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GeschichteBrockhaus 1882

Broglie (Jacques Victor Albert, Herzog von), franz. Publizist, Geschichtschreiber und Staatsmann, Sohn des vorigen, wurde zu Paris 13. Juni 1821 geboren. In den konstitutionellen Ansichten der doktrinären Schule und in kath. Ideen auferzogen, nahm er früh thätigen Anteil an den polit. und kirchlichen Kontroversen seiner Zeit und schrieb für die Revue des Deux Mondes o und besonders für das klerikal-orléanistische Wochenblatt Le Correspondanto eine Anzahl Artikel, die später gesammelt erschienen unter den Titeln: Etudes morales et littéraires o und «Questions de religign et de morales. Seine wichtigste Schrift ist: Eglise et IEmpire romain au 4e sièclen (2 Bde., Par. 1856), welche mehrere Auflagen erlebte; sie enthält die vom kath. Gesichtspunkt geschriebene Geschichte der Regierung Konstantins. Diesem Werk schlossen sich an die wator „Julien PApostato und KThéodose v. Später veröffentlichte B. noch eine Anzahl polit. Broschüren. Im W 1862 wurde B. an Lacordaires Stelle zum Mitgliede der Académie in Sein ernannt. Im Frühjahr 1871 wurde er im Seine⸗ und Oisedepartement zum Abgeordneten der Nationalversammlung gewählt, wo er sich dem rechten Centrum anschloß. Zugleich ließ er sich den franz. Gesandtschaftsposten in London übertragen, suchte das engl. Kabinett zu einer diplomatischen Intervention zu Gunsten Frankreichs zu bewegen und trat 13. März als Bevollmächtigter Frankreichs in die Pontuskonferenz ein. Doch beschäftigte er sich vorzüglich mit Frankreichs innern Angelegenheiten und betrieb am eifrigsten das Zustandekommen der parlamentarischen Koalition aller monarchischen Parteien, die 24. Mai 1873 die Abdankung Thiers' und die Präsidentschaft Mac-Mahons zur Be atte. In dem neuen Kabinett Übernahm die Vizepräsidentschaft und das Ministerium des Auswärtigen, später das des Innern. In letzterer Stellung machte er sich verhaßt durch die Vorlage eines reaktionären Gesetzes über die Ernennung der Maires, durch die Aufrechterhaltung des Belagerungszustandes in 39 Departements, durch seine Begünstigung des Klerikalismus. Da er aber unmöglich die Wünsche aller drei monarchischen Parteien befriedigen konnte und die Legitimisten und Bonapartisten ihre Interessen durch ihn beeinträchtigt sahen, so verbanden sie sich mit der Linken zu seinem Sturze und brachten ihm bei der Abstim-Wall. über die Priorität der Abstimmung über das Wahlgesetz vor der über das Gemeindegesetz eine Niederlage bei. Darauf nahm B. nebst den übrigen Ministern 16. Mai 1874 seine Entlassung. Im J. 1876 in den Senat gewählt, trat er wieder an die Spitze der reaktionären Parteien. Bei der unerwarteten Entlassung des Kabinetts Simon 16. Mai 1877, wozu B. dem Präsidenten geraten hatte, wurde B. mit der Bildung eines Koalitionsministeriums der Rechten beauftragt und übernahm den Vorsitz und die Justiz. Die Abgeordnetenkammer wurde aufgelöst und die ganze Regierungsgewalt zur Erreichung günstiger Neuwahlen aufgeboten. Aber bei den Wahlen vom 14. Okt. siegten die Republikaner; auch die Generalratswahlen fielen für die Regierung 6 C aus; B. fiel in seiner eigenen Heimat durch. Es blieb ihm daher nichts übrig, als seine Entlassung zu nehmen. Die Annahme derselben Mebrheit sich. Da aber der Senat ihm mit einer Mehrheit von nur 22 Stimmen ein Vertrauensvotum gab, so forderte B. aufs neue seine Entlassung und erhielt sie 20. Nov. Von da an ist B. nicht mehr in den Vordergrund der parlamentarischen Verhandlungen getreten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 569Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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