Bonn, Kreisstadt im Regierungsbezirk Köln der preuß. Rheinprovinz, in freundlicher und angenehmer Gegend, am linken Ufer des Rheins gelegen, ist Sitz eines Landratsamts, eines Land⸗ und eines Amtsgerichts ateh des Oberbergamts für die Rheinprovinz, at ein Gymnasium und zählt (1880) 31 514 E., die sich größtenteils zum Katholizismus bekennen. Unter den fünf kath. Kirchen ist außer der 1700 erbauten Jesuitenkirche namentlich das Münster als die älteste und architektonisch merkwürdigste hervorzuheben. Dasselbe gehört durch stattliches Außere und großartige Disposition des Innern zu den vorzüglichsten Denkmälern der lberbogensiil. di aus dem romanischen zu dem Spitz-Kerelban Die neue evang. Kirche, ein schöner got. Ziegelbau, wurde 1866—71 von Baurat Dieckho errichtet. Die Kapelle im ehemaligen Schlosse der altkath. Gemeinde arHlehr 300 Seelen) zum Gottesdienste eingeräumt. Neben dem Münster er-E sich seit 1845 die von Hähnel modellierte eherne tatue Beethovens, der zu B. geboren war. Das 1865⁵5 —˙ Standbild Arndts (E + nach Afingers Modell) schmückt den Alten „eine wegen ihrer schönen Aussicht auf den Drf und das Siebengebirge in ganz Deutschland Koptem Promenadenanlage, unmittelbar vor dem Koblenzer Thore. Auf dem Friedhofe vor dem Sternen-Nn befindet sich das Grabmal Niebuhrs von auch, welches errich Wilhelm IV. als Kronprinz seinem Lehrer errichten ließ, sowie das Grabmal Robert Schumanns von Dondorf. Hier ruhen auch Schillers Witwe und sein zweiter Sohn Ernst, Minister Boyen, Aug. Wilh. von Schlegel, die Gebrüder Boisserée, F. G. Welcker, Thiersch, Dahlmann, E. M. Arndt, von Bunsen mäntr sueß Die abrikindustrie der Stadt beschränkt lu auf ayence, Seife, Cement, Jute und Chemikalien. it dem rechten Rheinufer steht B. durch eine Dunchren Brücke und etwas oberhalb der Stadt urch einen Eisenbahntrajekt nach Oberkassel (zum Anschluß an die Rechtsrheinische ½½ in Verbindung, sowie durch die Rheinische Eisenbahn mit Köln einerseits und mit Koblenz u. s. w. andererseits. Von Wichtigkeit ist die 3 derbhenkan B. I Sitz des 3. des Ves Vereins der Rheinlande un Westfalens, des Vereins der Altertumsfreunde im Rheinlande (dessen Sammlungen in E. M. Arndts Wohn⸗ und Sterbehaus), des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen und des Niederrhein. Vereins für öffentliche Gesundheitspflege. Der Ruf B.s gründet sich auf seine blühende Universität, welche zu den H½½ und besuchtesten Deutschlands Martt chon 1786 stiftete hier der Erzbischof Maximilian Friedrich eine Universität, die jedoch unter der franz. Herrschaft 1802 in ein Lyceum verwandelt wurde. Die jetzt .½% Hochschule 9 18. Okt. 1818 von Friedrich Wilhelm III. von Preußen gestiftet worden. Der König schenkte zugleich der neuen Anstalt das ehemalige lurfarstl Residenzschloß (1717—30 von den Kürfürsten Joseph Clemens und Clemens August erbaut), das an Größe (580 m lang) und Schönheit von keinem Universitätsgebäude in Deutschland übertroffen wird. Dasselbe enthält: die Münzsammlung; die Hörsäle; die Bibliothek, welche bereits über 250000 Bände zählt; das Museum der rhein. (namentlich römischer) Altertümer; das Physikalische Kabinett; die Aula mit großen Freskobildern, die vier Fakultäten (von Schülern von Soreilustder tellend und im Erdgeschoß unter der Bibliothek das Akademische Kunstmuseum, eine vorzügliche Sammlung von über 700 Gipsabgüssen antiker Kunstgegenstände (auch einige Originale) in histor. Anordnung. Außerdem gehören zur Univer⸗ )sität: die unter Argelanders Leitung 1839—46 gebaute großartige Sternwarte; das Poppelsdorser Schloß (1 km von der Stadt entfernt), ehemals kurfürstl. Lustschloß Clemensruhe (1715—46 erbaut), mit den naturhistor. Sammlungen in 19 Sälen (160000 Nummern), dem 4,5 ha großen Botanischen Garten und großem Palmenhause; die 1847 eröffnete Landwirtschaftliche Akademie mit „ihren Zweiginstituten in Poppelsdorf; das 1868 von Dieckhoff vollendete Chemische Laboratorium, fein prachtvolles Gebäude mit großartiger Eintrichtung; die neue Anatomie, seit 1872 eröffnet, ebenfalls ein Prachtbau mit modernster Einrichtung; die 1872 eröffnete Gynäkologische Klinik, ein um-Heuerding Gebäude am untern Ende der Stadt. euerdings eröffnet sind die Chirurgische und die Klinik für innere Krankheiten sowie das P ysioloische Institut. Die Provinzial-Irrenanstalt (eine Vlerte tunde von der Stadt entfernt) ist den Lehrzwecken der Universität dienlich gemacht. Die bonner Hochschule umfaßt fünf Fakultäten (darunter eine evangelisch⸗ und eine und Docennen eirenin denen üÜber 80 Professoren und Docenten lehren. Die Zahl der Studierenden belief sich im Sommersemester 1882 Seiul B. ist auch der Wohnsitz des altkath. Bischofs Reinkens. ¹ der romantischen Umgebung sind Godesberg, Rolandseck, die —— Nonbeluchte unt der Drachenfels (Siebengebirge) vielbesuchte Punkte. — Der Kreis Bonn zählt (1880) auf 304 qkm 81 336 E. war eins der von den Römern in Deutschland angelegten Kastelle und hieß Bonna. Nachdem es im 4. Jahrh. zerstört und durch Kaiser Julian wiederaufgebaut worden, litt es vorzüglich in den Kämpfen der . wat Franken, Sachsen und Normannen. Zu B. ward 942 eine Hende Synode ge2.—— Im J. 1273 ward es Residenz des Kurürsten von Köln, was es bis 1794 blieb. Hier hielten sich 1673 die Franzosen gegen Holländer, Spanier und Osterreicher. Nach einem heftigen Bombardement wurde die Stadt 1689 durch Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg eingenommen, 1703 durch die Holländer unter Coehorn. Erst 1715 kam sie wieder in den Besitz des Kurfürsten von Köln. Die Festungswerke, in welche die 1249 zuerst erbauten Stadtmauern nach und nach verwandelt worden, schleifte man zum großen Teil 1717 und führte auf ihrem Grunde sowie aus den ewonnenen Steinen das kurfürstl. Schloß auf. Im 8 1801 wurde die Stadt 19 5 den Luneviller Frieden französisch, 1814 durch den Wiener Kongreß preußisch. Vgl. Ritter, 49% der ältesten Städte am Rhein, Köln, B. und Mainzo (Bonn 1851); Hundeshagen, «Die Stadt und Universität B. mit ihren Umgebungen» (Bonn 1832); Hesse, „Geschichte der Stadt B. während der franz. Herrschaft » (Bonn 1879); Würst, 4„B. und seine Umgebungenv (2. Aufl. Bonn 1881) und Erinnerungen an B.v (2. Aufl., Bonn 188²).