FeedBoulay de la Meurthe (Henri)
GeschichteBrockhaus 1882

Boulay de la Meurthe (Henri), aah Staatsmann, Sohn des vorigen, wurde 15. Juli 1797 zu Paris geboren, studierte die Rechte und beteiligte sich lebhaft am Kampfe während der Julitage von 1830. Von 1837—39 vertrat er in der Kammer, wo er stets mit der Linken stimmte, das Depart. Meurthe, von 1842 bis zur Februarrevolution von 1848 das der Vogesen. Die Gründung der Zufluchtshäuser (salles d'asile), die Erweiterung des Elementarunterrichts, manche Verbesserung in der Lage der arbeitenden Klassen ist von ihm angeregt und unterstützt worden. Durch Wahl im Depart. Vogesen trat er 1848 in die Nationalversammlung, wo er sich zu den gemäßigten Reublikanern hielt. Er wurde vom Präsidenten der epublik an die Spitze der drei Kandidaten atschaf welche derselbe für das Amt der Vizepräsidentschaft vorzuschlagen hatte, und auch 20. Jan. 1849 von der Wiserkandelos bem dazu erwählt. B. fügte sich widerstandslos dem Staatsstreich vom 2. Dez., der ihm seine Stellung kostete, und nahm teil an der sog. Konsultativkommission, aus welcher er 26. Jan. 1852 in den neuen Senat trat. Selbständige politische Bedeutung besaß er nicht. Er starb zu Paris 24. Nov. 1858. Bonulevards oder Boulevarts (abgeleitet vom deutschen Bollwerk) hießen früher in Frankreich die Walllinien der befestigten Städte. Mit der Zeit wurden die Wälle abgetragen, die Gräben ausgefüllt und die geebneten Räume zur Anlegung öffentlicher Spaziergänge benutzt. Die neuen Anlagen behielten den alten Namen, wie man auch in Deutschland häufig die Spaziergänge gleichen Ursprungs mit Wall, Wallgraben, Bastei zu bezeichnen pflegt. Vorzüglich berühmt sind die Boulevards von Paris, und unter diesen besonders die ältesten, die — Zeit Ludwigs XIV., auf der nördl. Seite der Stadt, an den Platz der Befestigungen traten und erst Spaziergang, dann Straße wurden. Sie erstreckten sich von der Magdalenenkirche nach dem Bastilleplatz, von wo Napoleon I. sie mit einer neuen Boulevardanlage bis zur Seine verlängerte. Dieser Verlängerung be-De ver die B. gegenüber in dem jenseitigen Paris ei der Salpetriere und dem Botanischen Garten, und laufen von da nach dem Invalidenhause und der Militärschule hin. Die Zeit ihrer Gründung I5mn in die Regierung Ludwigs XV. Unter Caonnes Ministerium (1786) entstanden die um die damals errichtete Zollmauer zuon Murem B., die sog. Außern B., die aber auch zum Innern der Stadt 1 t und seitdem 1860 jene Zollmauer niedergerissen ist und die jenseit derselben liegenden Vorstädte und Dörfer durch die gemeinschaftliche Ringmauer der neuen Befestigungswerke mit Paris verbunden sind. Hierzu kamen in der jüngsten Zeit disz zahlreiche B., weil der heutige Sprachgebrauch diese Benennung auf viele Straßen übertragen hat, die in der alten Häusermasse durchgebrochen oder in neuen Stadtvierteln angelegt worden sind. Alle B. von jüngerm und jüngstem Datum haben jedoch mit den ältesten B. nur so viel gemein, daß sie breite, mit Bäumen bepflanzte Straßen sind. Sie liegen meistens entfernt von den großen Verkehrsadern und werden deshalb weniger vese und geschätzt als die ältesten, die vorzugsweise B. heißen. Diese sind in der Nähe aller Hauptvergnügungsorte. Ihre zwei Reihen stattlicher Häuser, ihre breiten geplatteten Fußwege zur Seite, ihr herrlicher Rasfer in der Mitte, ihre prächtigen Kaufläden, affee⸗ und Speisesäle, ihre Theater und Schaubühnen aller Art, ihr Menschengewimmel und Gedränge machen sie zum Glanz⸗ und Mittelpunkte des eigentlichen pariser Lebens. Die lebhaftesten und elegantesten sind die auf der nördlichen, von der Magdalenenkirche nach dem Bastilleplatz hinlaufenden Linie, und zwar namentlich die zunächst der Magdalenenkirche gelegenen B. de la Madeleine, des Capucines, des Italiens und Montmartre. Bouleversement, Umstürzung, erstörung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 397Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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