FeedBorsten
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Borsten werden diejenigen Haare genannt, welche sich durch gerade Gestalt, Steifheit und Elasticität auszeichnen. Technische Verwendung finden namentlich die B. des (zahmen und wilden) Schweins, deren Benutzung zu Bürsten, Pinseln u. s. w. bekannt ist. Am geschätztesten sind die längs des Rückgrats stehenden sog. Kammborsten. Die geringern von andern Körperteilen finden teilweise auch, nach vorausgegangenem Kräuseln, Anwendung zum Ausstopfen von Sattelkissen u. dgl. und bei den Maurern als bindender Zusatz zum Lehmputz. Man gewinnt die B. teils durch Ausraufen geschlachteter Schweine, nachdem dieselben durch Übergießen mit heißem Wasser abgebrüht sind (wobei sie aber durch das heiße Wasser an Clasticität verlieren), teils durch Abschneiden auf lebenden Tieren (in welchem Falle an ihrer Länge etwas verloren geht), teils endlich durch Ausraufen oder durch Kämmen der Tiere im hohen Sommer, wo ihnen die B. von selbst ausgehen, daher leicht und schmerzlos abgelöst werden. Die auf letztgenannte Weise erlangten B. sind vollkommen reif, daher unter übrigens gleichen Umständen die besten. Man zieht die B. des wilden Schweins denen des zahmen, die aus nördl. Ländern denen aus südlichern Gegenden, die von alten Tieren denen von jungen vor und schätzt rein weiße oder schwarze höher als andersfarbige. Gelbliche B. können durch Bleichen mittels schwefliger Säure heller gemacht werden; auch künstliche Färbung findet zuweilen statt, wobei das Verfahren der Wollfärberei in Anwendung kommt. U— B. durch Leimwasser steif zu machen, ist ein auf eine Täuschung berechnetes und leicht zu erkennendes Verfahren. Die meisten und besten B. kommen aus Rußland, Polen, Ungarn und den Donauländern. Bei Anfertigung der Bürsten findet zuweilen eine Verfälschung der B. statt durch Einmengung der starken Fasern des Aloêhanfs (aus den Blättern der Agave americana und mexicana), welche an Elasticität und Dauerhaftigkeit den B. weit nachstehen. Auch andere Surrogate aus dem Pflanzenreiche, wie die Reiswurzeln, die Piassava⸗ und die Kokosnußfaser, werden in neuerer Zeit anstatt der B. in der Bürstenfabrikation angewendet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 359Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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