Boullearbeiten nennt man diejenigen Arbeiten, welche noch heute in der Weise Boulles (s. d.) fabriziert werden, nämlich Marqueterie in Metall, Schildkrot und verschiedenfarbigem Holze. Das Genre ist in Paris mit dem 1 den E und der Vorliebe für die Kunstweisen und den Stil des 17. u. 18. Jahrh. wieder aufgelebt und wird jetzt sehr gut gearbeitet und viel zu denselben Gegenständen wie sonst verwendet. Auch in Wien fertigt man gegenwärtig B. Boulogne-sur-Mer (auch blos Boulogne genannt), feste Seestadt des franz. Depart. Pasde-Calais, Hauptort eines Arrondissements, amphitheatralisch an der Mündung der Liane, 37 km südwestlich von Calais an der Nordbahn in der Landschaft Boulonais gelegen. Die Stadt zählt (1881) 44085 E. (wovon ungefähr 4000 Engländer) und besteht aus Ober-und Unterboulogne, welches letztere, das Val de Tintelleries einnehmend, vorzugsweise B.⸗sur-Mer genannt wird. ie obere Stadt, zu welcher drei Thore führen, war früher schte befestigt; ihre Citadelle wurde jedoch 1690 gechleift, und ihre mit runden Halbtürmen flankierten Wälle sind längst in schöne Spaziergänge umge-Wetter mit einer reizenden Aussicht, die bei hellem etter sogar den Turm von Dover in England erkennen läßt. Diese obere Stadt enthält das Stadt-Daut (1734 an der Stelle eines alten Schlosses eraut, in welchem 1065 Gottfried von Bouillon geboren wurde), die Kirche Notre-Dame, ein vielbesuchter Wallfahrtsort (an der Stelle der alten, 1793 zerstörten Kathedrale, 1827—66 in griech.⸗ roman. Stile erbaut, überragt von einer Kupbole welche eine schöne Aussicht gewährt und ein olossales Standbild der heil. 5 u trägt), den Justizpalast, das alte Schloß mit Türmen und Bräben von 1231 (jetzt Kaserne und Artilleriemagalh und die Place d'Armes. Die untere oder eigentiche Hafenstadt, 2,5 km weit hingedehnt, ist neuer, schöner, volkreicher und belebter, hauptsächlich von Kaufleuten, 501. 80 und Fischern bewohnt. Sie enthält das Hotel des Unterpräfekten (davor die von David d'Angers entworfene kolossale Erzbüste König Heinrichs II. von Frankreich), eine schöne Kaserne, das große Hospital, das Theater, ein treffliches Museum, die öffentliche Bibliothek, die Börse, den Botanischen Garten u. s. w. Industrielle Vorstädte sind Bréquerecque und Capécure; das Quartier des Marins, mit niedrigen Häusern und gewundenen Straßen, hat zum Teil Treppen, welche den steilen Fels hinanführen. B. hat 6 Kirchen und 12 Kapellen, eine General-Handelskammer, einen Gewerberat, ein Handelsgericht, ein Kommunal-Collége, eine Musik-, eine Zeichenschule und andere Unterrichts⸗ sowie verschledene Wohlthätigkeitsannn eine Gesellschaft des Ackerbaues, des Han-I8, der Künste und Wissenschaften. Die Industrie Holzschneidemühlen, Marmor chneiden, Fabriken von Metallfedern, Cementfabriken, Brauereien, Olmühlen, Fabriken für Wagen, Glas, Drainageröhren u. s. w. Von großer Wichtigkeit ist die Fischerei, namentlich auch der Stockfischfang, den die Schiffe der Stadt bei Neufundland betreiben. Ebenso bedeutend ist der Handel, vorzüglich mit Heringen, Matrelen und Austern, die man Ungs der Küste in Menge fängt, mit „Linengane und Burgunderwein, mits ranntwein, feinen Liqueuren, Steinkohlen, Butter, Lein⸗, Woll⸗ und Seidenzeugen. Sehr bedeutend sind die uber B. gehenden Gold- und Silbersendungen. Im Juli 1863 ward zu B. ein Seebad-Etablissement eröffnet, dessen Erbauung 1 Mill. Frs. gekostet. B. neben Calais der nächste und besuchteste Überfahrtsort nach England. Täglich fahren von B. Dampfboote in 9—10 Stunden direkt nach London, täglich auch Packetboote in 2½ Stunden nach dem 30 km entfernten Folkestone, von wo man auf der Eisenbahn in 3 Stunden nach London gelangt. Von England kommen jährlich gegen 70000 Fremde in . an. Nach Paris (254 km) fährt man von B. über Amiens auf der Nordbahn in 6 Stunden. Der von imposanten Batterien verteidigte Hafen der Stadt mit zwei Molen von 780 und 600 m Länge (auf beiden je ein Leuchtturm) Sigt 1 für große Kriegsschiffe zu fithtn indessen können stets Schiffe von 5—800 t einlaufen. Im J. 1874 kamen an: 49 franz. Schiffe 6 Dampfer) von 7139 t; 1515 englische (1264 Dampfer) von 134584t; 90 andere von 23 726 t. Die Einfuhr hatte einen Wert von 375, die Ausfuhr einen von 388 Mill. Frs. Im Südwesten befindet sich ein 1803 ausgehöhltes weites Bassin, welches seit 1859 mit Aufwendung großer Kosten in ein 389 m langes, 193 m breites, 11m tiefes Dock, von Im mittlerm Wasserstand, umgewandelt ist, und die größten Seeschiffe aufnehmen kann. Die Forts L'Heurt und La Creche beherrschen die Reede. B. ist das alte Gessoriacum im Lande der Moriner und wurde seit Konstantin d. Gr. Bononia, seit den Karolingern Bolonia genannt. Seit dem 9. Jahrh. bildete es eine besondere Grafschaft, die nach mancherlei Vererbungen 1435 an den Herzog von Burgund kam und nach dem Tode Karls des Kühnen 1477 von Ludwig XI. mit der Krone Frankreichs vereinigt wurde. Auf der zu B. 1264 Bann tenen Kirchenversammlung ward England mit Bann und Interdikt belegt. Heinrich VII. von England belagerte w1492 die Stadt; 1544 eroberte sie Heinrich VIII.; doch ward sie 1550 von den Franzosen wiedergewonnen. Napoleon I. ließ 1803—5 den Hafen reinigen und hier eine große Menge Fahrzeuge zur überfahrt eines Heeres nach England erbauen, auch kleine Forts und Batterien zur Sicherhande des Hafens und der Stadt anlegen. Schon tand ein Heer von 80000 Mann monatelang in einem großen Lager auf der Hochfläche nördlich von B., angeblich zum übersetzen nach England bereit als der Ausbruch der Feindseligkeiten mit Osterrei 1805 diesem Heere eine ganz andere Bestimmung gab. Zum Andenken dieses großen Lagers ward vor der Stadt 1804—21 auf einer Uüber 100m hohen Felsenwand eine dor. Marmorsäule (Colonne de Ia Grande-Armée) errichtet, die später nach den Zeichnungen Labarres vollendet wurde (53 m hoch, bei Am Durchmesser, eine 5m hohe Bronzestatue Napoleons I. tragend). Am 6. Aug. 1840 war B. das Ziel der verfehlten Expedition Ludwig Napoleons, der bei dem nördlich gelegenen Weiler Wimereux landete.