FeedDüren
ErdkundeBrockhaus 1882

Düren, Kreis⸗ und Fabrikstadt im Regierungsbezirk Aachen der preuß. Rheinprovinz, sehr alt, aber freundlich, liegt am rechten Ufer der Ruhr und an den Linien Köln-Herbesthal, Neuß-D., D.⸗Euskirchen und Jülich-D. der Preußischen Staatsbahn und zählt (1880) 17368 meist kath. E. Die Stadt ist Sitz eines Amtsgerichts, Landratsamts und einer Reichsbanknebenstelle und hat fünf kath. und zwei prot. Kirchen, eine Synagoge, ein kath. Gymnasium, ein evang. Realprogymnasium, eine kath. höhere Knabenschule und zwei höhere Mädchenschulen. Die 1842 gegründete Blindenanstalt (Elisabeth-Stiftung) wurde 1863 zur provinzialen erweitert und seitens der Provinz seitdem ein umfangreicher Neubau dafür errichtet. Außerdem hat D. eine Irrenanstalt, welche gleichfalls der Provinz gehört und deren Errichtung 2583000 Mark gekostet hat, und ein großes Hospital. Im Rathause befindet sich die Stadtbibliothek mit etwa 12000 Bänden und eine Altertumssammlung, hauptsächlich aus Münzen und andern Gegenständen der Römerzeit, wie sie in der Umgebung vielfach gefunden werden, bestehend. Kunsthistorisch beachtenswert ist die got. St. nen Mrof m sehenswert die große Stadtschule von Prof. Raschdorff in Renaissance erbaut, mit den Porträtmedaillons deutscher Kaiser und reuß. Könige von Professor Mohr. Hauptgegentände der Fabrikthätigkeit sind Tuch und Papier. Hierzu kommen drei Etablissements für Eisenschienen, Maschinenteile u. s. w., eine Nadelfabrik, eine Kunstwollfabrik, eine große Flachsspinnerei, Gerbereien, eine Decken⸗ und Veloursteppichfabrik, Bierbrauereien, eine Bleiweiß⸗ und eine bedeutende Wutwalne u Galmeigruben (40000 Ctr. Zink), eine Zinkwalze und die Fabrikation der Filze und Metallgewebe zum Gebrauch der Papiermaschinen. Etwa 4 km oberhalb D. im romantischen Ruhr-Rahe wird ein guter Rotwein erzeugt. In der ähe von D. liegt das Städtchen Nideggen mit den großartigen und malerischen Trümmern eines ehemaligen Residenzschlosses der Herzöge von autlich und einer interessanten roman. Kirche, vermutli der alten Schloßkapelle; ferner das Dorf Frauwüllesheim mit got. Kirche aus dem 14. Jahrh. D. hieß zur Zeit der Römer Marcodurum und soll, wie Köln, seinen Ursprung dem M. Agrippa verdanken. Im J. 69 n. Chr. schlug hier Civilis, der Heerführer der Bataver, die Ubier und 70 wurde der Ort von ihm erobert. Die fränk. Könige hielten zu D. in der zweiten Hälfte des 8. Jahrh. mehrere Kirchenversammlungen und Reichstage. Von Karl d. Gr., welcher nach seinen Siegen über die Sachsen * 775 und 789 in seiner Pfalz Duria oder Dura ersammlungen hielt, wurde der Ort zur Reichsstadt erhoben und als solche von Otto III. (1000) und Ruprecht (1407) bestätigt. Der Graf Wilhelm von Jülich erhielt 1248 die Stadt vom Kaiser Friedrich II. als Pfand für ein Darlehn, woraus schließlich die Einverleibung in den Verband des Herzogtums Jülich erwuchs, in welchem sie bis zur franz. Occupation verblieb. Karl V. belagerte und verbrannte die Stadt nach hartnäckiger Verteidigung 1543. Abermalige Belagerungen erfuhr D. im Dreißigjährigen Kriege 1642 durch den hess. General Graf Eberstein und 1794 durch die Franzosen unter Marceau. In D. lebte und starb einer der namhaftesten deutschen Dialektdichter, Joseph van der Giese (1803—50). — Der Kreis Düren zählt auf 562,9 qkm 72 664 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 668Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6