FeedBerri (Charles Ferd., Herzog von)
GeschichteBrockhaus 1882

Berri (Charles Ferd., Herzog von), zweiter Sohn des Grafen von Artois, spätern Königs Karl X. (s. d.) von Frankreich, und der Maria Theresia von Savoyen, geb. zu Versailles 24. Jan. 1778, wurde à Wun mit seinem ältern Bruder, dem Herzog von Angouléême, erzogen. Mit seinem Vater floh er infolge der Revolution 1792 nach Turin und focht dann mit diesem und unter Cond gegen das republikanische Frankreich. Später gin er mit seiner Familie nach Rußland und 1801 na land lehl wo er abwechselnd in London und Schottland lebte und sich mit einer jungen Engländerin morganatisch vermählte. Aus dieser, von Ludwig XVIII. nicht anerkannten Ehe hatte er zwei Töchter, die später an den Marquis von Charette und den Prinzen von Faucigny vermählt wurden. Nach dem Sturze Napoleons landete er 13. April 1814 zu Cherbourg. Nachdem er 21. April seinen Einzug in Paris gehalten, ward er 15. Mai zum Generalobersten ernannt und erhielt bei der Landung Napoleons I. im Frühjahr 1815 von Elba von Ludwig XVIII. den Befehl über die Truppen in und um die Hauptstadt übertragen. Allein schon in der Nacht vom 19. zum 20. März mußte er sich mit den Truppen des königl. Hauses nach Gent und Aelst zum König zurückziehen, bis die Schlacht von Waterloo ihm den Rückweg nach Paris öffnete. Am 16. April 1816 vermählte er sich mit der ältesten Tochter des nachmaligen Königs beider Sicilien, Franz' I., Karoline Fe Luise 113 5. Nov. 1798). Auf dieser Ehe beruhte wesentlich der Fortbestand des ältern Zweigs der Bourbons, da sein Bruder, der Herzog von Angouleme (. d.) kinderlos war. Ein polit. Fanatiker, Louvel (sd.), der die Bourbonen als die Feinde Frankreichs ausrotten wollte, faßte darum den Entschluß, den Herzog von B. zu ermorden. Als dieser 13. Febr. 1820 Wage Gemahlin aus dem Opernhause nach dem agen geleitete, erhielt er von Louvel einen Messersich⸗ an dem er tags darauf starb. Vgl. Chäteaubriand, Mémoires touchant la vie et la mort du Due de B.v (Par. 1820). Der Herzog hinterließ von seiner Gemahlin Karoline Ferdinande Luise nur eine Tochter, Luise Maria Theresia von Bourbon, Mademoiselle de France (geb. 21. Sept. 1819; seit 1845 vermählt mit dem spätern Herzog Karl III. von Parma; gest. 1. Febr. 1864). Desto größer war die Freude des königl. Hauses, als die verwitwete Herzogin 29. Sept. 1820 von einem Prinzen entbunden wurde, der den Namen Heinrich, Herzog von Bordeaux erhielt. Als die Julirevolution von 1830 den Herzog von Orleans auf den Thron erhob, die Bolproot von B. mit ihren Kindern Karl X. nach olyrood. In Frankreich aber arbeitete eine zahlreiche Partei im Süden und in der Vendee für die Abnan en ihres Sohnes, als des zufolge seiner bstammung rechtmäßigen Königs (Heinrich V.) von Frankreich. Um mit dieser Partei, den sog. baaab nch dre Ser in nähere Verbindung zu treten, egab sich die Herzogin von B. 1831 nach Italien. Hier fanden sich sehr bald Anhänger der vertriebenen Linie bei ihr ein, die den Plan zu einer Landung in Frankreich entwarfen, um die Fahne Heinrichs V. daselbst aufzupflanzen. Ein mpfschiff, Carlo Alberto, führte die Herzogin nebst einigen Mar Anhänger April 1832 von Viarreggio nach rseille, in dessen Nähe sie am Abend des 28. landete. Ein Aufstand der Legitimisten in Marseille am 30. ward jedoch unterdrückt, und als der Carlo Alberto 3. Mai bei La Ciotat angehalten wurde, wo er wegen Havarei einlaufen mußte, entdeckte die Behörde, daß die Herzogin auf demselben sich when, w habe. Sie war indes in die Vendee entflohen, wo nun hier und da der Aufr aufloderte. Die Herzogin trat als Regentin auf, erließ Proklamationen im Namen ihres Sohnes Heinrichs V., wurde indes von einem Anhänger, dem zum Katholizismus übergetretenen Juden Deutz, verraten und 8. Nov. in Nantes verhaftet. Von hier brachte man sie als Staatsgefangene in die Citadelle von Blaye. Die edie Har wollte wegen 7 Maßregeln gegen sie die Kammer ent Gheien lassen; doch die lebhafte Teilnahme, die sich für die Gefangene darlegte, erzeugte nicht geringe Verlegenheit. Da erhob sich im Januar plötzlich das Gerücht, daß die Herzogin guter Hoffnung sei. Es folgten Wochen größter Aufregung in ganz Frankveich bis am 22. Febr. die Herzogin eine Erklärung abgab, welche die Nachricht durch die Aussage be-Marche daß sie in ant an Ehe mit dem neapolit. rchese Lucchesi-Palli, aus der Familie der Fürsten von Campo-Franco, vermählt sei. Die Bestätigung dieser ug, lodaß brachte sie sosort um ihre polit. Bedeutung, sodaß die Regierung, nachdem die denten t. 10. Mai eine Tochter geboren, kein Bedenken trug, sie ihrer Haft zu entlassen. Sie schiffte sich im Juni 1833 zunächst nach Sicilien ein und zog sich dann nach Venedig zurück, wo sie längere * mit ihrer neuen Familie zubrachte. Nach dem ode ihres Gemahls bezog sie das Schloß Brunnsee bei Graz, wo sie 17. April 1870 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 874Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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