Die landwirtschaftliche Taxationslehre2. Aufl., Wien 1863); Kirchbachs (Dandpuch für andwirter (8. Aufl., 2 Bde., bearbeitet von Birnbaum, Berl. 1874); Birnbaum, «Landwirtschaft⸗