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ErdkundeBrockhaus 1882

Beauvais, die Hauptstadt des franz. Depart. Oise und eine der gewerbfleißigsten Städte Frankreichs, liegt in der alten Provinz Isle de France im Thal des Oisezuflusses Therain, wo sich dieser mit dem Avelon vereinigt, und an der Nordbahn, 88 km im NNW. von Paris, umgeben von bewaldeten Höhen. Sie zählt (1876) 16591 (Gemeinde 16 600) E., ist Sitz der Departementsbehörden und eines Bischofs, G6 eine litterarische, eine ökonomische und andere Gesellschaften, ein Museum, eine öffentliche Bibliothek von 15000 Bänden, sowie ein Kommunal-College, ein theol. Seminar, ein Civil⸗ und Militärhospital, Kasernen und ein neues Theater. Die altertümlich und schlecht gebaute Stadt besitzt eine großartige, aber unvollendete goth. Kathedrale, 1225 begonnen, mit 13 schön geschmückten apellen und prachtvollem Chor, die Kirche St.⸗Etienne mit bemerkenswerten Glasmalereien und die Kirche der Basse-Oeuvre, eins der ältesten und merkwürdigsten Gebäude Frankreichs. Der alte Bischofspalast von 1500 ist jetzt Justizpalast, und die alten Stadtwälle sind in schöne, schattige Promenaden verwandelt. B. ist eine bedeutende Fabrik⸗ und Handelsstadt. Außer der Nationalmanufaktur für Hautelisseteppiche und Gobelintapeten, welche 1664 unter Colberts Verwaltung von Louis Hinard gegründet und 1792 von der Regierung übernommen wurde, hat es vier große Manufakturen; eine mit 700 Arbeitern liefert jährlich etwa 75 000 Teppiche und Decken, eine Tuchfabrik beschäftigt gegen 600, eine Passementerie 400 Arbeiter; Fabriken für Woll⸗ und Baumwollwaren aller Art, für Knöpfe und Bürsten, außerdem Spinnereien, Wollkämmereien, Bleichen, Färbereien, viele Töpfereien und Steingutfabriken. Der Handel ist sehr lebhaft, besonders in Getreide, Wein und Manufakten. In der Nähe der Stadt sind zwei kalte Mineralquellen. B. ist eine sehr alte Stadt, die im Lande der mächtigen Bellovaci in Gallia Belgica lag und bei den Römern Caesaromagus, dann Bellovacum und im Mittelalter Belvacus und Belloaca hieß; 845, 1034, 1114, 1119 oder 1120, 1124 und 1161 wurden hier Konzile gehalten; 850 brannten es die Normannen nieder und 883 nahmen sie es als Winterquartier. Seit der Mitte des 9. Jahrh. bildete B. eine Grafschaft des reichen Hauses Vermendois. Odo II. übertrug 1013 den Grafentitel an seinen Bruder Roger, den Bischof von B. Seitdem blieb den Prälaten dieser Titel, zu dem dann noch die Pairie kam, s odaß diese Kirchenfürsten zu den ersten Würdenträgern des Königreichs gehörten. B.verteidigte sich 1346 mutig gegen die Engländer. In der Umgegend von B. brach im März 1358 der Bauernkrieg (Jacquerie) aus. Die Stadt hatte zwei harte Belagerungen zu erdulden, 1433 gegen die Engländer, 1472 gegen Karl den Kühnen von Burgund. Sie wurde das erste mal gerettet durch die heldenmütige Aufopferung des Jean Ligniere, das zweite mal durch die Suchetn der Bürgerinnen unter der Heldin Jeanne Hachette (1851 ward der letztern eine Bronzestatue errichtet), denen zu Ehren noch jetzt alljährlich am 14. Okt. ein Fest gefeiert wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 661Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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