Bouloguer Holz (Bois de oulogne), so benannt nach der Stadt Boulogne-sur-Seine, ein Gehölz auf der westl. Seite von Paris, außer der Ringmauer, die dasselbe von der Stadt abschneidet, obschon es offiziell in gewissen Beziehungen noch dazu gerechnet wird, zwischen der Porte de Neuilly und der Porte d'Auteuil. Das mit Wegen durchschnittene, 900 ha große Gehölz diente vormals als königl. Jagdpark und erhielt in der ersten Französischen Revolution die Bestimmung eines Lustwaldes, der aber bei gänzlich mangelnder Fürsorge und Aufsicht verwilderte, bis Napoleon I. ihn neu anpflanzen und herrichten ließ. Von alters her Krondomänengut, wurde das Gehölz 1853 an die Stadt Paris abgetreten, unter der Bedingung, daß sie Verschönerungen in großem Maßstabe damit vornehmen solle. Auch traf man sofort Anstalten, die sandige, wasserarme, größtenteils mit jungen Eichen, einigen Tannen und allerlei Gesträuch bewachsene Fläche in einen Park nach engl. Stil zu verwandeln. Große Seebecken und ein ansehnliches Flußbett wurden ausgegraben und mit deren Erde Hügel für Aussichten ins Freie aufgeworfen. Dazu kamen Inseln und Wiesengründe, Wasserfälle, Felsenpartien, schattige Gänge, abwechselnde Baumarten, Weideplätze für Hirsche und Rehe, Tümpel mit Trauerweiden, Sennhütten mit Eß⸗ und Trinkanstalten, ein Zoologischer Garten (Jardin d'acelimatation mit Miennbahn ein Feld für Truppenmanöver und Ringsum haben sich stattliche Villen in Menge angesetzt. Das königl. Jagdschloß Madrid und die berühmte Abtei von Longchamp (s. d.), die sonst zu dem Holze gehörten, sind verschwunden. Das ehemalige königl. Lustschloß La Muette ist jetzt Eigentum des Pianofabrikanten Erard, und die Bagatelle, eine prächtige Villa, deren Inneres noch von dem Geschmack und dem Luxus des alten Besitzers, des Grafen von Artois (nachherigen Karl X.), zeugt, ist von einem Engländer, dem Marquis Herford, angekauft worden. Beim Bevorstehen der Belagerung im Sept. 1870 ließ das Ingenieurkorps, um den Wallkanonen ihre ungehinderte Wirksamkeit Giae die Belagerer zu verschaffen, den längs des Glacis zwischen der Porte d'Auteuil und der Porte Maillot befindlichen Teil des Holzes abhauen, welchen man seitdem zur Anlage einer Rennbahn (Champ de courses d'Auteuil) benutzt hat. Im Verlauf der Belagerung wurden, bei eintretendem Frostwetter und Holzmangel, en e das Fällen der größten Bäume auch die übrigen Teile des Gehölzes bedeutend gelichtet; doch wurde die Wiederanpflanzung alsbald mit solchem Eifer in die Hand genommen, daß die Spuren der Verwüstung aus der Zeit der Belagerung von 1870/71 jetzt fast völlig verschwunden sind.