FeedBorghese (Camillo Filippo Ludovico)
GeschichteBrockhaus 1882

Borghese (Camillo Filippo Ludovico), Fürst von Sulmona und Rossano, ital. Prinz und Prinz von Frankreich, Schwager Napoleons I., wurde zu Rom 19. Juli 1775 geboren. Als die Franzosen in Italien eindrangen, nahm er Dienste in ihrem Heere und schloß sich eng an den General Bonaparte an, dessen zweite Schwester Pauline, die Witwe des Generals Leclerc, er 1803 heiratete, um sich jedoch bald auf lange Jahre von ihr zu trennen. Er wurde nun franz. Prinz, 1805 Rittmeister in der kaiserl. Garde, bald darauf Oberst, Arler Divisionsgeneral und nach Beendigung des Kriegs gegen Ssterreich Herzog von Piacenza und ½% Nachdem er an dem Feldzuge von 1806 teilgenommen, erhielt er eine Sendung nach Warschau, um 7½½„ zum Aufstande zu bestimmen, worauf seine Ernennung zum Generalgouverneur der transalpinischen Provinzen erfolgte. Nach Napoleons Thronentsagung hob er alle Verbindung mit der Familie Bonaparte auf. Als der König von Sardinien 1815 die Dienterunn Nationalgüter, mit welchen die franz. tegierung die Summe von 8 Mill. Frs. für die von B. erkauften Kunstwerke aus der Villa B. be-Lel hatte, in Beschlag nahm, erhielt er den größten eil der Kunstschätze zurück. Seit 1818 lebte er in Florenz, wo er 9. Mai 1832 starb. B.s Gemahlin, Maxie Pauline, früher Carlotta genannt, Napoleons I. zweite Schwester, eb. Eu Ajaccio 20. Okt. 1780, hatte sich, als ie Engländer 1793 Corsica besetzten, mit ihrer Mutter nach Marseille begeben. Später heiratete sie den General Leclerc (s. d.), dem 50 auch bei seiner Sendung nach San-Domingo folgte und in den die ihn niederwarf, mutvoll zur Seite blieb. 10 dem Tode Leclercs (2. Nov. 1802) vermählte sie si 28. Aug. 1803 mit dem 15 Dara B. r einziger Sohn erster Ehe starb bald darauf zu Rom. Sie liebte Napoleon zärtlich, veruneinigte sich aber häufig mit ihm, da sie sich nicht immer in die Launen einer Politik finden wollte. Als sie sich einst gegenüber der Kaiserin, zu der sie keine Zuneigung hatte, vergaß, mußte sie den Hof meiden. Bei Napoleons Sturz war sie noch in Ungnade und befand sich in Nizza. Sie begab sich fofort zu ihrem Bruder nach Elba und machte die Vermittlerin 77 ihm und den übrigen Gliedern der Familie. Als Napoleon 1815 in Frankreich gelandet war, ging sie zu ihrer Schwester Karoline nach Neapel und dann nach Rom. Vor der Schlacht bei Waterloo sandte sie ihrem Bruder zur freien Verfügung ihre kostbaren Diamanten; dieselben wurden nach der Schlacht mit Napoleons Wagen von den verfolgenden ichte see erobert. Von ihrem Gemahl getrennt, lebte sie dann zu Rom, wo sie einen Teil des Palastes B. bewohnte und seit 1816 die Villa Sciarra besaß. Ihr Haus, worin Geschmack und Kunstsinn herrschten, ward der Versammlungsort der besten röm. Kreise. Vergeblich suchte sie, als sie von Napoleons Krankheit hörte, um die Erlaubnis nach, sich u ihm nach St.⸗Helena begeben zu dürfen. Die Nachricht seines Todes warf sie selbst auf das Krankenlager. Sie starb zu Florenz 9. Juni 1825 bei ihrem Gemahl, mit dem sie sich kurz vorher wieder vereinigt hatte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 338Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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