Bordeauxweine (in England Claret) heißen die in der Umgegend der Stadt Bordeaur, im weitern Wortsinne die sämtlichen im Depart. Gironde oder in der Landschaft Guyenne erzeugten Weine. Dieselben zeichnen sich durch Geist, Körper, Gehalt an Gerbestoff, angenehmen Geruch (Bouquet) und feinen, nachhaltigen Geschmack aus, werden, neben dem Champagner, am meisten ins Ausland versendet und stehen im ersten Range unter den sog. «Weltweinenr, welche überall getrunken werden. Von der Gesamtproduktion zu 2500000 hl werden jährlich im Durchschnitt 1700000 ausgeführt, 400000 im Lande selbst konsumiert und 400000 auf Cognac verarbeitet. Die Weinausfuhr nach Deutschland direkt nach deutschen Häfen beträgt etwa 150000hl; eine sehr bedeutende Menge kommt außerdem zum Versand nach Deutschland über Holland, Belgien und vermittelst der Eisenbahn. Gegen 200000 ha, ungefähr der fünfte Teil des de fud Flächeninhalts des Depart. de la Gironde, sind dem Weinbau gewidmet. Der Weinertrag betrug durchschnittlich im ganzen Departement jährlich 3000000 hl, wovon etwa auf den Medoc 500000 hl kommen. Der Wert einer Durchschnittsernte beträgt je nach Qualität und Quantität des Jahrgangs 150—200 Mill. Frs. Uuter 18 Monaten ist B. selten trinkbar, manche Sorten erhalten erst nach fünf und mehr Jahren die gehörige Güte, alle sollten aber ein Flaschenlager von mindestens sechs Monaten haben, ehe sie in Perbrauch genommen werden. Die Klärun der B. erfolgt durch Gallerte (Hausenblase), Eiwei oder auch bisweilen durch Milch. Die Schärfe im Geschmack nimmt mit dem Alter ab, doch verlieren zu alte B. leicht an Güte. Die B. werden in Orhoften von 220—-226 1 Inhalt oder auch in Flaschen versandt. Es gibt Weine von 70—2000 Frs. das Orhoft je nach Qualität und Jahrgang. ie B. werden je nach Bodenbeschaffenheit oder örtlicher Lage in folgende Hauptgattungen eingeteilt: 1) Cötes, rote und weiße, erstere vorwieend, gedeihen meist auf den am rechten Ufer der aronne, Dordogne und Gironde von Langon bis Blaye gelegenen Höhen und Uferabhängen, wo die Grundformation des Bodens, die tertiäre Sandsteinformation, oft zu Tage tritt. 2) Graves, rote und weiße Weine, gedeihen auf der Kieselschicht, welche namentlich das am linken Ufer der Garonne und Gironde gelegene Hügel- und Flachland tertiärer Grundformation in Höhe von wenigen Centimetern bis 2 und 3 m bedeckt; 20 kommen auch Graves in den Gegenden rechts der Garonne u. s. w. vielfach vor. 3) Palus, vorzugsweise rote Weine, bringt das angeschwemmte, fette, manchmal sumpfartige Niederungsland zu beiden Seiten der Stromufer hervor. 4) Entre-deux-mers, wachsen im Landstriche innerhalb des bumns Winkels, den Garonne und Dordogne bei ihrem Zusammenflusse bil- und 5) St.-Emilions, rote Weine, welche auf und bei dem Plateau wachsen, dessen Hauptort und ungefährer Mittelpunkt der für den 4⁷7 ts⸗ und Altertumsforscher höchst interessante Flecken St.⸗ Emilion (ungefähr 40 km nordöstlich von Bordeaux) —* 6) Medoes, so genannt nach dem Landstrich edoc, welcher sich von Bordeaux aus in nordwestl. Richtung am linken Garonne⸗ und Gironde-Ufer bis zum Meere hinzieht. Die Medocs umfassen die meisten der besonders namhaften und berühmten roten B., der Bodenbeschaffenheit nach gehören sie meistens den Graves, einige den Palus an. Die Weine des Medoe sind zuletzt 1855 durch die Weinmäkler von Bordeaux nach Güte, Verdienst und erieltem Preis offiziell klassifiziert, und zwar unterscheidet man zunächst fünf Klassen von Hochgewächen (crus elassés), denen sich die ersten und zweiten ürgerweine (diese oft den Hochgewächsen an Güte wenig nachstehend) und zuletzt die Bauerweine anschließen. Die Qualitäten der Medocs sind überaus verschieden, sodaß die Preise von Weinen derselben Gegend oft 25—500 Proz. auseinandergehen können. Die vier Gewächse der ersten Klasse sind: Chäteau Lafitte, Latour, Margaux und Haut-Brion (letzteres dicht bei Bordeaux, aber außerhalb des Medoc gelegen). Vn zweiten Klasse gehören unter andern: Chäteau Brane Mouton, Rauzan, Leéoville, Larose, Ducru, Durfort, Pichon-Longueville. Die Namen klassierter Rerdetenger werden von dem Auslande vielfach auf Etiketten geringerer Weine gemißbraucht. Die besten w Wön B. gedeihen in den Distrikten von Sauternes, Bommes, Barsac und Preignac, welche sämtlich stromaufwärts von Bordeaux am linken Garonne-Ufer gelegen sind. Auch die großen Weißweine sind klassiert; das erste Hochgewächs von Sauternes ist Chäteau Hquem. Sehr renommiert ind ferner: Latour blanche, Chäteau Peyraguey, igneau, Sudnirant, Coutet, Climens, Rieussec, Bayle, Rabaut, und von zweiten Hochgewächsen: Chäteau Mirat, Doisy, Peixotto, D'Arche und Chäteau Filhot u. s. w. Cargaisonweine, welche von Bordeaux hauptsächlich nach Amerika und überseeischen Kolonien verschifft werden, sind meistens keine eigentlichen B., sondern werden aus geringern südfranz. (Midi⸗)Weinen, oft mit Sprit⸗ und Wasserzusatz, massenhaft hergestellt und in ganzen Schiffsladungen versandt, woher die Benennung. Viele B. hinterlassen beim Verbrauch in der Flasche einen oft ziemlich bedeutenden Satz (dépoôt), welcher, insofern er nur von abgelagerten Farbeteilchen herrührt, durchaus nicht schädlich ist, sondern eher Zeugnis für die Echtheit des Weins ablegt. Einelne VW. zeigen diese Eigenschaft in besonerm Grade. B., welche starken Satz haben, sind nicht zu schütteln, sondern möglichst einige Stunden vor dem Verbrauch aufrecht zu stellen und recht be-Boden abzugießen, sodaß der ganze Satz auf dem oden der deeil zurückbleibt; die einzige schlechte müccht chaft desselben ist, daß er, mit dem Wein vermischt, denselben trübt und das Bouquet beeinträchtigt. Hervorragend gute Jahrgänge von B. waren in neuerer Zeit: 1847, 1848, 1858, in Weißweinen 1861, sowie 1864, 1865, 1869, 1870 und 1874. Didim der bordeauxer Weinpflanzungen sind das idium oder Meltau, welches besonders in den funfziger Jahren vielen Schaden angerichtet hat, und in neuester Zeit auch die Reblaus (Phylloxera). Besungen wurden die B. durch Biarnez in dem Gedicht: Les grands vins de Bordeauxv. . Danflou, Les grands erus Bordelaiso (Bordeaux 1867); Franck, «Traité sur les vins du Medoc ete.v(Bordeaur 1868), «Carte des vignobles du Medoc o (Par. 1869), Petit-Lafitte, la vigne dans le Bordelaiso (Par. 1868); Lorbac, Les vins de Graveso(Par. 1869); Valet, Guide du consommateur de vin de Bordeauxo (Bordeaux 1869); Laumond, «Notice sur les vins de la Gironde (Bordeaux 1870); Fauchat, Notice sur les vins de Bordeauxo (Vassy 1870); Kehrig, Un mot sur le vin de Bordeauxo (Bordeaux 1870); Prom, «Notice sur le vin de Bordeauxo (Toulouse 1871); Cocks und Feret, Bordeaux et ses vinso (3. Aufl., Bor-H• u. Par. 1874); Hamm, „Das Weinbuch » (2. Aufl., Lpz. 1874).